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© bernardo varela dreamstime.com Analysen | 09 August 2013

EMS-Analyse - 10 globale Trends und Implikationen für OEMs

Der zweite Artikel in dieser Reihe beschreibt die 10 globalen Trends die OEMs berĂŒcksichtigen mĂŒssen, wenn sie eine weltumspannende Supply-Lösung aufbauen wollen.

1. EMS / ODM Preise laufen zusammen.

FĂŒr ein OEM-Unternehmen brachte das Modell mit einem Original Design Manufacturer (ODM) - historisch gesehen - einen Kosten-Nutzen gegenĂŒber dem mit einem EMS Partner. ODMs boten ein 'Off-The-Shelf' Design und weniger Nebenleistungen. OEMs gewannen dadurch einen Vorteil beim Time-to-Market, aber verloren beim Wettbewerbsvorteil Innovation. Allerdings ist der Kostenvorteil fĂŒr OEMs, die diesen Ansatz verwenden, nun verschwindend gering. Die Kosten der ODMs wurden durch die Erwartungen der OEMs in den letzten Jahren (insbesondere aus der Supply-Chain und SG&A-Perspektive) nach oben getrieben.

FOLGEN: Wenn Sie auf das ODM-Modell setzen, sollten Sie aktiv andere Optionen erkunden.

2. Regionalisierung gewinnt an Dynamik.

Was als Rinnsal begann ist ein Strom geworden. Es ist noch kein reißenden Fluss, aber wesentlich mehr als ein Rinnsal und die Entwicklung gewinnt an Dynamik. Mit steigenden Transport- und globalen Lohnkosten, kombiniert mit zunehmenden Risiken, beginnen die mittelstĂ€ndischen OEMs zu verstehen, dass eine Supply-Chain rund um den Erdball nicht kosteneffektiv ist.

FOLGEN: Viele OEMs setzen auf eine Supply-Lösung, bei der man in der Region fĂŒr die Region baut.

3. Globale KapazitÀtsauslastung steigt

WĂ€hrend Outsourcing in seinen AnfĂ€ngen eine Möglichkeit fĂŒr OEMs darstellte die festen Kosten (z. B. Anlage AusrĂŒstung, GebĂ€ude, etc.) auf eine variable Basis zustellen, bedeutet die erhöhte EMS-KapazitĂ€t nun, das OEMs sich auf die Sicherung von kontinuierlichen Kostensenkungen konzentrieren. Heute ist die Produktion von Hardware zu einem Allerweltsprodukt geworden und OEMs vertrauen auf kontinuierliche Kostensenkungen bei der Herstellung um wettbewerbsfĂ€hig zu bleiben.

EMS-Unternehmen konnten in den letzten Jahren die kontinuierlichen Kostensenkungen freizĂŒgig geben; die Fabriken (einschließlich ĂŒber hundert OEM VerĂ€ußerungen) war nicht voll ausgelastet. Aber die RealitĂ€t verĂ€ndert sich. Kurz gesagt, die vielleicht grĂ¶ĂŸte Gefahr fĂŒr OEMs ist die Tatsache, dass die verfĂŒgbare globale KapazitĂ€t fast vollstĂ€ndig ausgelastet ist und die Preise ihren Sinkflug nicht weiter fortsetzen werden.

Unsere Daten zeigen eine signifikante Verkleinerung von EMS-KapazitĂ€t und wir prognostiziert, dass, wenn zusĂ€tzliche KapazitĂ€t nicht in den nĂ€chsten zwei bis drei Jahren 'online' geht, die Nachfrage das Angebot ĂŒbersteigen wird.

FOLGEN: WĂ€hrend die GesamtkapazitĂ€t sich nicht Ă€ndern wird, könnten große Teile der verfĂŒgbaren KapazitĂ€t offline gehen (aufgrund verĂ€nderter GeschĂ€ftsmodelle und anderer Trends). Wenn die Nachfrage das Angebot ĂŒbersteigt, mĂŒssen die Preise fĂŒr EMS-Dienstleistungen steigen.

