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© begemot 30 dreamstime.com Analysen | 12 MĂ€rz 2018

Brexit kommt deutsche Industrie teuer zu stehen

Die direkten Kosten des Brexit werden sich fĂŒr Unternehmen in der EU27 auf EUR 37 Milliarden und fĂŒr Unternehmen im Vereinigten Königreich (UK) auf EUR 32 Milliarden belaufen – auch nachdem erste Schritte zur Kostensenkung unternommen wurden.
In der EU entfallen allein EUR 9 Milliarden auf deutsche Unternehmen, 80 Prozent davon auf die Branchen Automobil, Chemie, sonstige Fertigung, Lebensmittel/GetrĂ€nke und KonsumgĂŒter. 70 Prozent der in Deutschland anfallenden Kosten entstehen in nur vier der 16 BundeslĂ€nder – Bayern, Nordrhein-Westfalen, Baden-WĂŒrttemberg und Niedersachsen. Das zeigt eine gemeinsame Analyse der Strategieberatung Oliver Wyman und der AnwaltssozietĂ€t Clifford Chance.

FĂŒr die Analyse wurden die Auswirkungen von Zöllen und regulatorischen Barrieren berechnet, falls die EU27 und die UK zu einer Handelsbeziehung nach Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) zurĂŒckkehren. Der Report beziffert die direkten Kosten fĂŒr Unternehmen in der EU auf EUR 37 Milliarden und in der UK auf EUR 32 Milliarden pro Jahr – unter BerĂŒcksichtigung erster Schritte zur Kostensenkung. Der grĂ¶ĂŸte Kostenanteil entsteht durch regulatorische Handelsbarrieren; dazu zĂ€hlen etwa Kosten fĂŒr Zulassungen oder durch erhöhten Zeitaufwand an der Grenze. Auf deutsche Unternehmen kommt mit neun Milliarden Euro ĂŒber ein Viertel der in der EU27 anfallenden Kosten zu.

Automobilindustrie besonders betroffen

Die direkten Kosten des Brexit sind in Deutschland auf fĂŒnf Branchen konzentriert: Automobil, Chemie, sonstige Fertigung, Lebensmittel/GetrĂ€nke und KonsumgĂŒter werden mit EUR 7 Milliarden 80 Prozent der anfallenden Kosten tragen. Am stĂ€rksten wird in Deutschland die Automobilbranche mit zusĂ€tzlichen Kosten von ĂŒber EUR 3 Milliarden betroffen sein. In UK wird allein die Finanzdienstleistungsbranche ein Drittel der direkten Kosten tragen mĂŒssen.

Aufgrund der regionalen Wirtschaftsstruktur in Deutschland werden die Auswirkungen des Brexit besonders in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Baden-WĂŒrttemberg und Niedersachsen spĂŒrbar sein. Dort sind die meisten Automobil- und Fertigungsunternehmen ansĂ€ssig. Die Unternehmen in den vier BundeslĂ€ndern mĂŒssen 70 Prozent der direkten auf Deutschland entfallenden Kosten des Brexits schultern.

Finja Carolin KĂŒtz, Deutschlandchefin von Oliver Wyman, sagt: "Über 50 Prozent der deutschen Exporte nach UK sind auf die Automobilindustrie, sonstige Fertigungsindustrie und die Chemiebranche zurĂŒckzufĂŒhren. Mit ihrer starken Integration in europĂ€ische Supply Chains werden sie die Auswirkungen des Brexit besonders stark zu spĂŒren bekommen und ihre Wertschöpfungsketten umstrukturieren mĂŒssen.“

Auf unsichere Zeiten einstellen

Die FĂ€higkeit, die Auswirkungen des Brexit abzufangen, hĂ€ngt neben der Industrie auch von der UnternehmensgrĂ¶ĂŸe ab. GrĂ¶ĂŸeren Unternehmen mit Erfahrung im Handel außerhalb der EU wird es leichter fallen, die neue KomplexitĂ€t zu managen. FĂŒr die kleinen wird es schwieriger, weiß KĂŒtz: "Über 60 Prozent der exportierenden kleinen und Kleinstunternehmen in Deutschland handeln nur innerhalb der EU und haben keine Prozesse fĂŒr den außereuropĂ€ischen Handel. Gerade diejenigen, fĂŒr die UK ein wichtiger Handelspartner ist, mĂŒssen ganz neue Kompetenzen aufbauen."

UnabhĂ€ngig von Branche und GrĂ¶ĂŸe gilt es fĂŒr alle Unternehmen, sich auf unsichere Zeiten vorzubereiten. Denn auch fĂŒr die großen Hersteller kann es problematisch werden, wenn plötzlich ein Sub-Zulieferer aufgrund der zunehmenden KomplexitĂ€t ein wichtiges Teil nicht liefern kann. Transparentere Lieferketten können dabei helfen, EngpĂ€ssen vorzubeugen. KĂŒtz: „Unternehmen mĂŒssen sowohl die Kosten des Brexits managen als auch die Chancen nutzen, die sich durch die Neugestaltung von Lieferketten und die ÜberprĂŒfung der Standortstrategie ergeben. Darauf sind sie zurzeit jedoch noch unterschiedlich gut vorbereitet.“

Marc Benzler, Partner bei Clifford Chance, sagt: „Wer sich nicht richtig vorbereitet, wird scheitern. Angesichts der Unvorhersehbarkeit der anstehenden Turbulenzen setzen sich viele Unternehmen nicht ausreichend mit dem Thema Brexit auseinander. Doch Unternehmen, die verstehen, wo die Risiken und Chancen des Brexits liegen, können entsprechend planen und die negativen Auswirkungen minimieren.“
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2018.11.21 11:24 V11.9.8-2