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Leiterplatten | 10 September 2009

Brauchen wir Ruwel?

Die Zahl der Hersteller in der Leiterplattenindustrie schrumpft seit Jahren. Fehlende Nachfolger und ungenügende Investitionen waren und sind besonders bei kleineren Unternehmen die üblichen Gründe für eine Schließung. In jüngster Vergangenheit trifft es aber selbst große Hersteller: Fuba und Ruwel sind nur die jüngsten Beispiele von Insolvenzen.

Dort mögen es auch Managementfehler gewesen sein, doch wesentlich ist vielmehr der unverhältnismäßig große Preisdruck der Abnehmer. Die Erwartung jährlicher Preisreduzierungen – unabhängig von der Kostenentwicklung für Löhne, Energie und Rohstoffe – führte besonders die Unternehmen in die roten Zahlen, die einen hohen Anteil an Automobilzulieferern im Portfolio hatten. Außerdem kommt ein teilweise übertriebener Dokumentationsaufwand hinzu, der alle Risiken vom Abnehmer auf den Zulieferer abwälzt. Asiatische Hersteller begegnen solchen Forderungen oft mit einem „show program“, in dem potemkinsche Dörfer gezeigt werden oder sie lehnen zunehmend die Belieferung von deutschen Unternehmen im Kfz-Bereich ab. Der Standort Deutschland generiert zwischen 35 und 40 % des in Europa gefertigten Leiterplattenumsatzes. Eine leistungsfähige Lieferantenbasis ist die Voraussetzung für den Exporterfolg unserer Industrie und doch hat genau diese Industrie seit Jahren ihre Basis systematisch zerstört. Wenn die hiesigen Hersteller nur noch Vorserien produzieren und Optimierungen für eine kostengünstige Produktion durchführen „dürfen“, die Serien aber (mit dem hiesigen Know-how) nach Asien verlagert werden, dann gibt es in sehr naher Zukunft niemanden mehr, der im Falle von Problemen (Qualität, Logistik, Bedarfsänderungen) die „Kohlen aus dem Feuer“ holen kann. Das betrifft nicht nur die Kfz-Elektronik sondern alle Bereiche, insbesondere die Industrie-Elektronik, die aufgrund kleiner Volumen, schützenswerten Know-hows und komplexer Typen ohnehin nicht nach Asien verlagern kann. Das Produktionsvolumen von Ruwel betrug in den letzten Jahren ziemlich konstant ca. 15 % der deutschen Fertigung. Es wurden ca. 12 % aller in der deutschen Leiterplattenproduktion tätigen Mitarbeiter beschäftigt. Die Veränderungen der vergangenen 1 ½ Jahre haben tiefe Spuren hinterlassen, Ausgliederungen und Verkäufe von Werken haben die Größe des Unternehmens deutlich verringert. Dazu kamen die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Hauptkunden des Unternehmens (Automobilbereich). Die im Februar angemeldete Insolvenz erfolgte zu einem Zeitpunkt, als sich die Industrie im Abwärtstrend befand. Die vordringliche Tätigkeit des Insolvenzverwalters war, zunächst den Betrieb auf eine wirtschaftliche Größe zu reduzieren, die Fertigung fortzusetzen und eingegangene Verpflichtungen zu erfüllen. In diesem ersten Schritt trennte man sich von unprofitablem Geschäft und es wurde die Hälfte der Belegschaft freigestellt. Vorsichtshalber wurde diesen Mitarbeiter geraten, Kündigungsschutzklagen einzureichen. Ein Schritt, der in einer ohnehin strukturschwachen Region durchaus verständlich und nachvollziehbar ist. Wie öffentlich zugängliche Gerichtsprotokolle belegen, ist die finanzielle Lage derart, dass für Abfindungen nach Sozialplan keinerlei Mittel zur Verfügung stehen. Findet sich kein Geldgeber, so gehen alle Mitarbeiter (die gekündigten und die noch tätigen) leer aus. Inzwischen gibt es Anzeichen einer vorsichtigen gesamtwirtschaftlichen Verbesserung, die eine Fortführung des Unternehmens erlauben würden. Und es wurde ein potentieller Investor gefunden (es ist zwar einer von drei der früheren Eigentümer, doch offenbar wurde inzwischen ein geändertes Geschäftsmodell entwickelt). Das Übernahmeangebot enthält auch Abfindungszahlungen für die im Frühjahr gekündigten Mitarbeiter. Diese Zahlungen dürften zwar nicht üppig ausfallen, sind aber eine bessere Alternative, als wenn nichts zu verteilen wäre. Dass ein Geldgeber keine für ihn unkalkulierbaren Risiken eingeht, ist in allen Übernahmefällen und in allen Branchen üblich und eine Verdoppelung des aktuellen Personalstands verkraftet das Restunternehmen zunächst nicht. Schließlich dürfte der Standort Geldern – zumindest auf absehbare Zeit – nur noch einen Bruchteil des früheren Umsatzes erreichen. In einer bislang noch nie da gewesenen Aktion versuchen die verbliebenen Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze zu erhalten und gleichzeitig ihren gekündigten Kollegen zu helfen. Gegen die Rücknahme der Klage sollen die Abfindungen aufgestockt werden. Eine Mehrheit der Betroffenen zog daraufhin ihre Klagen zurück, es gibt aber immer noch einen Teil, der sich dazu nicht entschließen kann. Die Beweggründe sind sicher vielschichtig und die Lohnpolitik vieler vorangegangener Jahre im Unternehmen lässt Vertrauen kaum noch aufkommen. Es bleibt zu hoffen, daß es noch eine Lösung bis zum Ende dieser Woche gibt. Denn, um auf die in der Überschrift gestellten Frage zurück zu kommen: ja, wir brauchen Ruwel! Als Arbeitgeber in einer Region, in der es sonst kaum Alternativen gibt und als zuverlässigen Partner in der Industrie und für die Industrie. Autor: Michael Gasch, Data4PCB
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