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Elektronikproduktion | 02 November 2010

ZVEI: Engpass bei Rohstoffversorgung droht

China gefährdet mit seinen Exportverknappungen bei Seltenen Erden auch eine reibungslose Rohstoffversorgung für die Elektroindustrie, heisst es in einem Positionspapier des ZVEI.

Zwar gibt es überall auf der Welt Vorkommen an Seltenen Erden – so u.a. in Afghanistan, Australien, Brasilien, China, den ehemaligen GUS-Staaten, Indien, Kanada, Südafrika oder den USA. Ihre Förderung verursacht regelmäßig hohe Kosten, insbesondere zur Internalisierung von Umweltbelastungen. Derzeit werden rund 97% des weltweiten Angebots Seltener Erden i. H. v. 124'000 Tonnen jährlich allein von China bereitgestellt. Die Förderung innerhalb der Volksrepublik findet dabei oft in kleinen und vielfach illegal betriebenen (Billig-)Bergwerken statt – nicht selten unter Missachtung von Umweltstandards. China will – nach eigenen Aussagen – viele dieser Bergwerke schließen und hat deshalb den Export seiner Seltenen Erden von 60'000 t im Jahr 2009 auf 38'000 t im Jahr 2010 gedrosselt sowie eine weitere Reduzierung seiner Ausfuhren angekündigt. Dadurch wurde zunächst ein Preisschub ausgelöst. Bei einzelnen Elementen – z. B. bei Samarium – hat sich der Preis seit Einführung der Handelsrestriktionen verneunfacht! Hinter der Reduzierung der chinesischen Ausfuhren ist eine zweite Triebfeder zu vermuten: Das Land möchte unbedingt technologisch aufholen. In diesem Zusammenhang stellt die Export-Drosselung bei den Seltenen Erden wohl auch ein Mittel dar, um ausländische Produzenten zu animieren, sich verstärkt direkt in China anzusiedeln und dort zu produzieren. Ganz große Verwerfungen bei den deutschen Herstellern elektrotechnischer und elektronischer Produkte und Systeme sind bislang ausgeblieben. Perspektivisch könnten allerdings durchaus große Herausforderungen anstehen, denn allein ein Drittel der Materialkosten in der Elektroindustrie entfallen heute auf den Bezug von Rohstoffen. Eine Verknappung des Angebots an Seltenen Erden könnte die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Elektrounternehmen entsprechend durch steigende Rohstoffkosten beeinträchtigen, der Produktionsprozess könnte durch fehlende Ressourcen ins Stocken geraten und im Extremfall könnten ganze Wertschöpfungsketten reißen. Entsprechend groß ist der Druck, die Produktivität zusätzlich zu steigern, die Prozesse immer weiter zu optimieren und noch mehr technologische Innovationen auf den Weg zu bringen, so der ZVEI in einem Positionspapier. Wie bereits erwähnt, gibt es vergleichsweise große Vorkommen Seltener Erden auch in Australien, Kanada, den USA oder – erst jüngst entdeckt – in Afghanistan. Durch die gegenwärtige weltweite Verteuerung der Metalle wird ihre Förderung in Regionen außerhalb Chinas wieder attraktiver. So haben etwa die Vereinigten Staaten ihre Erschließungsmaschinerie bereits wieder in Gang gesetzt. Es dauert allerdings einige Jahre, bis die Förderung auch wirklich beginnen kann. Zudem sind milliardenschwere Investitionen erforderlich. Zwar können starke Preissteigerungen bei Seltenen Erden auch Recycling-Aktivitäten befördern und Substitutionsprozesse forcieren, von entscheidender Bedeutung ist aber letztlich, dass die Versorgung der (Elektro-)Industrie mit Seltenen Erden auf eine sichere, kalkulierbare und nachhaltig verlässliche Grundlage gestellt wird. Neben Maßnahmen, welche die Unternehmen hier gegebenenfalls selbst ergreifen können – z. B. ihre Lagerbestände vergrößern; langfristige(re) Lieferverträge abschließen; besonders knappe Rohstoffe (wenn möglich) durch andere, vergleichsweise weniger knappe ersetzen; verstärkt Sekundärrohstoffe nutzen; die Ressourceneffizienz verbessern oder Sicherungs- bzw. Hedging-Geschäfte abschließen –, sollte die Wirtschaftpolitik die Firmen flankierend unterstützen. Freihandel und offene Märkte bringen allen Beteiligten regelmäßig Wohlfahrtsgewinne. Dies gilt für den grenzüberschreitenden Austausch von Waren und Dienstleistungen genauso wie für den Handel mit natürlichen Ressourcen. Wer – wie China – auf der einen Seite am internationalen Güterverkehr partizipiert und entsprechend profitiert, der muss auf der anderen Seite seinen Handelspartnern auch den freien Zugang zu seinen Rohstoffmärkten ermöglichen und hier tarifäre sowie nicht-tarifäre Handelshemmnisse abbauen. Im Rahmen einer (auf europäischer Ebene abzustimmenden) Rohstoffdiplomatie bzw. - strategie muss die Bundesregierung dabei helfen, Protektionismus und Wettbewerbsverzerrungen entgegenzuwirken, den Freihandel zu fördern und einen funktionierenden Wettbewerb auf den Rohstoffmärkten sicherzustellen. Daneben gilt es, deutsche und europäische Unternehmen bei ihren etwaigen Rohstoff-Projekten im Ausland zu unterstützen. Der (Wieder-)Aufbau zusätzlicher Förderkapazitäten außerhalb Chinas wird hier sehr begrüßt, da er das weltweite Angebot auf eine wesentlich breitere Basis stellen könnte. Die Rahmenbedingungen zur Nutzung sekundärer Rohstoffe müssen verbessert und der illegale Abfluss derselben unterbunden werden. Die Rohstoffeffizienz-Bestrebungen der Unternehmen sind zu unterstützen und ihre darauf ausgerichteten F&E-Anstrengungen entsprechend zu befördern, heisst es weiter. Begriffsklärung und Bedarf in der Elektroindustrie Unter dem oft missverständlich gebrauchten Sammelbegriff "Seltene Erden" wird eine Reihe von chemischen Elementen zusammengefasst. Es handelt sich dabei um Metalle. Sie wurden zuerst in seltenen Mineralien gefunden und tragen deshalb heute noch das Adjektiv "selten" im Namen. Seltene Erden sind nicht im eigentlichen Sinn des Wortes selten zu finden, ihre Konzentration in den sie bindenden Mineralien ist aber sehr gering. Zu den Seltenen Erden gehören Scandium (Ordnungszahl 21 im Periodensystem), Ytt- rium (39) und Lanthan (57) sowie die 14 auf das Lanthan folgenden Elemente, die so ge- nannten Lanthanoide: Cer (58), Praseodym (59), Neodym (60), Promethium (61), Sama- rium (62), Europium (63), Gadolinium (64), Terbium (65), Dysprosium (66), Holmium (67), Erbium (68), Thulium (69), Ytterbium (70) und Lutetium (71). Seltene Erden werden besonders in den Hightech-Produkten der Elektroindustrie verarbeitet. Dazu gehören leistungsstarke Permanentmagnete für den Antrieb von Motoren in Hybrid- und Elektrofahrzeugen ebenso wie wieder aufladbare Batterien, Leuchtstoffröhren, Flachbildschirme, Handys, Glasfaserkabel oder Röntgengeräte und Computertomografen.
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