4. Lohnkosten in China steigen weit schneller als vorhergesagt.

Unsere Daten zeigen; es gibt in China keinen endlosen Strom an billigen ArbeitskrĂ€ften fĂŒr die Elektronikproduktion, trotz der riesigen Bevölkerung. Druck von Menschenrechtsorganisationen, Erwartungen der aufstrebenden Mittelschicht und staatlicher Regulierung zur Vermeidung von sozialen Unruhen tragen zum raschen Lohnanstieg bei. CBA Prognosen zeigen, dass die Lohnkosten mindestens fĂŒr die nĂ€chsten zwei bis drei Jahre weiter steigen werden.

FOLGEN: Bedeutet dies, dass OEMs ihre AktivitĂ€ten in China sofort beenden sollten? Wahrscheinlich nicht, aber eine durchdachte Alternativlösung, die vollstĂ€ndig deckungsgleich mit den near- und longterm BedĂŒrfnissen eines OEM ist, sollte bereits in der Entwicklungsphase sein.

5. Langsameres Wachstum des Elektronik-Outsourcing

Die EMS Vermittlungsrate (EMS Penetration rate) ist der Anteil des Elektronik TAM (total available market), der den Sprung zum Outsourcing an einen externen Produktionspartner vorgenommen hat. Sie ist die Richtlinie, an der die Industrie (historisch gesehen) ihre Wachstumsprognosen ausgerichtet hat. CBA Auswertungen zeigen, dass sich die Wachstumsrate der EMS-Industrie verlangsamt.

FOLGEN: Endlich begreift die Industrie, das 'One-Size-Fits-All' beim Outsourcing nicht funktioniert. Die berauschenden Tage mit zweistelligem Jahreswachstum hat die Branche hinter sich gelassen.

6. Das Risiko in der Supply Chain hat einen Höchststand erreicht

Die Risiken bei der Herstellung von Elektronik steigen. Kaum jemand wĂŒrde sich gegen diese Aussage stellen. Doch Viele wĂŒrden argumentieren, dass diese Risiken (geopolitische InstabilitĂ€t, Turbulenzen im Finanzsystem, aber auch Naturkatastrophen) außerhalb der Kontrolle der meisten strategischen Planer liegen; also warum soll man sich darum kĂŒmmern?

Zum GlĂŒck verstehen die meisten Front-Line-Manager, dass selbst in den besten Zeiten Outsourcing eine grundsĂ€tzlich riskante Angelegenheit ist. Sie sollte am besten mit sorgfĂ€ltiger Planung gesteuert und sorgfĂ€ltig ausgefĂŒhrt werden. Leider erreicht diese Einsicht selten die C-Liga des Management.

FOLGEN: Viele OEMs ĂŒberdenken ihre gesamte Supply-Lösung. Risiken sollen vermindert und dadurch die 'wahren' Kosten verringert werden. Die Frage bleibt, ob diese Erkenntnisse auch rechtzeitig von der GeschĂ€ftsfĂŒhrung erkannt und akzeptiert werden?

7. Der Nachfrage Zyklus hat sich verkĂŒrzt

Die meisten OEMs wissen einfach nicht, was sie brauchen bis etwas verkauft ist. Dann aber brauchen sie es von den Herstellern in den nĂ€chsten Tagen (und nicht Wochen). Die Situation wird noch komplizierter, da die Meisten sich weigern ein Fertigwarenlager zu unterhalten oder In-House FertigungskapazitĂ€ten (parallel zum Outsourcing) zu betreiben. Das wiederum wĂŒrde die Reaktionszeiten dramatisch verbessern.

FĂŒr ein paar Jahre sah es so aus, also ob 'Lean Manufacturing' die Antwort darauf sein wĂŒrde. Aber die westliche Industrie konnte sich einfach nicht dazu bringen dieses Konzept - mit all seinen vielen operativen Disziplinen - vollstĂ€ndig zu implementieren.

