Brüssel gibt grünes Licht für deutschen Industriestrompreis
Die EU-Kommission hat die deutschen Pläne für einen Industriestrompreis genehmigt. Deutschland kann stromintensive Industriebetriebe damit rückwirkend ab dem 1. Januar 2026 über einen gedeckelten Strompreis entlasten. Wie tagesschau.de berichtet, schafft die Freigabe aus Brüssel für einen Teil der Industrie erstmals Klarheit über den geplanten Zuschussrahmen. Zunächst steht das Instrument energieintensiven Branchen offen, weitere könnten später hinzukommen.
Bis zu 3,8 Milliarden Euro für günstigeren Industriestrom
Mit der Zustimmung der EU-Kommission kann die Bundesregierung stromintensive Unternehmen vom 1. Januar 2026 an rückwirkend beim Strompreis subventionieren. Für das Programm sind bis Ende 2028 3,8 Milliarden Euro vorgesehen. Geplant ist, den von den Unternehmen zu zahlenden Strompreis auf fünf Cent je Kilowattstunde zu begrenzen; die Differenz zum Marktpreis soll der Staat übernehmen.
Nach den Vorgaben aus Brüssel darf der vergünstigte Preis nicht unter 50 Euro je Megawattstunde sinken. Außerdem müssen die geförderten Unternehmen mindestens die Hälfte der Entlastung in eine klimafreundlichere Produktion zurückführen. Reiche nannte dafür unter anderem Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie auf dem eigenen Betriebsgelände.
Die Förderung wird jeweils zum Jahresende beantragt; ihre Höhe richtet sich danach, wie viel Strom ein Unternehmen tatsächlich verbraucht hat und wie hoch die durchschnittlichen Strompreise lagen.
Förderung für Stahl, Zement und Chemie
Die EU-Kommission begründet ihre Zustimmung mit dem Risiko, dass Unternehmen aus betroffenen Branchen ihre Aktivitäten in Länder außerhalb der EU verlagern könnten. Im ersten Schritt zielt die Entlastung vor allem auf die Stahl-, Zement- und Chemieindustrie. Wie Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sagte, könnten in Deutschland 91 Sektoren und rund 9.500 Unternehmen von dem Modell erfasst werden. Später könnten auch weitere Branchen einbezogen werden, sofern sie die geforderte Strom- und Handelsintensität nachweisen.
Chemiebranche hält Entlastung für unzureichend
Kritik kam unterdessen aus der Chemiebranche. Der Verband der Chemischen Industrie hält die vorgesehene Entlastung für viele Betriebe für zu klein, um die hohen Stromkosten spürbar abzufedern.
Matthias Belitz vom VCI erklärte: „Laut unseren Berechnungen würde die Entlastung bei den meisten Unternehmen bei unter zehn Prozent der Strombezugskosten liegen.“
In Berlin war der Industriestrompreis bereits seit November 2025 beschlossen. Erst mit der Freigabe der EU-Kommission ist der Weg für die praktische Umsetzung jetzt frei.

