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Elektronikproduktion | 08 Juli 2009

Rezession im Maschinen- und Anlagenbau: Zeit zu handeln

Die Rezession ist mit voller Wucht im Maschinen- und Anlagenbau angekommen. AuftragsrĂŒckgĂ€nge von 30% bis 50%, LiquiditĂ€tsengpĂ€sse bei stark fremdfinanzierten Unternehmen und die internationale Verflechtung fĂŒhren zur schĂ€rfsten Krise, die die Branche jemals erlebt hat.
Inzwischen gehen viele Top-Manager von einer lĂ€ngeren und tieferen Krise aus als noch vor einigen Monaten. Zu diesem Ergebnis kommt die Oliver Wyman-Studie „Zeit zu handeln – 6 Thesen zur BewĂ€ltigung der Rezession im Maschinen- und Anlagenbau“, die auf einer Befragung von FĂŒhrungskrĂ€ften im deutschsprachigen Raum basiert.

Rund 15% der Unternehmen im deutschen Maschinen- und Anlagenbau sind akut insolvenzgefÀhrdet. Die MÀrkte werden mittelfristig um etwa 20% bis 30% kleiner sein als noch im Jahr 2008. Kurzarbeit oder der Abbau von Leiharbeitern reichen daher lÀngst nicht mehr aus, um die Krise zu meistern.



Maßnahmen wie eine Konsolidierung der KapazitĂ€ten bis hin zu Standortschließungen, die Reduktion von Verwaltungsfunktionen und Fixkosten, Outsourcing sowie Produktionskostensenkungen mĂŒssen spĂ€testens jetzt mithilfe einer Rezessionsagenda umgesetzt werden. Der Branche steht eine noch nie da gewesene Rosskur bevor.

Die weltweite Rezession hat den Maschinen- und Anlagenbau voll im Griff. „Die Stimmung in der Industrie ist derzeit deutlich schlechter als noch vor einigen Monaten, als wir kurz nach Ausbruch der Krise eine Ă€hnliche Befragung durchgefĂŒhrt haben“, so Lutz JĂ€de, Partner und Restrukturierungsexperte von Oliver Wyman. Die Aussagen der befragten Manager lassen sich in sechs Thesen zur Rezession und ihrer BewĂ€ltigung zusammenfassen.



1. Volles Ausmaß der Krise wird erst im zweiten Halbjahr 2009 sichtbar
Die AuftragseingĂ€nge im Maschinen- und Anlagenbau sind in den ersten Monaten 2009 massiv eingebrochen. Der deutsche Maschinenbau verzeichnete beispielsweise im Mai 2009 einen Auftragseinbruch von fast 50% gegenĂŒber dem Vorjahresmonat, einzelne Segmente wie Zulieferer fĂŒr die Nutzfahrzeugbranche sogar von mehr als 80%.

Allerdings wirkt sich dieser Absturz aufgrund der typischen Auftragszyklen der Branche verzögert auf UmsĂ€tze und Produktionsvolumina aus. Da der Zahlungseingang typischerweise nach 70 bis 80 Tagen erfolgt, wird der RĂŒckgang im Volumen erst im zweiten Halbjahr 2009 voll auf die LiquiditĂ€t durchschlagen.

2. Die Krise dauert lÀnger als erwartet
Die aktuelle Rezession steht unter Ă€hnlichen Vorzeichen wie die Krise im deutschen Maschinenbau zu Beginn der 90er-Jahre. Damals folgte auf Jahre krĂ€ftigen Wachstums abrupt ein starker Einbruch. Das Produktionsvolumen war zwei Jahre lang rĂŒcklĂ€ufig. Erst nach fĂŒnf Jahren wurde das Niveau der Vorjahre wieder erreicht.

Übertragen auf die aktuelle Krise bedeutet dies, dass die MĂ€rkte im Maschinen- und Anlagenbau bis 2010 rĂŒcklĂ€ufig sein werden. Entsprechend erwarten fast 40% der von Oliver Wyman befragten Manager das Ende der Rezession erst fĂŒr 2011 oder spĂ€ter.



