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© beisea dreamstime.com Elektronikproduktion | 12 November 2012

Produktvielfalt hat sich in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt

Der zunehmende Wettbewerb und die starke Expansion in globale M√§rkte haben dazu gef√ľhrt, dass sich die Produktvielfalt in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt hat.
Komplexit√§tsmanagement ist daher ein wichtiger Erfolgsfaktor, denn Firmen m√ľssen ihre Produktions- und Vertriebskosten senken, um wettbewerbsf√§hig zu bleiben. Eine Vorreiterrolle haben hier die Automobil- und die Konsumg√ľterindustrie.

Beide Branchen konnten den Komplexit√§tszuwachs bei Produkten und Komponenten durch intelligente Strategien deutlich begrenzen. Schlechter aufgestellt sind hingegen die Maschinenbau-, Chemie- und Pharmaindustrie. Denn hier haben die Produktvielfalt und die Komplexit√§t bei Produktion und Vertrieb in den letzten 15 Jahren stark zugenommen ‚Äď in der Chemieindustrie sogar um 213 Prozent.

Das Einsparpotenzial ist hier sehr groß: Durch ein gezieltes Komplexitätsmanagement könnte die weltweite Chemiebranche ihre Produktkosten um bis zu 49 Milliarden Euro jährlich reduzieren. Maschinenbau-Unternehmen könnten weltweit bis zu 54 Milliarden Euro einsparen, die Pharma-Industrie bis zu 9 Milliarden Euro. Das sind die Ergebnisse der Studie "Mastering product complexity" von Roland Berger Strategy Consultants.

"Die Kundenw√ľnsche sind immer differenzierter, die Produktlebenszyklen immer k√ľrzer", sagt Thomas Kwasniok, Partner von Roland Berger Strategy Consultants. "Das f√ľhrt zu einer immer gr√∂√üeren Produktvielfalt in verschiedenen Branchen, die die Unternehmen kaum noch bew√§ltigen k√∂nnen. Firmen, die ihre Produktionskosten in Grenzen halten und somit wettbewerbsf√§hig bleiben wollen, m√ľssen daher auf ein gezieltes Komplexit√§tsmanagement achten."

Komplexität bedroht Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen

√úber alle Branchen hat sich die Produktvielfalt in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt. Im gleichen Zeitraum hat sich der Produktlebenszyklus um 24 Prozent verk√ľrzt ‚Äď im Konsumg√ľterbereich hat er sich sogar halbiert. Doch mit diesen Produktionsherausforderungen gehen die verschiedenen Industriesektoren unterschiedlich um.

"Branchen wie die Automobil- und Konsumg√ľterindustrie haben in den vergangenen Jahren bereits viel unternommen, um der zunehmenden Komplexit√§t aktiv entgegenzusteuern", erl√§utert Steffen Kilimann, Roland Berger-Experte und Co-Autor der Studie. "Dank Standardisierung und Modularisierung haben sie es zum Beispiel geschafft, den Zuwachs bei Rohmaterialien und Komponenten einzuschr√§nken: auf 27 Prozent der Automobilsektor und auf 35 Prozent die Konsumg√ľterindustrie."

Immer wichtiger wird auch das Bestandsmanagement. Denn aufgrund der immer k√ľrzeren Produktlebenszyklen ist es f√ľr die Firmen schwierig, die richtigen Best√§nde in der Lieferkette vorzuhalten, um schnell und p√ľnktlich liefern zu k√∂nnen. Hinzu kommt, dass die Kundenanforderungen zunehmend differenzierter werden: "Unternehmen bedienen unterschiedliche Marktsegmente und verschiedene L√§nder", erl√§utert Thomas Kwasniok.

"F√ľr sie wird es daher immer schwieriger, den Absatz f√ľr bestimmte Produkte zu prognostizieren und die Lieferkette entsprechend zu planen. Denn je fragmentierter das Produktportfolio, desto kleiner die Absatzmengen und desto h√∂her die Nachfrageschwankungen."

Großer Nachholbedarf in Chemie, Pharma und Maschinenbau

Nicht alle Industriesektoren haben sich gegen die zunehmende Produktions- und Vertriebskomplexit√§t auf globaler Ebene entsprechend ger√ľstet. So hat die Produktvielfalt in manchen Branchen in den vergangenen 15 Jahren stark zugelegt, wie etwa in der chemische Industrie (+213%), im Maschinenbau (+116%) und in der Pharmaindustrie (+123%).

"Der starke Komplexit√§tszuwachs in der chemischen Industrie ist vor allem darauf zur√ľckzuf√ľhren, dass die Produktdifferenzierung hier viel sp√§ter als in anderen Branchen eingesetzt hat", erkl√§rt Roland Berger-Stratege Kwasniok. "Chemische Unternehmen haben in den letzten Jahren ihre Wertsch√∂pfung erh√∂ht und sich st√§rker in Richtung Endkundenindustrie integriert. Das bringt eine gr√∂√üere Produktvielfalt mit sich."

Ein entsprechendes Komplexit√§tsmanagement w√ľrde daher in der weltweiten Chemiebranche zu erheblichen Wettbewerbsvorteilen f√ľhren. Denn laut Berechnungen der Roland Berger-Experten k√∂nnte die Branche j√§hrlich bis 49 Milliarden Euro an Produktkosten sparen. Der internationale Maschinenbau k√∂nnte seine Produktions- und Materialkosten j√§hrlich um bis zu 54 Milliarden Euro senken, die Pharma-Industrie um bis zu 9 Milliarden Euro.

Vier Ansätze, um die Komplexität zu meistern

Um diese Vielfalt besser zu steuern und Kosten zu sparen, können Firmen auf vier Hebel setzen: die Optimierung der Produktstruktur, die Segmentierung der Lieferkette, die Integration der Lieferkette, und die Flexibilisierung der Produktion.

Optimierung der Produktstruktur: Durch Standardisierung und Modularisierung können Unternehmen mit weniger Teilen eine hohe Produktvielfalt erzeugen. Dadurch können sie ihre Prozesse verschlanken und Kosten in Einkauf und Produktion senken. Außerdem können Firmen die Herstellung unterschiedlicher Produkte an das Ende des Fertigungsprozesses verschieben sowie auftragsorientierte Montage- und Verpackungsprozesse realisieren.

Segmentierung der Lieferkette: Um verschiedene Marktsegmente zu beliefern, m√ľssen Unternehmen auch ihre Lieferkette unterschiedlich aufbauen. So brauchen zum Beispiel Konsumg√ľterhersteller f√ľr Nischenprodukte und neu eingef√ľhrte Produkte eine flexiblere Lieferkette, um auf die Marktnachfrage besser reagieren zu k√∂nnen.

Integration der Lieferkette: Nicht nur interne Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen, sondern auch externe Partner sollten in den Informationsfluss besser eingebunden werden. Denn so werden globale Produktions- und Vertriebsprozesse schneller und effizienter. Zur Integration der Lieferkette gehören auch die Integration globaler IT-Systeme, der Aufbau einheitlicher KPI-Systeme und Anreizsysteme.

Flexibilisierung der Produktion: Mit zunehmender Produktvielfalt sollten Unternehmen ihre Produktion segmentieren und flexible Fertigungsbereiche einf√ľhren. Ebenfalls sollten sie die Durchlaufzeiten in Auftragsabwicklung und Produktion verk√ľrzen, um schneller auf √Ąnderungen in der Nachfrage reagieren zu k√∂nnen.
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