Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
© shanaka wijesooriya dreamstime.com Analysen | 02 September 2013

„Freigabe“ für das Fernsehen vor 85 Jahren

Vor 85 Jahren, am 31. August 1928, gab das Reichspostzentralamt den Start für das „neue und künftige Telekommunikations-System“ Fernsehen frei.
Die 5. Große Deutsche Funkausstellung Berlin zeigte von 31. August bis 9. September 1928 erste Fernseh-Entwicklungen. Darunter eine Vorrichtung mit Spiegelabtastung und 96 Zeilen und das „Telehor“ genannte System mit 30 Zeilen, das auf einer weiter entwickelten Nipkow-Scheibe basierte.

Nach diesem historischen Datum begann die deutsche Industrie mit der Entwicklung von Fernsehgeräten. In den USA gab es 1928 bereits das erste Fernsehprogramm mit regulärem Zeitplan. Dennoch hat das Fernsehen in Deutschland eine lange Tradition und eine innovative Entwicklungsgeschichte. Zahlreiche maßgebliche Entwicklungen stammen aus Deutschland und viele deutsche Unternehmen haben auf dem Gebiet der Fernsehtechnik Pionierarbeit geleistet.

Mitte der 20er Jahre wurde das Fernsehen noch von der Mechanik bestimmt. 1926 führte das Telegraphentechnische Reichsamt erste Fernsehversuche in Deutschland durch. Ab 1930 erfolgte der Übergang von der Mechanik zur Elektronik. Manfred von Ardenne zeigte im Dezember 1930 zum ersten Mal vollelektronisches Fernsehen mit einem Raster von 100 Zeilen bei 20 Bildwechseln pro Sekunde im Labor und präsentierte es 1931 während der 8. Großen Deutschen Funkausstellung und Phonoschau weltweit erstmals öffentlich. Sogar auf der anderen Seite des Atlantiks galt dieser Technik-Durchbruch als Sensation.

Die „New York Times“ kündigte sie bereits im Vorfeld der Messe, am 16. August 1931, in einem großen Artikel an. Ardenne griff hierbei lediglich auf bereits bekannte Komponenten, wie die Braunsche Röhre, zurück. Röhren verwendete er auch zur Aufnahme des Fernsehbildes. Das Geniale und Visionäre an seiner Versuchsanordnung aber war die Auswahl und Optimierung der Komponenten, die in der Folge eine unproblematische und stetige Verbesserung der Bildqualität erlaubten.

Darauf folgten mehrere Patente, darunter für das von Fritz Schröter erfundene Zeilensprungverfahren, sowie zahlreiche Versuchssendungen. Am 22. März 1935 war es dann soweit: Im Berliner Haus des Rundfunks wurde das erste regelmäßige öffentliche Fernsehprogramm der Welt eröffnet. Die Mischung aus Live-Programm vom Studio und Filmausschnitten konnte die Mehrzahl der Zuschauer damals allerdings nur in den so genannten „Fernsehstuben“ ausgewählter Postämter verfolgen.

Damals wie heute sind die Großveranstaltungen des Sports auch Highlights für das Fernsehen. Aus dem Olympiastadion in Berlin kamen 1936 die Wettkämpfe live in die „Fernsehstuben“. Der Krieg forderte danach eine Zwangspause, doch bereits 1950 gab es vom NWDR (Nordwestdeutscher Rundfunk) aus Hamburg wieder erste Fernsehbilder.

Auf der „Fernsehstraße“ der Industrieausstellung in Berlin stellten zwölf Firmen 40 unterschiedliche Fernsehgeräte vor. Am 25. Dezember 1952 startete dann das ständige Programm mit einem Fernsehspiel. 1954 war es wieder der Sport, der für ein weiteres Highlight der TV-Geschichte sorgte: die Übertragung des Endspiels der Fußball-Weltmeisterschaft aus Bern.

Danach ging es Schlag auf Schlag: 1954 wurden Kabel-Fernbedienungen eingeführt, 1956 konnte schon eine halbe Million Zuschauer das Programm empfangen, die Halbleitertechnik löste die Röhre als maßgebliches Bauelement ab. 1957 wurde die Millionengrenze der angemeldeten Fernseher überschritten.

Für 1963 stehen zwei maßgebliche Daten in der TV-Historie: die Patentierung des PAL-Farbfernsehens und der Sendebeginn des ZDF. Zehn Millionen Geräte waren 1964 angemeldet und auf der 25. Großen Deutschen Funkausstellung startete Willy Brandt 1967 das Zeitalter der bunten Fernsehbilder.

1970 begründete ein Patent zweier Schweizer Physiker die Ära der Flüssigkristall-Bildschirme, die inzwischen die altgediente Bildröhre fast abgelöst haben. Seit 1975 ist eine Fernbedienung für TV-Geräte serienmäßig. 1977 wurde der Videotext von ARD und ZDF eingeführt.

Ein zweiter Tonkanal erlaubte ab 1981 die Übertragung von Stereosendungen. Und zeitgleich mit dem Kabel-Pilotprojekt starteten 1984 auch die ersten privaten Programme. Zusammen mit den 1985 präsentierten Geräten für den direkten Empfang von Satelliten-

Fernsehen waren dies die Voraussetzungen für die heutige Programmvielfalt.

Im November 1990 wurde die Nationale HDTV-Plattform Deutschland gegründet, die heutige Deutsche TV-Plattform – mit dem Ziel, die Einführung des hoch auflösenden Fernsehens HDTV in Deutschland zu koordinieren. Dieses Projekt endete zunächst in der analogen Sackgasse. Das digitale HDTV wurde im Februar 2010 von ARD und ZDF in den Regelbetrieb überführt.

September 1993 ist das Datum für die Gründung des europäischen DVB-Projekts (DVB = Digital Video Broadcasting). Der in diesem Kreis entwickelte technische Standard für digitales Fernsehen wurde 1995 für die ersten Ausstrahlungen verwendet, 1996 startete der erste Regelbetrieb mit digitalem Fernsehen in Deutschland. Mittlerweile ist der DVB-Standard mit seinen diversen Spezifikationen für Kabel, Satellit und die terrestrische Übertragung – sowohl für Fernsehen in Standard-Auflösung (SDTV), als auch für das hoch auflösende Fernsehen HDTV – weltweit im Einsatz.

Aktuell erobern Smart-TVs, TV-Geräte, die nicht nur klassisches, linear ausgestrahltes Fernsehprogramm empfangen, die Wohnzimmer. In 34 Prozent, also knapp 14 Millionen, der deutschen Haushalte, steht inzwischen ein solcher vernetzter Fernseher als hauptsächlich genutztes Gerät.*

Heute gehört ein Fernsehgerät zum Standard in deutschen Haushalten. Viele Haushalte haben meist mehr als ein TV-Gerät: In 40 Prozent der Haushalte steht ein TV, weitere 40 Prozent haben zwei Geräte, 13 Prozent besitzen drei und sieben Prozent haben vier oder mehr TV-Geräte.

Die Menschen sehen heute im Durchschnitt pro Tag rund 242 Minuten fern. Flache Bildschirmtechnologien haben die Röhre im Wohnzimmer verdrängt und ermöglichen mit ihren immer größeren Bildschirmen perfekte Heimkino-Atmosphäre. Das Hauptgerät ist bei 80 Prozent der Deutschen ein flacher Fernseher*. Für das Jahr 2013 rechnet die gfu mit rund acht Millionen verkauften TV-Geräten. Dies entspricht einem Umsatz von rund fünf Milliarden Euro.
Weitere Nachrichten
2019.01.17 14:20 V11.11.0-2