3. Der Markt bleibt mittelfristig um 20% bis 30% kleiner als im Jahr 2008
Das Jahr 2008 war fĂŒr viele Branchensegmente ein Rekordjahr mit starken ZuwĂ€chsen. So lag die Produktion im deutschen Maschinenbau im Durchschnitt rund 30% ĂŒber dem langfristigen Trend. Fast alle Marktbeobachter rechnen nach dem starken Abschwung mit einer nur langsamen Erholung und RĂŒckkehr zum historischen Trend. Das Marktvolumen wird in diesem Szenario mittelfristig etwa um 20% bis 30% kleiner sein als 2008.

Demzufolge wird sich der in den vergangenen Jahren erfolgsverwöhnte Maschinen- und Anlagenbau auf eine lĂ€ngere Durststrecke einstellen mĂŒssen. „Auch nach 2012 ist das Erreichen des Niveaus von 2008 ĂŒber mehrere Jahre hinweg unwahrscheinlich“, so Berater JĂ€de. „Unternehmen mĂŒssen sich auf ein nachhaltig reduziertes Marktvolumen einstellen und ihre Strukturen und KapazitĂ€ten entsprechend anpassen.“

4. Radikale Strukturanpassungen sind jetzt notwendig
Vor diesem Hintergrund agieren die meisten Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus noch viel zu defensiv und mit oft zu kurzfristigen Maßnahmen wie Kurzarbeit und Auflösung von LeiharbeitsvertrĂ€gen. Dies wird jedoch nicht ausreichen, um die noch lang anhaltenden Probleme zu meistern.

ZusĂ€tzliche strukturelle VerĂ€nderungen wie eine Anpassung der Standortstruktur und die Reduktion der Fixkosten um 20 bis 30 Prozent sind notwendig, um bei geringeren UmsĂ€tzen weiterhin einen positiven Cashflow zu erwirtschaften. Als ihre wichtigste Herausforderung auf der Kostenseite bezeichnen die im Rahmen der Studie befragten Manager einen zu großen Overhead und ÜberkapazitĂ€ten. Insbesondere stark fremdfinanzierte Unternehmen sind ohne Strukturanpassungen kaum ĂŒberlebensfĂ€hig.

5. Die Krise bietet finanzstarken Unternehmen zahlreiche Chancen
FĂŒr die befragten Manager sind die grĂ¶ĂŸten Chancen in der Krise das Durchsetzen von gravierenden VerĂ€nderungen, der Gewinn von Marktanteilen durch antizyklische Investitionen, das Ausscheiden von Wettbewerbern, die Senkung von Einkaufskosten sowie gĂŒnstige M&A-AktivitĂ€ten.

Unternehmen mit hoher Finanzkraft und guter BonitĂ€t haben jetzt die einmalige Gelegenheit, ihre strategische Position durch Akquisitionen weiter auszubauen, da die Finanz- und Wirtschaftskrise zu einer deutlichen Abwertung von Unternehmen gefĂŒhrt hat. In den SchwellenlĂ€ndern sind die Bewertungen um rund zwei Drittel gesunken und zahlreiche Player suchen derzeit aktiv nach Partnern aus westlichen Industrienationen.

Aber auch in den etablierten MĂ€rkten gibt es mehr Möglichkeiten, gĂŒnstig zu akquirieren. Unternehmen, die aufgrund von Finanzierungsproblemen zum Verkauf stehen, sind zum Teil fĂŒr die HĂ€lfte ihres normalen Werts zu erwerben. Wer jetzt in der Lage ist, in ZukĂ€ufe, aber auch in neue Produkte und Standorte zu investieren, hat erhebliche Wettbewerbsvorteile im nĂ€chsten Aufschwung.

