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© rittal Elektronikproduktion | 26 Juni 2015

Industrie 4.0 als Chancengeber für den Schiffbau

Viele europÀische Werften spezialisieren sich heute auf technisch hochwertige und anspruchsvolle Unikatfertigungen. Industrie 4.0 bietet auch hier eine Vielzahl von Chancen
Ein schonenderer Umgang mit Ressourcen, Effizienzgewinne, mehr Kontrolle und dadurch weniger Fehler sind solche Chancen. Wie Unternehmen aus der Schiffsbranche diese Chancen am besten nutzen können, darĂŒber informierten am 11. Juni in Hamburg Experten beim sechsten Rittal Branchentag „Schiff & See“ - u. a. vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), dem Fraunhofer Institut fĂŒr Graphische Datenverarbeitung IGD, der Klassifikationsgesellschaft DNV-GL und der Meyer Werft.

„Die stĂ€rkere Integration und Digitalisierung, getrieben von Industrie 4.0, ist ein unausweichlicher Prozess auch fĂŒr unsere Branche“, sagte Alexandra Dreyer von der VDMA-Arbeitsgemeinschaft Marine Equipment and Systems. Die intelligente und vernetzte Produktion sei dabei der SchlĂŒssel fĂŒr neue, erfolgreiche GeschĂ€ftsmodelle.

Welche Möglichkeiten Visual Computing dem Schiffbau 4.0 bietet, erlĂ€uterte Prof. Dr.-Ing. Uwe Freiherr von Lukas vom Fraunhofer Institut fĂŒr Graphische Datenverarbeitung IGD: „Der Mensch wird keineswegs ĂŒberflĂŒssig, aber angesichts verĂ€nderter Anforderungen mĂŒssen Unternehmen flexibel reagieren können. FĂŒr den Schiffbau 4.0 gelingt das durch die optimale Einbindung des Menschen in die digitalisierte Produktion – aber insbesondere auch mit einer durchgĂ€ngigen Datenbasis.“ Die Grundlage dafĂŒr seien offene Formate und Schnittstellen: „Daher ist es wichtig, sich hier auf Standards zu verstĂ€ndigen“, betonte von Lukas. Wer in die Datenbasis fĂŒr Industrie 4.0 investiere, erschließe sich zusĂ€tzliche Chancen fĂŒr digitale Wertschöpfung im Lebenszyklus eines Schiffs.

Peter Behrens, Fachbereichsleiter fĂŒr Standard und Technologie bei der Meyer Werft GmbH & Co. KG in Papenburg, nahm die Zuhörer mit in den Entstehungsprozess eines Kreuzfahrtschiffes. „Der modulare Bau erfolgt mit rund 70 Blöcken. Bis diese zusammengesetzt sind und der Rohbau des Schiffes steht, vergeht rund ein Jahr“, erklĂ€rte Behrens. Standardisierung sei dabei extrem wichtig, denn sie bedeute Kostenersparnis, Reduktion der Materialvielfalt, korrekten Einbau und richtigen Einsatzbereich, ProduktivitĂ€ts- und QualitĂ€tssteigerung und UnterstĂŒtzung kontinuierlicher Verbesserungsprozesse. Als einen Grund fĂŒr mehr Standardisierung fĂŒhrte Behrens den hohen Anteil von rund 75 Prozent an Material und Dienstleistungen an, den Partnerfirmen beim Schiffbau stellen. „Was sich durchgesetzt hat, ĂŒberfĂŒhren wir in Standards“, resĂŒmierte Behrens und erklĂ€rte dies konkret an der Standardisierung eines GehĂ€uses von Rittal.

Auf Elektrotechnik im Schiffbau hat sich die Sitte Unternehmensgruppe spezialisiert: „Wir fĂŒhren elektrische Installationen und Montagearbeiten fĂŒr eine Vielzahl von Schiffstypen durch - inklusive Bauleitung und QualitĂ€tsprĂŒfung sowie das Erstellen von Konstruktionen und technische Zeichnungen“, schilderte Susanne Ziesecke. „Dabei wollen wir technische Dienstleistungspakete in zukĂŒnftige Schiffbauprozesse installieren.“ Um Schiffbau 4.0 voranzubringen, seien Prozessoptimierung, Standardisierung, digitale Vernetzung, optimierte InformationsflĂŒsse sowie intelligentes Material- und Schnittstellenmanagement unerlĂ€sslich.

Über DatenverfĂŒgbarkeit vom Basic Engineering bis zum Betrieb referierte Michael PlĂ€hn, Consultant bei Eplan. „Auf der Werft kommen viele Firmen und Lastenhefte zusammen. Sie wird quasi zum Datensammler“, skizzierte PlĂ€hn die Situation im Schiffbau. „MedienbrĂŒche fĂŒhren zu Informationsverlust, die Verzögerungen nach sich ziehen.“ Mit einer Basic Engineering Plattform sei es möglich, sĂ€mtliche Daten in einem System zu pflegen, auf das alle zugreifen könnten – zur Optimierung des Schiffbaus.

Wie wichtig durchgĂ€ngige Daten und Prozesse im Steuerungs- und Schaltanlagenbau im Zeitalter Industrie 4.0 sind, verdeutlichte auch Jan-Henry Schall, Projektleiter Wertschöpfungskette bei Rittal. „Knackpunkt ist die durchgĂ€ngige digitale Dokumentation. Dies beginnt beim ‚Digitalen Artikel‘, also dem Einzelteil und geht bis zur umfĂ€nglichen ‚Digitalen Produktbeschreibung‘, also dem kompletten Schiff. Ist diese Dokumentation vollstĂ€ndig und ohne BrĂŒche, bedeutet das in allen Phasen des Produktentstehungsprozesses bis hin zum Betrieb eine Effizienzsteigerung.“

Im abschließenden Vortrag des Branchentages skizzierte Prof. Dr.-Ing. Volker Bertram von der Klassifikationsgesellschaft DNV-GL den Schiffsentwurf der Zukunft durch Simulation. „Dauerbrenner sind die Schnittstellen. Und auch das intelligenteste System nimmt uns nicht das Denken und Entscheiden ab.“ Im Mittelpunkt stehe immer noch der Mensch, betonte Prof. Bertram.
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2019.01.17 14:20 V11.11.0-2