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© Melexis Elektronikproduktion | 25 November 2022

Chipbranche fordert schnelleres Handeln

Seit Monaten debattiert die EU über die Förderung der Halbleiterindustrie, bislang ohne Ergebnis. Die von der EU zu Jahresbeginn angekündigte Aufholjagd in der Chipbranche komme nach Ansicht führender Industrievertreter nicht voran, das berichtet das Handelsblatt.

Europa sei Ankündigungsweltmeister und Umsetzungszwerg, zitiert das Blatt Andreas Gerstenmayer, den Chef des österreichischen Technologiekonzerns AT&S. Andere Nationen hätten bereits milliardenschwere Förderprogramme beschlossen. Man werde inzwischen links und rechts überholt, auch von Ländern wie Südkorea oder Japan, die kleiner sind als die EU, führt Gerstenmayer seine Kritik gegenüber dem Handelsblatt fort. Zudem sei der von der EU-Kommission vorgeschlagene Chips Act, der Subventionen von 43 Milliarden Euro ermöglichen soll, auch noch deutlich zu klein. Nach seiner Ansicht sei die Summe viel zu gering, um im weltweiten Maßstab etwas zu bewirken.

Aufgrund der seit Monaten angespannten Lage auf dem Elektronikmarkt befinden sich die großen Konzerne momentan in der Phase, in der sie entscheiden, wo sie ihre Milliarden investieren. Europa spiele in den Plänen bislang nur eine Nebenrolle. Das taiwanesische Unternehmen TSMC will ein weiteres Werk in den USA bauen. Der größte Auftragsfertiger der Halbleiterindustrie errichtet bereits eine Fabrik für zwölf Milliarden Dollar in Arizona. Sieben Milliarden Dollar würde TSMC zudem in einen neuen Standort in Japan pumpen.

Intel und Infineon haben in diesem Jahr milliardenschwere neue Werke in Deutschland angekündigt. Allerdings stehen diese Pläne noch unter dem Vorbehalt, dass die im Chips Act vorgesehenen Milliarden auch tatsächlich fließen. Man baue da auf eine angemessene Förderung, hatte sich kürzlich Infineon-Chef, Jochen Hanebeck, geäußert (Evertiq berichtete). Rund fünf Milliarden Euro sind für einen neuen Chips-Standort vorgesehen.

Auch Frank Bösenberg, Geschäftsführer der Branchenvereinigung Silicon Saxony, hat sich in dieser Problematik gegenüber dem Handelsblatt geäußert. Die EU müsse sich schnell beim Chips Act einigen. Es würden Dutzende derartiger Werke in Europa benötigt.

Allerdings gibt es auch warnende Stimmen, Fabriken zu unterstützen, die Europa überhaupt nicht braucht, weil der Markt fehle. Für das neue Werk von Intel in Magdeburg etwa gebe es in der EU nicht genügend Abnehmer. Das sagt Alan Priestley vom Marktforscher Gartner. Intel hält dagegen, von Sachsen-Anhalt aus solle der Weltmarkt bedient werde. Apple-Chef Tim Cook habe bei einem Besuch in München vor Mitarbeitern gesagt, er würde auch Halbleiter aus europäischen Werken kaufen, berichtete zuletzt die Nachrichtenagentur Bloomberg.

AT&S jedenfalls hat seinen Blick längst in Richtung USA geworfen. Man prüfe, ob man im Rahmen des US-Chips-Act in Amerika investiert. Die Bedingungen dort seien inzwischen höchst attraktiv, sagte er dem Handelsblatt.

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2022.11.15 00:19 V20.10.16-2
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