6. Deutsche Unternehmen sind gut positioniert
Die meisten Unternehmen im deutschen Maschinen- und Anlagenbau sind gut fĂŒr die Krise gerĂŒstet. Im Jahr 2008 verfĂŒgte beispielsweise die Mehrzahl der Unternehmen ĂŒber eine Eigenkapitalausstattung von mehr als 30% und eine EBIT-Rendite von ĂŒber 5%.

Zudem konnten viele Unternehmen in den letzten Jahren ihre FlexibilitĂ€t verbessern und eine fĂŒhrende Position im internationalen Wettbewerb erreichen. Bei einer schnellen und entschlossenen Reaktion auf die Krise haben daher viele deutsche Unternehmen die Chance, als Gewinner aus der Krise hervorzugehen.

„Mithilfe einer gezielten Rezessionsagenda können rund 40% der Unternehmen durch ihre gute Eigenkapitalposition und ihre hohe Ertragskraft vor der Krise zu den Gewinnern zĂ€hlen“, prognostiziert Experte JĂ€de. „Umgekehrt werden zirka 15% der Unternehmen aufgrund hoher Schulden und nicht gelöster ProfitabilitĂ€tsprobleme ums Überleben kĂ€mpfen mĂŒssen.“



Restrukturierungsprogramme entlang einer Rezessionsagenda
Die Reaktion auf die Krise wird durch die Ausgangslage des jeweiligen Unternehmens bestimmt. Eine Rezessionsagenda sollte zu Beginn eine realistische und konservative EinschĂ€tzung von Ausmaß und LĂ€nge der Rezession in den ZielmĂ€rkten beinhalten. Hinzu kommt eine detaillierte Analyse von Kosten und LiquiditĂ€t.

Auf dieser Basis erfolgen Auswahl und Umsetzung geeigneter Restrukturierungshebel. Hierbei ergĂ€nzen sich kurzfristige Maßnahmen zur Kostensenkung sowie LiquiditĂ€tsverbesserung und nachhaltige Maßnahmen zur Reduzierung der Strukturkosten sowie Positionierung fĂŒr neues Wachstum.

Handlungsempfehlungen: Die fĂŒnf wichtigsten Aufgaben in der Krise
1. Ein eigenes Bild des zu erwartenden GeschĂ€ftsvolumens 2009 bis 2012 entwickeln („Best Case“ und „Worst Case“).

2. StabilitĂ€t der kurzfristigen Finanzierung im Worst-Case-Szenario prĂŒfen und bei Bedarf frĂŒhzeitig gegensteuern.

3. Kurzfristige Maßnahmen zur Kostensenkung durch Strukturanpassungen ergĂ€nzen, die auch bei geringerem GeschĂ€ftsvolumen eine nachhaltige ProfitabilitĂ€t sichern.

4. Die Chancen der Krise nutzen, etwa durch gezieltes Angehen lÀnger bekannter Probleme, Portfoliobereinigungen und die aktive Suche nach Akquisitionskandidaten.

5. Vorteile gegenĂŒber auslĂ€ndischen Wettbewerbern (insbesondere aus China) gezielt stĂ€rken und einsetzen.

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Die globale Wirtschaftskrise ist historisch gesehen einmalig. Kaum ein Unternehmen des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus hat bislang eine vergleichbare Situation durchlebt. Vor diesem Hintergrund hat Oliver Wyman einen Dialog mit Top-Entscheidern der Industrie gefĂŒhrt, in dem es um die EinschĂ€tzung der Krise, die bereits umgesetzten Gegenmaßnahmen und einen Ausblick auf die weitere Entwicklung ging.

Die Befragung erfolgte in den Monaten MĂ€rz und April 2009 in Form von persönlichen GesprĂ€chen mit 50 ausgewĂ€hlten VorstĂ€nden und GeschĂ€ftsfĂŒhrern der Industrie. Um die Antworten vergleichbar zu machen, wurden die GesprĂ€che durch einen Fragebogen unterstĂŒtzt. Zudem flossen SekundĂ€rrecherchen in die Studie ein. Die Ergebnisse wurden zu sechs Rezessionsthesen verdichtet.

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