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Elektronikproduktion | 28 Mai 2010

Dying Young: Suizide & Chinas boomende Wirtschaft

Teil 1 von 2: Seit Anfang des Jahres 2010, hat sich eine verblüffende Zahl von 10 Foxconn Mitarbeitern in Shenzhen versucht das Leben zu nehmen [zum Zeitpunkt des Schreibens]. 8 Menschen starben, 2 überlebten mit schweren Verletzungen. (Ein Bericht von SACOM).

Alle waren zwischen 18 und 25 Jahre alt—in der Blüte ihrer Jugend—und ihr Verlust sollte die breitere Gesellschaft dazu bringen über die Kosten eines Entwicklungsmodells nachzudenken, welches Wirtschaftswachstum über die Würde des Menschen stellt. Am 18. Mai 2010 haben 9 Wissenschaftler aus China und Hong Kong einen offenen Brief geschrieben. Sie fordern Foxconn und die [chinesische] Regierung der jüngeren Generation von Wanderarbeitern gerecht zu werden. Die Erklärung lautet: ----- Von dem Moment, in dem sie [die neue Generation der Wanderarbeiter] vor die Tür ihrer Häuser treten, denkt keiner der jungen Menschen daran jemals wieder zur Landwirtschaft zurückzukehren. Hier sehen sie keine Alternative, wenn sie in die Stadt zum Arbeiten kommen. Sobald sie erkennen, dass es nur wenige Möglichkeiten gibt sich durch harte Arbeit etwas aufzubauen, fällt die Bedeutung ihrer Arbeit in sich zusammen. Der weitere Weg ist blockiert und der Weg zurück verschlossen. Gefangen in dieser Situation gerät die neue Generation der Wanderarbeiter in eine schwere Identitätskrise. Dadurch werden psychologische und emotionale Probleme sogar noch vergrößert. Durch das Untersuchen einer tieferen Ebene dieser gesellschaftlichen und strukturellen Bedingungen gewinnen wir etwas mehr Verständnis für die ‚No Way Back’ Mentalität der Mitarbeiter von Foxconn. ----- Chinas Entwicklungsstrategie in den letzten 30 Jahren hat nicht nur ein Wirtschaftswunder vollbracht. Es hat auch regionale Ungleichheiten verstärkt, die Stagnation der Löhne verlängert und den Wanderarbeitern ihrer Bürger - und Menschenrechte beraubt. Im Folgenden werden wir einen Überblick über die Muster der internen Arbeitermigration schaffen, speziell in Bezug auf die sich vertiefende Kluft zwischen ländlichen und städtischen Geschäftsaktivitäten. Danach werden wir näher auf die jüngsten Selbstmorde bei Foxconn eingehen und das Arbeitsleben derjenigen zu untersuchen, die ums Überleben kämpfen. Und schließlich appellieren wir an die betroffene Öffentlichkeit eine nachhaltige Gemeinschaft zu erschaffen, die die Rechte der Arbeitnehmer respektiert. Chinesische Migranten sind schlecht bezahlte Arbeiter und Staatsbürger zweiter Klasse Mehr als 10% der 1,4 Milliarden Menschen in China— das heißt, Hunderte Millionen von Bauern—sind in diesem Land unterwegs. Diese internen Migranten werden als Chinas neue Arbeiterklasse gefeiert. Sie werden als kostengünstige Quelle von Arbeitskräften bevorzugt. Sie werden als anpassungsfähiger (in Bezug auf Ausbildung und Wettbewerbsdruck am Markt) angesehen. Im Gegensatz zur älteren Generation von Arbeitern in den staatseigenen Unternehmen, die hoffnungslos in ihrer sozialistischen Mentalität und ihrer Abhängigkeit von Sozialleistungen festsitzen. Die neue Generation von ‚Bauern-in-Arbeiter-umgewandelt’ wird als Triebkraft von Chinas Modernisierung gesehen. Im Vergleich zu den mit global ausgerichteten Export Processing Zones ist das riesige chinesische Hinterland wird als Wüste von Rückständigkeit betrachtet. Die De-Kollektivierung der landwirtschaftlichen Produktion differenziert die ländliche Wirtschaft und es entstanden Einkommensunterschiede zwischen den Haushalten. Junge Menschen sehnen sich nach einem ‚hippen’ und zeitgemäßem Leben—und nach der Stadt wo alles passiert. Das Streben nach