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© VTT Elektronikproduktion | 18 März 2010

Organische und gedruckte Elektronik gegen Produktpiraterie

Die organische und gedruckte Elektronik bietet neue Lösungen für das alte Problem des Markenschutzes von Konsumgütern und industriellen Produkten in globalen Lieferketten. Elektrisch kodierte Funketiketten vernetzen die Produkte mit den Sicherheitsarchitekturen ihrer rechtmäßigen Hersteller und entlarven Fälschungen - am Point of Sale.


Markenschutz - Keine Chance für Plagiate Der elegante Sweater mit dem angesagten Label, die Uhr im exklusiven Design, die teure Gesichtscreme mit tropischem Flair - sie wirken echt. Aber kann man wirklich sicher sein, dass drin ist, was drauf steht? Oder nur ein billiges Imitat, Fälschung, Raubkopie? Wie wäre es, wenn man gleich am Ladentisch checken könnte, ob man ein authentisches Produkt in Händen hält? Genau das wird bald möglich, wenn man einen Blick in die Entwicklungslabors der organischen und gedruckten Elektronik wirft. Echtheitsprüfung live, gleich an der Ladentheke. Über Funkchips, eingebettet im Etikett oder auf die Packung aufgedruckt. Kurz mit dem Handy darüber gehen, das verbindet automatisch mit dem Hersteller. Dann kommt die Rückmeldung: Grünes Licht, die Sache ist echt. Oder auch nicht - dann ist der Deal geplatzt. Neue Wege zur Lösung eines alten Problems: Auf 250 Mrd. Dollar schätzt die OECD den Schaden, der 2009 weltweit durch Produktpiraterie materieller Güter entstanden ist. Andere Schätzungen sprechen von 750 Mrd. Dollar. Und nicht nur Konsumgüter sind begehrte Objekte der Produktpiraterie in langen globalen Lieferketten. Auch die Einkäufer industrieller Komponenten und Ersatzteile kämpfen gegen Falsifikate mangelnder Qualität. Organische gedruckte Funketiketten Funk-Etiketten oder "RFID-Tags" (Radio Frequency Identification), auf Foliensubstrate aufgedruckt, sind der innovative Lösungsansatz zum nachhaltigen Schutz der Produkte und deren Verpackungen. Das ist nicht einfach: Hersteller und Fälscher liefern sich einen harten, immer schnelleren Wettlauf um die Führungsposition. Da helfen nur raffinierte Hightech-Systeme. Sie sollen einen großen zeitlichen Vorsprung der legalen Absatzketten garantieren. "Eine dynamische Technologie, die Fälschern immer etliche Schritte voraus ist, wird gebraucht", sagt Wolfgang Mildner, CEO von PolyIC, des führenden Entwicklers von Polymerelektronik und Vorsitzender der OE-A: "Standardlösungen verlieren rasch ihre Wirkung." Die moderne Drucktechnik übernimmt dabei eine führende Rolle - in Gestalt des "Funktionsdrucks" winziger mikroelektronischer Systeme auf organischen Substraten - dünnen flexiblen Kunststofffolien. Echtheitsprüfung mit dem Handy Natürlich gibt es seit langem die Produktkennung mit standardisierten Strichcodes und deren optische Abtastung per Laser-Scanner. Doch die neuen elektronisch kodierten Funketiketten bieten ein definitives Plus: Ihre verdeckte Struktur lässt sich mit kleinen Lesegeräten auswerten. Seit neuestem sogar mit entsprechend aufgerüsteten Handys. Smart Packaging Das eröffnet die Ära der interaktiven Produkt-Kennzeichnung: "Smart Packaging". Mit ihren Funkchips liefert die Verpackung nicht nur Informationen wie Preis und Haltbarkeit. Sondern sie verbindet das Produkt über eine weiträumig vernetzte Sicherheitsarchitektur zurück zum Hersteller. Smart Packaging erkennt auch, ob eine Verpackung bereits einmal geöffnet wurde. "Die Einbindung eines Produkts am Point of Sale in seine legitime Fertigungs- und Lieferlogistik", sagt Wolfgang Mildner, "ist das zukünftige Themenfeld der RFID-Technologie." Gegenüber den älteren Kennzeichnungen, so Mildner, läuft die Echtheitsprüfung mit Funkchips automatisch: "Elektrische Kodierung erlaubt eine Vielzahl proprietärer Sicherheitsmerkmale. Die Ablösung der optischen Barcodes ist die Killer-App für RFID." Web-Browser auf der Verpackung Verpackungstechnik ist ein Hotbed für Innovationen: Beim VTT Technical Research Center of Finland arbeitet man am "Interactive Packaging". Dieses Konzept involviert die Verbraucher über Funktionen nach Art eines Web-Browsers. "Unser Know-how ermöglicht heute die Integration von RFID-Lesegeräten in Mobiltelefone", sagt Jani-Mikael Kuusisto, Business Development Manager bei VTT. "Ziel ist die direkte Interaktion mit großen funktionalen Oberflächen auf den Verpackungen." Eingebettete Funketiketten bieten per Touch-Steuerung vielfache Funktionen - mit Links zu nützlichen Consumer-Informationen. War die Verpackung bereits geöffnet? "Ein ganzes Bündel neuer Technologien für die gedruckte Elektronik, auch mit großen organischen Leuchtdioden (OLEDs), wartet in den Labors auf ihren kommerziellen Einsatz", sagt Herr Kuusisto, "unter anderem ein automatischer Öffnungsnachweis für Verpackungen." Ungeöffnet leuchtet unter dem Handy eine grüne OLED-Fläche. Nach dem Öffnen erscheint sie rot. "Ein großes Problem mit gefälschten Produkten", sagt Kuusisto, "ist die betrügerische Wiederverwendung geöffneter Verpackungen." ----- Die aktuellen Prozesstechnologien und Applikationen der organischen und gedruckten Elektronik zeigt die LOPE-C 2010 (Large-area, Organic and Printed Electronics Convention) vom 31. Mai bis 2. Juni 2010 im Congress Center Messe Frankfurt. Die jährliche Konferenz und Ausstellung der OE-A vereint Forscher, Entwickler, Hersteller, Investoren und Anwender an einem Ort.
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2019.06.25 20:13 V13.3.22-1