Anzeige
Anzeige
Elektronikproduktion | 24 Juni 2009

New Automotive Deal?

Die Krise trifft die Zulieferer weltweit mit voller Wucht: Im 1Q/2009 brach der Umsatz um 35% ein. Weder in diesem noch im nĂ€chsten Jahr wird mit Gewinnen gerechnet. 2009 muss mit einem RĂŒckgang der weltweiten Fahrzeugproduktion im zweistelligen Bereich gerechnet werden.
Infolge dieser EinschĂ€tzung reduzierten die Zulieferunternehmen bis Ende MĂ€rz ihre Belegschaften deutlich. Das sind die Ergebnisse der aktuellen Studie „Anhaltende Krise oder Neuanfang der Automobilzulieferindustrie?“ von Oliver Wyman und dem Verband der Automobilindustrie (VDA), in der die aktuelle Krise, effektive Gegenmaßnahmen und die Neustrukturierung der Zulieferindustrie in Europa, Asien und Nordamerika analysiert wurden. Basis der Studie ist eine Befragung von 120 CEOs der weltweiten Automobilzulieferindustrie. Um zu ĂŒberleben, mĂŒssen die Unternehmen nach der Sicherung der LiquiditĂ€t eine umfangreiche Restrukturierung vorantreiben. Die deutschen Zulieferer haben die Chance, als Gewinner aus der Krise hervorzugehen. Alle langfristigen Prognosen gehen davon aus, dass der Automobilmarkt weltweit ein Wachstumsmarkt bleiben wird. Diese langfristige Entwicklung wird allerdings von der momentanen Krise ĂŒberlagert. Innerhalb weniger Wochen riss die jahrzehntelange Wachstumsphase im Automobilbau ab. Gleich einem Kartenhaus brachen die Absatzzahlen Land fĂŒr Land ein. Bislang einziger Fels in der Brandung ist der chinesische Automarkt. Der deutsche Pkw-Markt wird durch die UmweltprĂ€mie stabilisiert. Ähnliche Instrumente werden auch in anderen LĂ€ndern eingesetzt. Sie zeigen, dass fĂŒr die Verbraucher der Neuwagenkauf weiterhin hohe PrioritĂ€t hat. Weltweit wird aber fĂŒr das Jahr 2009 mit einem drastischen RĂŒckgang der Automobilproduktion gerechnet. Die Ursache fĂŒr diesen Einbruch liegt zum grĂ¶ĂŸten Teil in der Finanzmarktkrise. Seit die Krise in der Realwirtschaft angekommen ist, ist die Nachfrage nach Neufahrzeugen massiv eingebrochen. Die strukturellen Herausforderungen der hoch konsolidierten Branche verschĂ€rfen die Folgen fĂŒr die Automobilhersteller (OEMs) zusĂ€tzlich. Kein schnelles Ende der Krise in Sicht In den vergangenen sechs Monaten traf die Krise die Automobilzulieferindustrie noch hĂ€rter als die Hersteller. Seit November 2008 mussten allein im deutschsprachigen Raum 31 Unternehmen Insolvenz anmelden. In den USA ist derzeit rund die HĂ€lfte der 30 grĂ¶ĂŸten Automobilzulieferer mit einem Umsatz von zirka 270 Milliarden US-Dollar und ĂŒber einer Million BeschĂ€ftigten insolvenzgefĂ€hrdet. Dabei waren die Automobilzulieferer zu Beginn der Krise in einer starken Position. Im Jahr 2007 erzielten die Zulieferer ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) von sechs Prozent. Das Jahr 2008 konnten die Zulieferer trotz des Einbruchs im Herbst noch mit einem Umsatzwachstum von 2,9% und einer positiven EBIT-Marge von 4,3% abschließen. Doch im ersten Quartal 2009 zeigten sich die verheerenden Auswirkungen der Krise. Der Umsatz brach um 35% ein – fast alle Unternehmen machten Verluste. Die in der Studie befragten 120 Top-Manager gaben an, dass sie ihre BeschĂ€ftigtenzahlen bis Ende MĂ€rz