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Elektronikproduktion | 15 Juni 2010

Wer bietet die in der Elektroindustrie benötigten Rohstoffe an?

Zu den wichtigsten Rohstoffen in der Elektroindustrie unter anderem Aluminium, Kupfer, Nickel, Zink, Blei, Lithium und die so genannten „Seltenen Erden“.

Die Produktion von Aluminium umfasst das Raffinieren von Bauxit zu Tonerde (Aluminiumoxid) und die anschließende Schmelzung von Tonerde zu Aluminium. Zur Herstellung von 1 Tonne Aluminium werden 2 Tonnen Tonerde benötigt, während wiederum 2-3 Tonnen Bauxit zur Produktion von 1 Tonne Tonerde gebraucht werden. Der Abbau von Bauxiterzen erfolgt zu 80% aus oberirdischen Vorkommen. Die Mehrheit der identifizierten Bauxitressourcen befindet sich in Südamerika, Afrika, Asien und Ozeanien, wobei Guinea die höchsten Reserven aufweist. Australien und Brasilien sind mit Anteilen von 33% bzw. knapp 12% die größten Abbauländer für Bauxiterze. Australien ist mit einem Anteil von rund 40% ebenfalls der größte Produzent von Tonerde, gefolgt von Ländern aus Lateinamerika (vor allem Brasilien und Jamaika). Zu den größten Aluminiumherstellern gehören mit einem Weltmarktanteil von 35% China sowie Russland (10%) und Kanada (8%). Der Aluminiummarkt ist neben dem Kupfer- und Nickelmarkt einer der am stärksten konzentrierten Märkte. Zu den größten Bauxitproduzenten gehört unter anderem der britischaustralische Rohstoffkonzern Rio Tinto Alcan, der 2008 rund 35 Mio. Tonnen Bauxit produziert hat und damit einen Marktanteil von 16% erzielte. Die größten Produzenten von Tonerde umfassen die amerikanische Alcoa, Chinalco aus China und die russische Rusal. Diese drei Unternehmen teilen ungefähr zwei Drittel des Marktes unter sich auf. Die größten 5 Unternehmen stehen sogar für über 90% des gesamten Marktes für Tonerde. Zu den weltweit führenden Aluminiumherstellern zählen ebenfalls Rusal, Rio Tinto Alcan, Alcoa und Chinalco. Diese 4 Unternehmen stehen für insgesamt 41% der globalen Aluminiumproduktion. Als größter Aluminiumproduzent der Welt hat Rusal 2008 rund 4,4 Mio. Tonnen Aluminium hergestellt. Kupfer kommt überwiegend in Form von Kupferkonzentrat vor und wurde bislang hauptsächlich oberirdisch abgebaut. Da die bekannten oberirdisch verfügbaren Kupfervorkommen jedoch endlich sind, liegt die Zukunft des Kupferabbaus Untertage. Kupfervorkommen sind in vielen Teilen der Welt vorhanden, wobei sich die größten Reserven in Südamerika und hier vor allem in Chile und Peru befinden. Weitere große Vorkommen liegen in den USA, Indonesien und China. Auch Länder wie die Mongolei, Sambia und die Demokratische Republik Kongo gewinnen zunehmend an Bedeutung. Allerdings gelten diese Länder als politisch instabil, so dass eine Versorgungssicherheit mit Rohstoffen aus diesen Ländern nicht gewährleistet werden kann. Die in den betroffenen Ländern tätigen Unternehmen sehen sich oftmals willkürlichen Lizenz- bzw. Vertragsveränderungen gegenüber, die je nach Gutdünken des jeweils regierenden Regimes ausgelegt werden. Da dies für die Minenproduzenten große Unsicherheit mit meistens einhergehend höheren Kosten bedeutet, dürfte sich eine Ausbeutung der reichlich vorhandenen Bodenschätze in diesen Ländern in die Länge ziehen und kurzfristig nicht zum Angebot beitragen. Chile ist mit einem Anteil von 34% mit Abstand der größte Kupferproduzent, gefolgt von den USA und Peru (jeweils ungefähr 8%). Da sich der Fokus der Schmelzaktivitäten von Kupfer von den beiden amerikanischen Kontinenten nach Asien verlagert hat, nimmt China mit einem Anteil von 22% heute die Position des größten Verarbeiters von Kupfer ein. Chile belegt hier mit über 17% den zweiten Platz, gefolgt von Japan auf Platz drei mit knapp 8%. Neben dem Aluminium- und Nickelmarkt weist der Kupfermarkt eine hohe Unternehmenskonzentration auf. Während die Minenkonzerne einen Großteil der vorhandenen Ressourcen an Kupfererzen kontrollieren, sind die Schmelzhütten unabhängige Unternehmen zumeist ohne Zugang zu Kupfervorkommen. Zu den größten Minenproduzenten von Kupfer gehören die staatliche chilenische Codelco, der größte börsennotierte Kupferproduzent Freeport McMoRan aus den USA, die britischschweizerische Xstrata sowie die beiden britisch-australischen Rohstoffkonzerne BHP Billiton und Rio