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© KATEK Group Elektronikproduktion | 22 November 2021

Der Puls der Branche – KATEK

Der deutsche EMS-Anbieter KATEK hat das ganze Jahr 2021 hindurch solide Leistungen erbracht. Das heißt jedoch nicht, dass das Unternehmen von der Pandemie und dem Mangel an Komponenten nicht betroffen gewesen wäre. Man hatte, wie alle anderen Unternehmen auch, zu kämpfen; aber ein klarer Fokus auf „anti-fragil“ half KATEK dabei an der Spitze zu bleiben.

Für diese Artikelserie hat Evertiq eine Reihe europäischer EMS-Unternehmen angesprochen. Wir wollten erfahren, wie die Herausforderungen der letzten zwei Jahre gemeistert wurden. Für den zweiten Teil der Serie haben wir mit Rainer Koppitz, CEO und Mitgründer der KATEK Group, gesprochen. Welche Lehren haben Sie angesichts der Tatsache, dass wir nun seit fast zwei Jahren gegen die Pandemie kämpfen, gezogen und welche Änderungen wurden in Ihrem Unternehmen vorgenommen? “Ich bin demütiger geworden. Ich hätte mir vor zwei Jahren nicht vorstellen können, dass wir – wir als Menschheit, aber auch wir als Industrie - eine so lange Zeit im Würgegriff eines Virus gefangen bleiben mit so massiven Auswirkungen auf alle Lebensbereiche. Und die Folgerung? Ein Unternehmen muss nicht nur resilient, sondern vielmehr anti-fragil aufgestellt sein, also, um dem Gedanken von Nassim Taleb zu folgen, so aufgestellt sein, dass man eine solche Krise nicht nur überlebt, sondern als besseres Unternehmen und Team daraus hervorgeht. Das ist mein Ziel.” Sobald wir in das Jahr 2021 eintraten, wurde deutlich, dass die Pandemie nicht das einzige Problem ist, das auf der Branche lastet. Die Verknappung von Komponenten hat unsere und benachbarte Branchen stark beeinträchtigt. “Die Verknappung betrifft alle Branchen, selbst Bücher werden aktuell zuerst als eBook herausgegeben und verpassen das Weihnachtsgeschäft, weil Papier knapp ist. Bei uns in der Elektronikbranche gilt grob gesagt folgende Regel: Die Materialkrise richtet besonders großen Schaden an bei Firmen, die klein sind, bei Firmen, die einen hohen Automotive-Anteil haben und bei Firmen, die einen schlechten Cashflow haben. Ersteres, weil man in den Augen der Lieferanten zu unbedeutend ist und Teile noch schlechter und teurer bekommt als andere. Zweiteres, weil Automotive als Branche besonders betroffen ist, man denke an die mehr als 30% Absatzminus in der europäischen Automobilindustrie im Oktober zum Vorjahr. Und drittens, ist Cash King dieser Tage, weil der drastische Aufwuchs des Lagerbestandes – teilweise Verdopplung seit Jahresbeginn – die Cash-Reserven einer Firma sehr schnell verschlingen kann und wir einige Firmen in unserer Branche in den nächsten Monaten in Schieflage erleben werden, leider.” Was halten Sie als europäischer Hersteller von der Tatsache, dass die europäische Elektronikindustrie in Bezug auf die Halbleiterversorgung immer noch sehr stark von Asien abhängig ist? “Ich bin ein großer Fan, Schlachten zu schlagen, die auch zu gewinnen sind. Die Halbleiter-Schlacht, insbesondere im Front-End, also bei den Wavern, ist vor vielen Jahren gegen Taiwan und Südkorea verloren gegangen, das Thema ist durch. Im Backend-Bereich schlagen sich einige Firmen wie NXP oder Infineon wacker, aber eine autonome Versorgung in Europa ist Illusion. Und die PCB-Schlacht ist auch verloren. Man sollte sich jetzt darauf konzentrieren, die Elektronik-Industrie über die gesamte Wertschöpfungskette in Europa zu stärken, da die europäische Industrie davon abhängig ist, hier in Europa starke und innovative Partner zu haben, die mit ihnen Elektronik entwickeln und fertigen, ohne in totale Abhängigkeit von Asien und den USA zu geraten. Da sehen wir auch unsere Rolle als KATEK und wollen so schnell wie möglich die Nummer Zwei in Europa hinter Zollner werden.” Hat die Pandemie Ihrer Meinung nach die Notwendigkeit engerer und kleinerer Lieferketten verdeutlicht? “Absolut. Eine der Kern-Lehren aus der Krise ist, dass hier enorm viel passiert. Europäische Kunden zum Beispiel erwarten von ihren europäischen Elektronikpartnern, dass sie ihrem geografischen Footprint folgen, also in Europa für die europäischen Fabs der Kunden produzieren, aber eben auch in Asien für die asiatischen Fabs und in gleichem Sinn in Nord-Amerika. Tourismus elektronischer Baugruppen von Land zu Land und Kontinent zu Kontinent macht verwundbar, denn es kann zu viel schiefgehen. Nach Pandemie und Shortage wird die nächste Krise kommen und der Protektionismus wird auch eher zunehmen, das ist uns allen sehr bewusst. Hilft auch dem ökologischen Footprint der Endprodukte, nebenbei bemerkt.” Wie ist der allgemeine Eindruck jetzt, wo wir uns dem Ende des Jahres 2021 nähern und auf das Jahr 2022 zugehen? “Die Auftragsbücher sind enorm voll und sobald die Shortage etwas nachlassen wird, ich rechne mit ersten Lichtblicken in Q1 und Q2, wird es einen Sonder-Boom geben in unserer Industrie. Und: Ich erwarte mir einen signifikanten Schub auch für die Elektronik in den grünen Technologien. Nur mit neuen Technologien – und Elektronik spielt hier stets eine Schlüsselrolle – wird man die Treibhausgasreduzierung hinbekommen, mit Verzicht allein werden wir scheitern. Von den 51 Mrd. CO2-Äquivalenten, die die Menschheit pro Jahr in die Luft pustet, konnten im Superkrisenjahr trotz Stillstand von Wirtschaft, Tourismus und gesellschaftlichem Leben nur ca fünf Prozent eingespart werden – daran sieht man, dass man auf Null unmöglich alleine durch Verzicht kommen kann…”
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2021.11.29 22:48 V19.2.0-2