bereits deutlich reduziert haben. Hinzu kommen der Abbau von Leiharbeitern, das Auslaufen von ZeitvertrĂ€gen sowie die EinfĂŒhrung von Kurzarbeit bei 70% der Zulieferfirmen. Von den weltweit 7,4 Millionen Stellen in der Automobilzulieferindustrie könnten bis Ende 2009 15% abgebaut werden, vor allem im Ausland. Weniger als 5% der Unternehmen werden noch einen Gewinn erzielen. Der Verlust der gesamten Branche wird bei 3% vom Umsatz liegen. Eine RĂŒckkehr auf das Niveau von 2007 wird frĂŒhestens fĂŒr das Jahr 2014 prognostiziert. Zuerst die LiquiditĂ€t sichern 96% der befragten CEOs gaben an, dass die Sicherstellung der LiquiditĂ€t aktuell die dringlichste Aufgabe sei. Dementsprechend werden Zahlungsziele neu verhandelt, Forderungen eingetrieben, weniger wichtige Projekte gestoppt und eine Task Force zur KrisenbewĂ€ltigung gebildet. Auch bei Personal- und Sachkosten werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Kosten zu senken, ohne die Bargeldreserven antasten zu mĂŒssen. FĂŒr den Erhalt des Unternehmens rĂŒcken Management, EigentĂŒmer und Mitarbeiter eng zusammen. „Manager und Arbeitnehmer kooperieren und stehen bisher zusammen“, sagt Klaus BrĂ€unig, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des VDA. Als besonders wichtig wird eine reibungslose Zusammenarbeit bei BĂŒrgschafts- oder Hilfskreditprogrammen angesehen. Allerdings sind sich die Zulieferer darĂŒber einig, dass es die BĂŒrgschaften nur fĂŒr gesunde Unternehmen geben sollte. Wer es in den letzten Jahren versĂ€umt hat, wirtschaftlich zu arbeiten und sein Unternehmen fit fĂŒr den Wettbewerb zu machen, darf jetzt nicht die rettende Hand des Steuerzahlers erwarten. Spannungen treten dagegen vermehrt in der Zusammenarbeit mit öffentlichen und privaten Banken sowie Kreditversicherern auf. Durch eine generelle, hohe Risikobewertung der Automobilindustrie scheuen sich viele Banken vor einer Kreditvergabe oder sind nicht gewillt, bestehende Kreditlinien zu den bisherigen Konditionen auszuweiten oder zu verlĂ€ngern. Restrukturierungen sind unbedingt notwendig Doch diese Maßnahmen allein reichen zur KrisenbewĂ€ltigung nicht aus. Der nachhaltige Absatz- und UmsatzrĂŒckgang hat gravierende Folgen. „Aktuell eingeleitete Maßnahmen wie Kurzarbeit verschaffen den Unternehmen kurzfristig Luft, bieten aber keine langfristige Lösung“, meint Jan Dannenberg, Partner und Zulieferexperte bei Oliver Wyman. "Deshalb sind die Automobilzulieferer zu einer signifikanten, strukturellen Anpassung ihrer Kostenstruktur gezwungen.“ Dies ist nur im Rahmen einer operativen Restrukturierung zu leisten. Es gilt, Krisen- und Turnaround-Teams zu etablieren, Kostensenkungsprogramme zu implementieren, das Portfolio zu bereinigen und die Kapitalkosten zu senken. Ohne Anspringen der MĂ€rkte sind Personalabbau, Standortschließungen und die VerĂ€ußerung einzelner Unternehmensteile bald unvermeidlich. Doch selbst damit lĂ€sst sich die drohende ZahlungsunfĂ€higkeit fĂŒr etliche Firmen nicht abwenden. Zu groß ist der Druck der Fremdkapitalseite. Von den weltweit 4.000 Automobilzulieferern mit einem Umsatz von mehr als 20 Millionen Euro erwarten die befragten CEOs, dass bis Ende 2010 bis zu 500 in die Insolvenz gehen. In