Tinto. Gemeinsam stehen die 5 größten Kupferproduzenten für 39% der globalen Kupferproduktion. Der größte Minenproduzent, Codelco, erzielte in 2008 mit einer Produktion von 1,6 Mio. Tonnen Kupfer einen Marktanteil von 10%. Die größten Produzenten von raffiniertem Kupfer umfassen neben den bereits erwähnten Codelco, Freeport McMoRan und Xstrata das deutsche Unternehmen Aurubis (ehemals Norddeutsche Affinerie) sowie Nippon Mining and Metals aus Japan. Diese Unternehmen teilen rund 29% des Marktes unter sich auf. Nickelvorkommen werden in rund 20 Ländern auf allen Kontinenten abgebaut und in ungefähr 25 Ländern verarbeitet bzw. geschmolzen. Die höchsten bekannten Nickelreserven befinden sich in Indonesien, Australien und Neukaledonien. Die größten Nickelproduzenten sind Russland, Indonesien, Australien, Philippinen und Kanada, die zusammen rund zwei Drittel der gesamten globalen Minenproduktion ausmachen. Neben dem Aluminium- und Kupfermarkt weist auch der Nickelmarkt eine hohe Unternehmenskonzentration auf. Zu den größten Nickelproduzenten zählen die russische Norilsk Nickel, die brasilianische Vale, BHP Billiton, Xstrata sowie Jinchuan aus China und PT Aneka Tambang aus Indonesien. Die größten Zinkvorkommen befinden sich in Australien, China und Peru, die zusammen für ungefähr die Hälfte der weltweiten Reserven stehen. Zinkerze werden in mehr als 50 Ländern abgebaut, wobei die drei oben genannten Länder auch die größten Produzenten sind. In diesen wird mehr als die Hälfte der globalen Zinkerze abgebaut. Mit einem Anteil von ungefähr einem Drittel ist China der mit Abstand größte Zinkverarbeiter (Schmelzereien). Zu den größten Zinkproduzenten zählen Xstrata, Teck Cominco aus Kanada, die schweizerische Glencore, das britisch-indische Unternehmen Vedanta und der britisch-südafrikanische Rohstoffkonzern Anglo American. Die weltweit größten Zinkschmelzereien umfassen die belgische Nyrstar, die Korea Zinc Group, Boliden aus Schweden sowie die beiden bereits erwähnten Unternehmen Xstrata und Vedanta. Blei kommt überwiegend in Kombination mit Zink- und/oder Silbervorkommen vor und wird vor allem in China, Australien, den USA und Peru abgebaut. Zusammen stehen diese vier Länder für rund drei Viertel der globalen Minenproduktion. Die größten Bleiproduzenten umfassen BHP Billiton, Doe Run aus den USA, Xstrata, Teck Cominco sowie Volcan Cia Minera aus Peru. Die weltweit größten Zinnvorkommen befinden sich in China, Südostasien, Südamerika und Westafrika. China, Indonesien und Peru sind die größten Produzentenländer, die gemeinsam mehr als 80% der globalen Minenproduktion ausmachen und somit den Zinnmarkt stark regional konzentrieren. Zu den weltweit größten Zinnroduzenten zählen Yunnan Tin aus China, die indonesische PT Timah, Minsur aus Peru sowie Malaysia Smelting Corp. und Thaisarco aus Thailand. Die „Seltenen Erden“ sind keineswegs so selten wie der Name vermuten lässt. So steht beispielsweise Cer bezüglich der Häufigkeit an 26. Stelle unter den Elementen. Es kommt fünfmal häufiger vor als Blei. Thulium, das seltenste Element der seltenen Erden, ist immer noch häufiger vorhanden als Gold oder Platin. Aufgrund ihrer ähnlichen Eigenschaften treten die seltenen Erden überwiegend gemeinsam auf, allerdings nur in geringen Konzentrationen und Qualität, so dass sich ein wirtschaftlicher Abbau kaum lohnt. Zur kommerziellen Nutzung müssen sie zumeist voneinander getrennt werden. Sie zeichnen sich durch eine ausgeprägte Immobilität (Stabilität/Unlöslichkeit) im Verwitterungskreislauf aus, das heißt in neutralem und alkalischem Wasser sind sie nur schwer zu lösen. Trotz ihres reichhaltigen Vorkommens in der Erdkruste sind die bekannten abbaubaren Reserven der seltenen Erden jedoch weit geringer als die von vielen anderen Erzen. Derzeit sind die Reserven ausreichend, um mit den aktuellen Produktionsraten die kurzfristige Nachfrage zu befriedigen. Die Wirtschaftlichkeit, Umweltschutzbestimmungen und Handelsbeschränkungen könnten allerdings den Abbau und die Verfügbarkeit vieler seltener Erden negativ beeinflussen. Gemäß Angaben von U.S. Geological Survey besitzt China auf aggregierter Basis mit Abstand die höchsten Reserven. Auf Platz zwei und drei folgen die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) und die