Was ĂŒbrig geblieben ist, ist ein dysfunktionales System, in dem OEMs sich weigern feste Zusagen zu machen, in dem Prognosen bedeutungslos sind, in dem die Outsourcing-Branche Angst hat und Alles erst in der letzt-möglichen Minute bestellt und die nachgeschaltete Lieferkette routinemĂ€ĂŸig Alles als nicht stornierbar / vom Umtausch ausgeschlossen markiert.

FOLGEN: Die Erwartung ist, das - wie auch in der virtuellen Welt - eine fast unbegrenzte Auswahl an physischen Produkten sofort verfĂŒgbar ist. Dieser Trend ist kaum rĂŒckgĂ€ngig zu machen.

8. Weniger Ressourcen bei den OEMs

Die sogenannte 'Outsourcing Dividende' ist dabei zu vertrocknen. Top-Level FĂŒhrungskrĂ€fte bei den OEM-Unternehmen haben nun damit begonnen jedes nur erdenkliche Element im eigenen Unternehmen auszuquetschen - um die Gewinne zu schĂŒtzen.

Abgesehen von der allgemeinen Kostenreduzierung bei Reisen, internen Support-AktivitĂ€ten und sonstige Kosten, haben wir einen noch beunruhigenderen Trend bemerkt: die eigentlichen 'Outsourcer' werden eliminiert. Dies sind die FĂŒhrungskrĂ€fte und Supply Chain Spezialisten, welche den Herstellungsprozess gut genug verstehen, um eine komplexe Cross-Enterprise Supply Lösung zu verwalten.

FOLGEN: Es gibt viel zu wenige Menschen in den meisten OEM Organisationen die ĂŒber 'Stammeswissen' zum Herstellungsprozess verfĂŒgen. Es ist fast niemand mehr da, der die tatsĂ€chlichen Risiken und Kosten versteht, oder den Wert zu schĂ€tzen weiss.

9. EMS versuchen, ihre Einnahmequellen zu diversifizieren

Die EMS-Industrie hat sich aktiv um den Ausbau ihrer Dienstleistungen bemĂŒht, um Serviceleistungen im gesamten Produktlebenszyklus zu bieten; ein Mittel zur Diversifizierung der Einnahmequellen und der Verbesserung der Marge. Trotz eines erheblichen Aufwand seitens der EMS Industrie (im gesamten letzten Jahrzehnt) ist die Akzeptanz fĂŒr diese Life-Cycle-Services nicht besonders hoch. Der wahrscheinlichste Grund ist, dass OEMs sich so an die auf die Rohstoffpreise angepassten PCB & Box-Build Kosten gewöhnt haben. Daher ist man nicht gewillt fĂŒr die tatsĂ€chlichen Kosten dieser Extras zu bezahlen.

FOLGEN: Die BemĂŒhungen der EMS-Industrie, die eigene finanzielle Leistung zu verbessern, funktionieren nicht.

10. Die Weltmarkt ist nicht wie erwartet

Der Gewinn der weltweiten Nachfrage ist eine potentielle Möglichkeit fĂŒr fast jede Art von GeschĂ€ft; Elektronik ist da keine Ausnahme. Da die Nachfrage in der entwickelten Welt - aufgrund des anhaltenden Katers aus jahrelangem Mehrverbrauch sowohl auf öffentlicher als auch privater Ebene - aufgeweicht ist, sind die sogenannten Emerging Markets in aller Augen zu den neuen HoffnungstrĂ€gern fĂŒr Wachstum geworden.

Doch die Nachfrage nach OEM-Produkte in den aufstrebenden MĂ€rkten erfordert in den meisten FĂ€llen eine Mittelschicht - welche bereit und auch in der Lage ist - Geld fĂŒr Importe auszugeben. Die Herstellung eines Produktes in einem der aufstrebenden MĂ€rkte ist noch lange keine Garantie dafĂŒr, das regionale KĂ€ufer fĂŒr dieses Produkt auf magische Weise erscheinen. Im Gegensatz zu dem, was viele OEMs geglaubt.
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2019.01.17 14:20 V11.11.0-2