Deutschland könnte es insgesamt bis zu 70 Unternehmen treffen, wovon allerdings ein Großteil nach der Restrukturierung weitergefĂŒhrt werden dĂŒrfte. Gerade Zulieferer in der Hand von Private-Equity-Firmen sind aufgrund ihrer hohen Fremdkapitalquote und der damit verbundenen Zinslast hĂ€ufig in einer Ă€ußerst prekĂ€ren Lage. Um die Krise erfolgreich zu bewĂ€ltigen und Unternehmen fĂŒr den Aufschwung richtig zu positionieren, mĂŒssen die Manager schnell und entschlossen handeln. Die Studie „Anhaltende Krise oder Neuanfang der Automobilzulieferindustrie?“ teilt die Handlungsempfehlungen drei Phasen der Krise zu. In den letzten drei bis sechs Monaten bestand das vorrangige Ziel darin, die LiquiditĂ€t und LieferfĂ€higkeit zu sichern. Bis Ende 2009 gilt es, im Rahmen einer umfassenden Restrukturierung die Neuordnung der Unternehmen voranzutreiben. Erst ab 2010 kann sich das Management wieder mit der mittelfristigen Neuausrichtung des Unternehmens befassen und die notwendigen Maßnahmen zur StĂ€rkung der WettbewerbsfĂ€higkeit und optimalen Marktpositionierung einleiten. „New Automotive Deal“ oder SchwĂ€chung der Wertschöpfungsstruktur? Die Krise wird bei allen negativen Aspekten auch zu einem Erstarken der Zulieferindustrie fĂŒhren. GeschwĂ€chte Teilnehmer werden den Markt verlassen und starke Zulieferer, die in eine finanzielle Notlage geraten sind, werden gezielt von Konkurrenten oder Investoren ĂŒbernommen. „OEMs und Zulieferer stehen vor der Frage, wie sie ihre Partnerschaft in den kommenden Jahren gestalten“, sagt BrĂ€unig. Entweder versuchen sie gemeinsam, auf Augenhöhe die Herausforderungen anzugehen und neue Formen der Partnerschaft zu entwickeln, oder das VerhĂ€ltnis wird von fehlendem Vertrauen und kurzfristigen Erfolgsstrategien geprĂ€gt. „’New Automotive Deal’ oder SchwĂ€chung der Wertschöpfungsstruktur“, fasst Herr BrĂ€unig die Herausforderung der Branche zusammen. Die Krise wird zudem neue GeschĂ€ftsmodelle ins Leben rufen. So kann eine Polarisierung zwischen funktionsorientierten, auf Innovationen ausgerichteten GeschĂ€ftsmodellen fĂŒr Premiumkunden sowie Low-Tech- und Low-Cost-GeschĂ€ftsmodellen erwartet werden. Die befragten Top-Manager sind sich darĂŒber einig, dass der Staat sich zurĂŒckhalten und auf die Setzung der notwendigen Rahmenbedingungen beschrĂ€nken möge. Viele Marktteilnehmer haben die Chance, gestĂ€rkt aus der Krise hervorzugehen und erwarten dabei möglichst wenig Wettbewerbsverzerrung auf ihrem Weg. Erfolgsfaktoren, die heute wichtig sind, zum Beispiel Kundenorientierung, KostenfĂŒhrerschaft und Innovationskraft, stehen nach wie vor im Fokus der Unternehmen. ZusĂ€tzlich gewinnen „weiche“ Erfolgsfaktoren wie Kompetenz bei unternehmerischem Handeln, aktive Nutzung der Globalisierung und eine starke NetzwerkfĂ€higkeit an Bedeutung. Der aktuelle ErfĂŒllungsgrad dieser Faktoren zeigt, wie gut die Zulieferfirmen schon heute aufgestellt sind. „Damit haben die deutschen Zulieferunternehmen die Chance, stĂ€rker als ihre Wettbewerber aus der Krise hervorzugehen und ein weiteres Kapitel des Wachstums zu beginnen“, betont Berater Dannenberg.
Anzeige
Anzeige
Artikel die Sie interessant finden könnten
Weitere Nachrichten
2019.02.15 09:57 V12.1.1-2