FBDi-Marktauswertung: Elektronikdistribution wächst im ersten Quartal um 10,1 Prozent
Die deutsche Distribution elektronischer Bauelemente ist mit steigendem Umsatz und einem kräftigen Auftragsschub ins Jahr 2026 gestartet. Das geht aus einer Pressemitteilung des deutschen Fachverbands der Bauelemente-Distribution (FBDi) vom 6. Mai hervor. Nach der Erholung im zweiten Halbjahr 2025 zieht die Nachfrage weiter an. Der Speichermarkt bringt hingegen Unruhe in die Bauelemente-Distribution.
Hohe Bestellungen stützen den Aufschwung im ersten Quartal
Der Aufwärtstrend zeigt sich besonders klar in den Auftragsbüchern. Der FBDi meldet für das erste Quartal neben dem Umsatzplus von 10,1 Prozent einen Book-to-Bill-Wert von 1,44. Noch kräftiger fällt der Auftragseingang aus: Er lag 63,7 Prozent über dem Vorjahresquartal. Das spricht für Kunden, die wieder konkreter disponieren und neue Projekte anstoßen.
KI-Boom setzt Speichermarkt unter Druck
Die Nachfrage zieht an, doch der Markt bleibt nervös. Knappe Kapazitäten, fragile Lieferketten und steigende Preise bei Speicherbauelementen setzen der Distribution weiter zu. Laut World Semiconductor Trade Statistics (WSTS) legte der globale Halbleitermarkt im Februar 2026 um 61,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Für Deutschland wirkt diese Entwicklung über den Speichermarkt, weil die KI-Nachfrage weltweit Kapazitäten bindet und Preisbewegungen auslöst. Europa bleibt laut FBDi stärker von industriellen Anwendungen geprägt als die USA und Asien, wo KI-Infrastruktur die Nachfrage besonders stark treibt.
Andreas Falke, Geschäftsführer FBDi e. V., erklärte: „Der positive Trend aus dem späten Vorjahr setzt sich fort, getragen von stabilen Preisen und einer spürbaren Nachfragebelebung. Gleichzeitig nehmen die Sorgen über Verfügbarkeit und Lieferketten wieder zu. Globale Instabilität, regionale Konflikte und volatile Energiemärkte schaffen Unsicherheit, ohne jedoch das zugrunde liegende Wachstumspotenzial zu überdecken. Europa bleibt stärker an industrielle Anwendungen gebunden als an die KI-getriebenen Nachfragewellen in den USA und Asien. Das macht unsere Entwicklung kontinuierlicher, sie bleibt dennoch anfällig für externe Schocks.“
Memory-Nachfrage bringt Unruhe in den Halbleitermarkt
Das Halbleitergeschäft bekommt seinen stärksten Impuls aus dem Memory-Segment. Insgesamt stieg der Halbleiterumsatz im ersten Quartal um 8,4 Prozent auf 577,6 Millionen Euro. Speicherbauelemente liefen dem Gesamtmarkt deutlich voraus: plus 115,8 Prozent beim Umsatz, ein Book-to-Bill-Wert von 3,42 und ein Auftragseingang, der 590 Prozent über dem Vorjahresquartal lag. Opto-Bauelemente sowie MOS-Micro und programmierbare Logik verzeichneten jeweils Bestellzuwächse von über 60 Prozent.
Bei IP&E fällt die Entwicklung deutlich gleichmäßiger aus. Die Segmente kamen zusammen auf 320,7 Millionen Euro Umsatz und lagen damit 11,8 Prozent über dem Vorjahreswert. Passive Bauelemente steuerten 137,4 Millionen Euro bei. Die Elektromechanik erreichte 149,6 Millionen Euro und bleibt für Automatisierung sowie Energie- und Gebäudetechnik ein wichtiger Nachfrageanker. Mit einem Book-to-Bill-Wert von 1,17 zeigt IP&E Wachstum mit deutlich ruhigerer Kurve als der Speichermarkt.
Industrienachfrage soll den Markt weiter tragen
Der starke Jahresstart macht den weiteren Verlauf bislang nicht verlässlich planbar. Im Speichermarkt können hohe Bestellungen laut FBDi auch auf Vorratsaufbau zurückgehen, was Ausschläge in den nächsten Quartalen wahrscheinlicher macht. Wachstumsimpulse erwartet der Verband von KI-Infrastruktur, Defense & Aerospace, Energie- und Mobilitätswende, Systemintegration sowie langlebigen Industrieanwendungen. Fragile Lieferketten bleiben der wichtigste Unsicherheitsfaktor. Geopolitische Spannungen verschärfen den Druck auf Energie- und Rohstoffmärkte.
Andreas Falke sagte: „Europa braucht Klarheit, Mut und gemeinsame Prioritäten, um seine industrielle Stärke aktiv in die Zukunft zu tragen. Das erste Quartal 2026 zeigt, dass der Markt wieder Tritt fasst. Jetzt gilt es, das aktuelle Momentum zu nutzen und die Basis für mehr Resilienz entlang der gesamten Wertschöpfungskette weiter zu stärken und eine bessere Position im globalen Wettbewerb zu entwickeln.“