einer besseren Zukunft hat viele dazu veranlasst aus den ländlichen Gegenden in die Städte zu wandern—aus der Suche nach neuen Chancen. Die daraus resultierende Migration hat dazu geführt, dass Dörfer mit Stagnation gleichgesetzt werden. Unter der Leitung des chinesischen autoritären Staates bewies Chinas exportorientiertes Wirtschaftsmodell dann es Wirtschaftswachstum liefern kann. Unternehmen mit asiatischen Investoren und inländische Hersteller wurden schnell zu Auftragsfertiger und Sub-Lieferanten für die westlichen Multis—in dem man auf die unterbezahlten Wanderarbeiter setzte. Die Erfahrungen aus der Landwirtschaft die diese neuen Arbeiter mitbringen ist uninteressant, wenn nicht sogar ein Nachteil, für den Fertigungsprozess. Migranten müssen ihre Vergangenheit auslöschen und zu einem unbeschriebenen Blatt werden—empfänglich für das neue Training. Um die Transformation zu beschleunigen, lenken die Arbeitgeber die Aufmerksamkeit auf die Mängel und fehlenden Fähigkeiten der Migranten. Die Tatsache, dass Millionen von Menschen um eben diese Arbeitsplätze konkurrieren, lässt bei den Wanderarbeitern ein immerwährendes Angstgefühl aufkommen. Sie werden ständig daran erinnert, wie austauschbar sie sind. Die Arbeitnehmer aus ländlichen Regionen werden sowohl kulturell als auch materiell benachteiligt. Die jüngeren unter ihnen sind besonders unsicher—sie gehören weder in die Stadt, noch haben sie dass Gefühl wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können. Verletzungen beenden bei vielen das Arbeitsleben vorzeitig. Noch andere haben sich—auf Grund der unmenschlichen Bedingungen—das Leben genommen. Die Priorität, die in China auf die wirtschaftliche Entwicklung gelegt wird, hat einen kritischen Punkt erreicht. Wir müssen uns über die Kosten der ‚Wachstum-über-allem-Anderen’ Politik Gedanken machen. Mit Foxconns ‚Selbstmord-Express’ unterwegs? Während die Medienberichte über Selbstmorde von jungen chinesischen Arbeitnehmern zunehmen, wird die öffentliche Diskussion über Unternehmensführung, das sozio-psychologische Wohlbefinden der Arbeitnehmer und die Verantwortung der internationalen Lieferkette in diesem Bereich immer intensiver geführt. Ein chinesisches Online News Portal warf im Januar 2010 eine Frage auf: „Was hält Foxconn Mitarbeiter davon ab sich selbst zu töten?“ (PPsj.com). Ein weiterer Bericht vom 9. April fragte „Wer kann den Foxconn Selbstmord Express zum Stillstand bringen?" Foxconn Technology Group—ein Unternehmen der Fortune 500—ist der größte Vertragshersteller in der globalen Elektronikindustrie. Das taiwanesische Unternehmen vermeldete für das 1Q/2010 einen konsolidierten Nettogewinn von rund USD 568'730'000; ein Anstieg von 34,8% gegenüber dem Vorjahreswert. Das Unternehmen beschäftigt derzeit etwa 800'000 Mitarbeiter weltweit—hauptsächlich jedoch in China. In Shenzhen City beherbergt der Foxconn Longhua Science & Technology Park etwa 300'000 Mitarbeiter auf einem einzigen Campus. Die meisten der Foxconn Mitarbeiter sind Migranten aus Guangdong und anderen inneren Provinzen. Diese Arbeiter können die iPhones und iPads effizient herstellen. Ein Slogan für die weltweite Rekrutierung von neuen Arbeitern lautet: "Die Marke Foxconn ist das Talent seiner Mitarbeiter" (im chinesischen Original: rencai shi Hon Hai de pinpai). Alles deutet jedoch darauf hin, dass Foxconn gerade diese Talente verliert. Angesichts der jüngsten Ereignisse klingt der Begriff den Foxconn für seine Mitarbeiter nutzt—die Menschen von Foxconn (fu kang ren)—doch sehr viel ironischer. Das chinesische Original heißt wörtlich übersetzt ‚reiche und gesunde Menschen’. ----- Autor: Jenny Chan, SACOM Advisor
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