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© Haldex Elektronikproduktion | 27 Januar 2020

Haldex-Mitarbeiter in Heidelberg fordern Überdenken der Schließungspläne

Schon im Oktober 2019 hatte Haldex angekündigt, seine Produktion in Europa zu rationalisieren. Eine Entscheidung, die die Verlagerung der Produktion von Heidelberg nach Szentlörincskáta in Ungarn mit sich bringen würde. Haldex hatte im selben Atemzug erklärt, dass es der europäischen Konzernregion nicht gelungen sei, die Rentabilität auf ein den Erwartungen entsprechendes Niveau zu steigern.

Trotz der Proteste werde Haldex an seinen Schließungsplänen für das Werk Heidelberg festhalten, hat der Konzern inzwischen Evertiq mitgeteilt. Das Unternehmen wies auch auf den erwarteten wirtschaftlichen Abschwung und das Kostenniveau in Deutschland als Faktoren hin, die zu der Entscheidung geführt hätten, die letztlich zur Schließung der Fabrik führen würde. Insgesamt werden 100 Personen von der Schließung betroffen sein. Von diesen werden 17 Mitarbeiter bei Haldex bleiben, da sie regionale und globale Positionen in Deutschland inne haben. Im Januar 2020 veröffentlichte der Personalbetriebsrat der Haldex GmbH Heidelberg einen offenen Brief an Helene Svahn, President & CEO Haldex und alle Mitglieder der Geschäftsleitung. In dem Schreiben machen sie deutlich, dass die Entscheidung zur Schließung des Heidelberger Werkes schwerwiegende soziale Auswirkungen für die Mitarbeiter haben werde und es nach ihrer Meinung auch für die Haldex-Gruppe die falsche Entscheidung sei. Zudem wurde ein vom Personalbetriebsrat in Auftrag gegebener Sachverständigenbericht mit einem Alternativplan übergeben. Nur einen Tag später reagierten die zuständigen Vorstandsmitglieder in einer schriftlichen Mitteilung. Darin heißt es, Haldex habe im Oktober in einer Pressemitteilung geschrieben, dass es nicht gelungen sei, "die Rentabilität auf ein Niveau zu steigern, das den Erwartungen entspricht". Dem wiederum widerspricht der Personalbetriebsrat. „In den vergangenen Jahren haben wir im Werk in Heidelberg allein mit diesen 100 Mitarbeitern positive Ergebnisse und Margen erzielt. Mit der Umsetzung dieser Entscheidung, das Werk in Heidelberg zu schließen, wird sich die Gesamtsituation für Haldex Europe verschlechtern. Die Entscheidung gegen Heidelberg werde sich negativ auf die anderen innereuropäischen Werke auswirken“, so er Betriebsrat. Der Personalbetriebsrat behauptet in dem Schreiben unter Berufung auf Aussagen von Kollegen in Ungarn auch, dass die Anlage in Szentlörincskáta zu klein sei, um den Umzug aller Linien aus Heidelberg zu bewältigen und die Produktion dennoch geordnet weiterzuführen. „In Ungarn gibt es immer wieder Hindernisse durch Fluktuation, Probleme und Unkenntnis, so dass sie für die gleiche Produktion das Dreifache an Arbeit benötigen. Aufgrund dieser weitaus geringeren Produktivität werden die Vorteile des geringeren Gehalts (nach Angaben der Geschäftsleitung im Verhältnis 1 zu 4) wegfallen", heißt es in dem Schreiben weiter. Die Mitarbeiter des Heidelberger Werkes plädieren daher für eine Alternativlösung. Dem Schreiben zufolge besteht der beste Weg, das Werk wieder in die Erfolgsspur zu führen darin, die Forschung und Entwicklung des Werkes zu verbessern. In dem Schreiben wird auch argumentiert, dass ein Verbleib in Deutschland den Beziehungen zu wichtigen Kunden innerhalb der Lkw-Industrie, wie Daimler und anderen, zugute käme. Inzwischen gibt es eine Stellungnahme von Haldex gegenüber Evertiq. „Der Vorstand und die Geschäftsleitung bereiten eine Antwort auf den Brief des Personalbetriebsrats der Haldex GmbH Heidelberg vor. Ich möchte zum Ausdruck bringen, dass wir die Bemühungen der Mitarbeiter zu schätzen wissen. Wir haben volles Verständnis für die persönlichen Härtefälle, die durch die Entscheidung für unsere Mitarbeiter entstehen und bedauern sie. Es liegt aber in der Verantwortung des Vorstands und der Geschäftsführung, eine nachhaltige Strategie für die gesamte Gruppe zu entwickeln und entsprechend zu handeln, um ein starkes und profitables Unternehmen aufzubauen, insbesondere in einer Zeit des industriellen Wandels", so Helene Svahn in einer E-Mail-Erklärung an Evertiq.
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