Infineon bringt Know-how in drei Quanten-Pilotlinien ein
Der Münchner Halbleiterhersteller Infineon Technologies beteiligt sich an drei europäischen Quanten-Pilotlinien, die Quantenchips in Richtung industrieller Fertigung bringen sollen. Das geht aus einer Unternehmensmitteilung vom 22. April hervor. Mit den Pilotlinien will Europa den Weg von der Forschung zur industriellen Herstellung von Quantenhardware verkürzen. Dafür sollen Entwickler, Forschungseinrichtungen und Fertigungspartner enger zusammenarbeiten.
Europas Quantenpläne rücken näher an die Fertigung
Mit seiner Beteiligung an CHAMP-ION, SUPREME und SPINS will Infineon Quantenchips näher an die industrielle Herstellung rücken. Dafür bringt das Münchner Unternehmen seine Entwicklungs- und Fertigungserfahrung in drei technologische Ansätze ein: Ionenfallen, supraleitende Systeme und spinbasierte Halbleiterstrukturen. So sollen Quantenprozessoren künftig verlässlich und mit gleichbleibender Qualität in größerem Maßstab hergestellt werden. Die Grundlage dafür bilden laut Infineon spezialisierte Labore, die eng mit der Halbleiterproduktion verzahnt sind.
Sabine Herlitschka, Head of Strategic Funding Management bei Infineon Technologies, sagte: „Das Ziel ist klar: Quantencomputer sollen in Europa entwickelt und gefertigt werden. Die Quanten-Pilotlinien schaffen genau die dafür notwendige enge und wirkungsvolle Zusammenarbeit entlang der gesamten Quanten-Wertschöpfungskette. Gemeinsam mit exzellenten Partnern stärken wir Europas Quantenökosystem und überführen wissenschaftliche Exzellenz in skalierbare industrielle Lösungen. So gelingt der Schritt der Quantentechnologie vom Labor in die reale Anwendung. Damit leisten wir einen wesentlichen Beitrag zu den Zielen des Europäischen Chips Acts und zur digitalen Souveränität Europas in dieser Schlüsseltechnologie.“
Ionenfallen, Supraleitung, Spin-Technologien
Quantencomputer gelten als Hoffnungsträger für Aufgaben, bei denen klassische Rechner an Grenzen stoßen. Nach Angaben von Infineon liegen mögliche Anwendungen etwa in der Entwicklung neuer Medikamente und Materialien, in der Optimierung von Lieferketten und im Management intelligenter Stromnetze.
Die Pilotlinie CHAMP-ION baut unter Führung von Silicon Austria Labs aus Graz eine europäische Fertigungslinie für Ionenfallen-Quantenchips auf. SUPREME steht unter Leitung der finnischen Forschungsorganisation VTT und soll supraleitende Quantentechnologien voranbringen. SPINS wird vom belgischen Forschungszentrum imec in Leuven koordiniert und setzt auf Quantenchips aus Silizium sowie Silizium/Silizium-Germanium-Strukturen mit standardisierter CMOS-Fertigung.
Insgesamt hat Europa sechs Quanten-Pilotlinien ausgewählt, die in den nächsten sieben Jahren genau diesen Ausbau in Richtung industrieller Fertigung beschleunigen sollen. Finanziert werden die Quanten-Pilotlinien von der Europäischen Union und zum Teil von den beteiligten Staaten im Rahmen der Chips-for-Europe-Initiative und des Chips-Joint-Undertaking.


