Fraunhofer ISE: Fahrzeugintegrierte Photovoltaik soll Stromnetze entlasten
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat im Rahmen seines Projekts SolarMoves untersucht, welchen Nutzen integrierte Solarmodule für Pkw und Nutzfahrzeuge haben. Das geht aus einer Presseinformation des Instituts vom 19. Mai hervor. Die Ergebnisse zeigen ein klares Entlastungspotenzial für Stromnetze und externen Ladebedarf. Besonders Fahrzeuge mit großen Dach- und Seitenflächen können einen Teil ihres Energiebedarfs direkt selbst erzeugen.
Fahrzeuge könnten mehr Energie selbst erzeugen
SolarMoves stützt die Ergebnisse auf Daten von 23 Fahrzeugtypen und 1,3 Millionen gefahrenen Kilometern. Bei Pkw mit großer Dachfläche und kurzer jährlicher Nutzung zeigt sich ein besonders hoher Eigenstromanteil: In Mitteleuropa können sie bis zu 55 Prozent ihres Energiebedarfs decken, in Südeuropa bis zu 80 Prozent. Hochgerechnet auf den europäischen Fahrzeugmarkt ergibt sich ein deutlicher Netzeffekt. Wenn alle Neufahrzeuge der Jahre 2024 bis 2030 mit Vehicle Integrated Photovoltaics (VIPV) ausgestattet würden, könnte der Strombezug aus dem europäischen Netz im Jahr 2030 um 15,6 Terawattstunden sinken.
Große Fahrzeugflächen liefern Strom für Nebenaggregate
Für Logistikflotten ist der Ansatz besonders interessant: Lieferwagen, Lkw und Anhänger bieten viel Fläche für Solarmodule und benötigen Energie für Kühlung, Heizung sowie Hilfsaggregate. Elektro-Lkw gewinnen durch VIPV bis zu 15 Prozent tägliche Reichweite. Anhänger mit Dach- und Seitenmodulen können im Sommer 90 bis 110 Kilowattstunden pro Tag erzeugen, genug für Kühl- oder Hydrauliksysteme. Bei Diesel-Lkw rechnet das Projekt mit einer Amortisation in unter zwei Jahren, weil Nebenverbraucher weniger Kraftstoff benötigen.
Damit VIPV breiter eingesetzt werden kann, empfiehlt das Konsortium passende Rahmenbedingungen: Die Technik soll in das weltweit harmonisierte Leichtfahrzeug-Testverfahren WLTP aufgenommen werden, damit CO₂-Reduktionen und Stromeinsparungen national angerechnet werden können. Außerdem sollen CO₂-Reduktionen und Stromeinsparungen national für steuerliche Anreize nutzbar werden. Die Partner empfehlen zudem Richtlinien für solarfähige Parkflächen und eine Anerkennung in der europäischen Erneuerbare-Energien-Richtlinie.
Lenneke Slooff-Hoek, Projektmanagerin von SolarMoves bei TNO, erklärte: „Elektrifizierung allein reicht nicht aus. Wir brauchen Innovationen, die den Energiebedarf strukturell senken. VIPV leistet genau hier einen Beitrag.“

