Ukraine kehrt auf den Rüstungsmarkt zurück – Exporte könnten Milliarden erreichen
Die Ukraine könnte im Jahr 2026 militärische Ausrüstung und Dienstleistungen im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar exportieren, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Hintergrund sind erste Entscheidungen zur schrittweisen Wiederzulassung von Waffenexporten während des laufenden Krieges. Zudem erwägen die Behörden eine Steuer auf Rüstungsexporte, um zusätzliche Mittel für die Finanzierung der Streitkräfte zu generieren.
Nach über vier Jahren seit dem vollständigen Stopp der Waffenexporte infolge der russischen Invasion im Februar 2022 beginnt Kiew nun mit einer vorsichtigen Lockerung. Entsprechende Lizenzentscheidungen wurden von einer staatlichen Kommission unter Kriegsbedingungen getroffen.
Unmittelbar nach Beginn des Angriffskrieges hatte die Ukraine sämtliche Rüstungsexporte eingestellt und sich vollständig auf die Landesverteidigung konzentriert. Die militärischen Kapazitäten stützten sich dabei vor allem auf Lieferungen internationaler Partner. Parallel dazu investierte der Staat massiv in den Ausbau der eigenen Verteidigungsindustrie, insbesondere in die Entwicklung von Drohnen- und Raketensystemen. Die Erfahrungen an der Front beschleunigten die technologische Weiterentwicklung erheblich.
Unter den Bedingungen des groß angelegten Krieges entstand in der Ukraine ein beschleunigtes System für Design, Produktion und schnelle Einführung neuer Drohnenmodelle. Dieses umfasst sowohl die Massenproduktion von FPV-Drohnen (First Person View) als auch komplexere Aufklärungs- und Angriffssysteme wie die UJ-26 „Bober“ oder das unbemannte Luftfahrtsystem PD-2 von Ukrspecsystems.
Die Front fungierte für ukrainische Unternehmen und das Militär als reales Testlabor. Neue Lösungen werden innerhalb weniger Wochen erprobt, angepasst und in den Einsatz gebracht – nicht über Jahre hinweg. Dieses praxisnahe Know-how stößt zunehmend auf Interesse bei NATO-Staaten und internationalen Rüstungsunternehmen, die die ukrainischen Modelle zur Skalierung der Produktion und zur militärischen Nutzung ziviler Technologien analysieren.
Laut Reuters zeigen zahlreiche internationale Partner Interesse an ukrainischen Verteidigungstechnologien, darunter Deutschland, Großbritannien, nordische Staaten sowie Länder im Nahen Osten und in Asien.
Bei der Vergabe von Exportlizenzen sollen vorrangig Staaten berücksichtigt werden, die die Ukraine militärisch besonders stark unterstützen. Die Regierung setzt dabei vor allem auf gemeinsame Industrieprojekte und Technologietransfer statt auf den reinen Verkauf fertiger Systeme. Ziel ist es, zusätzliche Finanzierungsquellen zu erschließen, neue Lieferketten aufzubauen und Zugang zu ausländischen Technologien zu erhalten.
Nach vier Jahren großflächiger Kriegserfahrung verfügt die Ukraine heute über ein einzigartiges technologisches Know-how im Bereich unbemannter Systeme. Das Land gilt mittlerweile als eines der weltweit wichtigsten Innovationszentren für militärische Drohnentechnologie.
Am 7. Mai bietet sich auf der Evertiq Expo in Krakau die Gelegenheit, Einblicke in diese Entwicklungen zu erhalten. Ein Experte des ukrainischen Unternehmens Kvertus wird dort über die technologischen und konstruktiven Herausforderungen berichten, die bei der Entwicklung zuverlässiger elektronischer Systeme unter Kriegsbedingungen auftreten. Zudem wird thematisiert, wie reale Einsatzerfahrungen die Weiterentwicklung moderner Elektroniklösungen beeinflussen.



