Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
© igor stevanovic dreamstime.com Markt | 15 Oktober 2015

Alter schützt vor Investitionen nicht

Trotz Konjunktur und Niedrigzinsen investieren Unternehmen in Deutschland kaum. Aber warum?
Gerne wird der demographische Wandel herangezogen: Verantwortlich seien Ă€ltere Unternehmer, die kein Interesse mehr an Investitionen hĂ€tten, da es ihrem Unternehmen ja gut ginge. Diese Annahme ist – wie Studien zeigen – zwar nicht ganz falsch. Sie ist aber nur die eine Seite der Medaille, betont Prof. Lucas F. Flöther, einer der fĂŒhrenden deutschen Insolvenzverwalter und Sanierungsexperten. Auf der anderen Seite gibt es nĂ€mlich auch viele Ă€ltere Unternehmer, die gerne investieren wĂŒrden, von den Banken aber keine entsprechenden Kredite mehr erhalten. „Das Geld fĂŒr Investitionen kommt nicht in den Unternehmen an“, beschreibt Flöther die aktuelle Situation. „Sie könnten gar nicht von den Niedrigzinsen profitieren.“ Es herrscht also derzeit zwar eine LiquiditĂ€tsschwemme im Finanzmarkt, aber ein LiquiditĂ€tsengpass bei vielen Unternehmen. Dass beide Szenarien betroffene Unternehmen schnell in eine existenzbedrohende Krise fĂŒhren können, sieht Flöther regelmĂ€ĂŸig in seiner tĂ€glichen Praxis. Wie aber sollen Unternehmen – gerade solche mit Ă€lteren Inhabern, Gesellschaftern oder GeschĂ€ftsfĂŒhrern –, das Thema Investitionen richtig angehen? Dabei sollte weniger das Alter des Unternehmers im Mittelpunkt stehen, als vielmehr das Produkt und das Wohl seines Unternehmens.
Prof. Lucas F. Flöther © Flöther & Wissing
RĂŒcklagen bilden und fĂŒr Investitionen einsetzen ZunĂ€chst einmal, so Flöther, sollten Investitionen grundsĂ€tzlich immer einer klaren Strategie folgen: „Nur weil gerade Geld da ist, heißt das nicht, dass es auch Sinn macht, dieses wieder direkt zu investieren.“ Auf der anderen Seite dĂŒrfe sich ein Unternehmer aber auch nicht generell vor Investitionen verschließen, nur weil es dem Unternehmen gerade gut geht. Daher rĂ€t Flöther, in wirtschaftlich „guten Zeiten“ kontinuierlich RĂŒcklagen zu bilden und diese dann auch gezielt fĂŒr Investitionen einzusetzen. So ist das Unternehmen nicht oder nur zum Teil auf Kredite angewiesen; es lĂ€uft aber auch nicht Gefahr, sofort in eine Schieflage zu geraten, wenn eine Investition nötig wird. „Vorhandene RĂŒcklagen nehmen gerade Ă€lteren Unternehmern die Angst vor Investitionen“, stellt Flöther fest. Das Motto „Der gute Unternehmer ist auch ein vorsichtiger Kaufmann“, ist laut Flöther also erst einmal richtig. Aber diese Vorsicht, die vermehrt Ă€ltere Unternehmer zeigen, darf nicht zu Stagnation und Verweigerung fĂŒhren. „Investitionen sind in allen Unternehmen notwendig – frĂŒher oder spĂ€ter. Produkte und MĂ€rkte wandeln sich genauso wie die beteiligten Personen.“ Diesem Wandel kann oftmals nur durch Investitionen oder Innovationen begegnet werden. Ein Produkt, das die letzten dreißig Jahre gut funktioniert hat und erfolgreich war, kann nĂ€chstes Jahr schon ĂŒberholt und damit unverkĂ€uflich sein. Keine Verkrustung zulassen Das bedeutet auch, nicht nur im Hier – oder gar in der Vergangenheit – denken, sondern den Blick in die Zukunft zu richten. Welche Herausforderungen kommen die nĂ€chsten Monate und Jahre auf die Branche zu? Bin ich mit meinem Produkt unter den neuen Rahmenbedingungen weiterhin konkurrenzfĂ€hig? „Sollte die zweite Frage nicht mit einem klaren ‚Ja‘ beantwortet werden können, gilt es, das Produkt oder das Unternehmen neu auszurichten“, rĂ€t Flöther. Dabei dĂŒrfe auch nicht vor möglichen Investitionen zurĂŒckgeschreckt werden. GrundsĂ€tzlich gelte: „Immer am Ball bleiben“, also Produkte und Leistungen regelmĂ€ĂŸig hinterfragen und bei Bedarf investieren. Dazu zĂ€hlt auch: Offenheit fĂŒr Neues. Gerade Ă€ltere Unternehmer tun sich oft schwer loszulassen oder Tipps von außen anzunehmen. Dies fĂŒhrt schnell dazu, dass die eingefahrenen Denkweisen gar nicht mehr in Frage gestellt werden und eine Art Verkrustung einsetzt. Flöther dazu: „Unterschiedliche Denkweisen in einem Unternehmen sind fĂŒr den Unternehmenserfolg aber unverzichtbar. Gerade Außenstehende haben oft einen ganz anderen Blick auf die Dinge und bringen neue Ideen ein, wie das Unternehmen erfolgreich weiterentwickelt werden kann.“ Diese neuen AnsĂ€tze fĂŒhren immer wieder zu hilfreichen Investitionen fĂŒr die Zukunft. Nachfolge rechtzeitig regeln In diesem Zusammenhang ist es naturgemĂ€ĂŸ besonders wichtig, sich rechtzeitig um die Unternehmensnachfolge zu kĂŒmmern. „Ein Thema, das von Ă€lteren Firmenchefs gerne verdrĂ€ngt wird“, so Flöther. „Obwohl eine UnternehmensĂŒbergabe mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann.“ Oftmals schadet der Firmenchef seinem Unternehmen dadurch mehr als es nutzt, wenn er das Ruder so lang wie möglich in der Hand behĂ€lt und nur wenig Zeit fĂŒr eine spĂ€tere Übergabe vorhanden ist. Ein guter Nachfolger, der eine Zeit gemeinsam mit dem bisherigen Chef die GeschĂ€fte lenkt, ist laut Flöther dagegen die beste Variante. „Oftmals brennt der Neue darauf, dass Unternehmen weiterzuentwickeln und ist daher eher bereit, Investitionen zu tĂ€tigen.“ Zumal der meist jĂŒngere Nachfolger bei der Aufnahme eines erforderlichen Kredits sicher bessere Karten hat. Kreditinstitute drĂ€ngen im Rahmen ihrer Risikobeurteilung in der Regel auf Klarheit bei der Unternehmensnachfolge. Wenn Sie mehr ĂŒber dieses Thema erfahren wollen, dann verpassen Sie TEC MĂŒnchen nicht. Dr. Katharina Gelbrich von Flöther&Wissing wird sich am 26. Januar 2016 nĂ€her mit dem Bereich Investitionsverhalten in der deutschen Mittelschicht beschĂ€ftigen. Noch nicht als Besucher angemeldet? Folgen Sie einfach diesem Link. Eine Anmeldung dauert nur 2 Minuten.
Anzeige
Anzeige
Weitere Nachrichten
2019.02.20 12:04 V12.2.3-2