Robotik-Weltverband IFR: China macht KI-Robotik zur Industriestrategie
China will KI stärker in industrielle Anwendungen bringen und stellt Robotik dafür in den Mittelpunkt seines 15. Fünfjahresplans. Das geht aus einer Mitteilung des in Frankfurt am Main ansässigen Robotikverbands International Federation of Robotics (IFR) vom 5. Mai hervor. Im Zentrum des Plans steht der Transfer von KI-Forschung in physische Anwendungen für Wirtschaft und Industrie. Besonders deutlich wird die Tragweite in der Elektronikfertigung, in der China laut IFR 64 Prozent der weltweit installierten Industrieroboter auf sich vereint.
Robotik wird zum Hebel der chinesischen Industriepolitik
China setzt mit seinem neuen Fünfjahresplan auf eine engere Verzahnung von KI-Entwicklung und industrieller Praxis. Nach Einschätzung der IFR soll Robotik dabei zu einem zentralen Instrument werden, um KI stärker in Fabriken und Unternehmen nutzbar zu machen. Die Vorgaben aus Peking prägen staatliche Maßnahmen sowie Programme auf Branchen- und Regionalebene. Damit steckt Peking den Kurs für die Jahre 2026 bis 2030 ab.
Takayuki Ito, Präsident der International Federation of Robotics, erklärte: „Der neue Fünfjahresplan der Volksrepublik China dient als wichtigstes Rahmendokument, das die übergeordnete Ausrichtung für alle weiteren staatlichen Maßnahmen vorgibt. Tausende untergeordneter, sektoraler und regionaler Pläne müssen nun auf die neuen Ziele abgestimmt werden. Mit diesem Rahmenplan verlagert China seinen Schwerpunkt von der traditionellen industriellen Automatisierung hin zu hochwertiger, intelligenter Robotik, die mit künstlicher Intelligenz kombiniert wird.“
Humanoide Roboter bleiben vorerst ein Zukunftsthema
Humanoide Roboter sorgen in Chinas Robotikstrategie für Aufmerksamkeit, doch für die industrielle Fertigung sieht die IFR ihren Einsatz vorerst am Anfang. In Fabriken zählen Tempo, Wiederholgenauigkeit und präzise Bewegungsabläufe. Diese Anforderungen erfüllen klassische Industrieroboter heute deutlich zuverlässiger als humanoide Systeme. Laut IFR sieht der Fünfjahresplan eine breitere Vermarktung humanoider Roboter eher gegen Ende des Planzeitraums vor. Größere Effekte dürfte KI in den kommenden fünf bis zehn Jahren in der etablierten Industrierobotik entfalten, etwa bei automatisierten Fertigungsprozessen mit hoher Taktung und engen Toleranzen.
Chinas Elektronikfertigung bleibt wichtigster Robotermarkt
Die Ausgangslage zeigt, welches Gewicht Chinas Strategie bereits heute für die Automatisierungsbranche hat. Laut IFR-Jahresbericht „World Robotics 2025“ verfügt Chinas Fertigungsindustrie über einen operativen Bestand von rund 2 Millionen Industrierobotern. Damit liegt das Land bei etwa dem 4,5-Fachen des Bestands von Japan, das weltweit auf Rang zwei folgt. Zudem entfallen 54 Prozent der jährlich neu installierten Industrieroboter weltweit auf China.
Der chinesische Binnenmarkt gewinnt dabei weiter an Bedeutung für heimische Anbieter. Ihr Anteil an den Installationen von Industrierobotern in China stieg von 30 Prozent im Jahr 2020 auf 57 Prozent im Jahr 2024. In der Elektronikindustrie fällt der chinesische Anteil besonders hoch aus: 64 Prozent der weltweiten Roboterinstallationen in dieser Branche entfallen laut IFR auf China. Chinesische Hersteller beliefern 59 Prozent der heimischen Elektronikanwender. In der Metall- und Maschinenbauindustrie erreichen chinesische Roboterlieferanten im Inland sogar 85 Prozent Marktanteil. Für die Elektronikfertigung bleibt China damit ein zentraler Gradmesser dafür, wie schnell KI in die industrielle Robotik einzieht.