USA. Mit 97% der globalen Minenproduktion ist China zudem das größte Produzentenland für seltene Erden. Das Reich der Mitte hat damit ein Quasi-Monopol für seltene Erden am Weltmarkt. Dieses wird auch konsequent weiter ausgebaut. Nachdem China in den letzten Jahren bereits die Exportquoten kontinuierlich gekürzt und eine Exportsteuer auf seltene Erden eingeführt hat, hat das Land außerdem vor kurzem mit dem Aufbau von strategischen Reserven für diese Rohstoffe begonnen. Damit dürfte sich deren Verfügbarkeit für andere Abnehmerländer noch weiter deutlich verringern. Alternative Quellen zur chinesischen Minenproduktion bleiben auf absehbare Zeit rar. Zwar sind zum Beispiel in den USA, in Kanada und in Australien große Vorkommen gefunden worden, allerdings wird bis zur Produktionsaufnahme noch geraume Zeit vergehen. Zudem liegen die Produktionskosten derzeit noch teilweise über den Weltmarktpreisen, so dass der Abbau dieser Rohstoffe für die Unternehmen nicht wirtschaftlich ist. Ein weiteres wichtiges Element, das in der Elektroindustrie verwendet wird, ist Lithium. Wegen seiner Verwendung in Batterien für Elektroautos ist Lithium zuletzt einer der „heißesten“ Rohstoffe geworden, denn die meisten Experten halten die Lithiumbatterien für die beste Lösung für die Energieversorgung der Elektroautomotoren. Dennoch: Auch wenn sich in den nächsten Jahren der Elektroautoabsatz vervielfachen sollte, Sorge vor der Verknappung von Lithium sollte man nicht haben. Denn die weltweiten Reserven von über 150 Mio. Tonnen Lithiumkarbonat (LCE) bzw. 30 Mio. Tonnen Lithium reichen, um die Nachfrage über Jahrhunderte zu befriedigen. Die Nachfrage, die zweifelsohne in den nächsten Jahren massiv steigen wird, beträgt jetzt lediglich 122 Tsd. Tonnen LCE bzw. 23 Tsd. Tonnen Lithium jährlich. Die Nachfrage wird zwar in der Zukunft stark steigen, dennoch fällt der Anstieg angesichts der rapide wachsenden Popularität von Elektroautos relativ enttäuschend aus, weil die Autobatterien derzeit noch einen geringen Teil der gesamten Lithiumnachfrage ausmachen. Es wird erwartet, dass bis zum Jahr 2020 jährlich bis zu 6 Mio. Elektro- und Hybridfahrzeuge verkauft werden, was einem Anteil von 10% bei den Neuzulassungen entspricht. Die derzeit kaum nennenswerte Nachfrage nach Lithium aus dem Autosektor würde in diesem sehr positiven Szenario auf bis zu 60 Tsd. Tonnen und die Gesamtnachfrage auf knapp 150 Tsd. Tonnen steigen. Die Reichweite der weltweiten Reserven würde selbst dann noch bei 200 Jahren liegen. Dennoch: Auch wenn die theoretische Reichweite keinen Grund zur Sorge vor einer langfristigen Versorgung zulässt, in mittelfristiger Perspektive könnte das schnelle Wachstum der Lithiumnachfrage zu mittelfristigen Engpässen und Preisanstiegen führen. Zum einen sollte man dabei eine hohe Konzentration der Lithiumreserven beachten: Der Großteil der Reserven liegt in nur drei Ländern, Bolivien, Chile und Argentinien, dem sog. Lithium-Dreieck. Zum anderen wird unseres Erachtens die Verfügbarkeit in erster Linie durch den Preis bestimmt werden. Lithium wird gegenwärtig größtenteils entweder aus Lehm oder Salzlake gewonnen, wobei die letztere eine kostengünstigere Methode darstellt. Dennoch dürfte zum Beispiel die Lithiumgewinnung auf dem größten Salzsee der Welt, Salar de Uyuni in Bolivien, was Bolivien den Status „Saudi Arabien des Lithiums“ brachte, bei den gegenwärtigen Preisen von knapp 6.000 US-Dollar pro Tonne LCE wegen der hohen Konzentration von Magnesium in der Salzlake nicht rentabel sein. Auch sollten die geopolitischen Probleme dabei nicht unbeachtet bleiben, weil Bolivien Lithium offensichtlich im Alleingang abbauen möchte. Die massive Steigerung der Lithiumproduktion, die wegen der starken Nachfrage aus der Autoindustrie künftig zu erwarten ist, kann zwar theoretisch unproblematisch umgesetzt werden. Allerdings sind die Lithiumreserven stark konzentriert und deren Abbau sehr abhängig vom Preis. Bei der Entscheidung bezüglich der Verwendung von Lithiumbatterien und der Rohstoffsicherung sollten Unternehmen deshalb vor allem dem Preisaspekt eine besondere Aufmerksamkeit schenken. ----- Quelle: "Gemeinschaftsstudie „Elektrorohstoffe" von ZVEI & Commerzbank
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2019.08.06 20:55 V14.1.1-2