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RoHS | 27 November 2006

Kunststoffe aus Elektro-/ Elektronikschrott wirtschaftlich recyceln

Im Elektro-/Elektronikschrott sind verschiedene Kunststoffe sowie St√∂r- und Schadstoffe enthalten. Das Fraunhofer-Institut f√ľr Verfahrenstechnik und Verpackung IVV in Freising hat einen Prozess entwickelt, mit dem sich diese Kunststoffe recyceln lassen und dabei gleichzeitig sch√§dliche Stoffe wie Flammschutzadditive entfernt werden k√∂nnen.
Mit dem Verfahren k√∂nnen erstmalig selbst stark schadstoffbelastete und verschmutzte Kunststoffe aus Elektro(nik)abf√§llen recycelt werden. Die mit dem CreaSolv¬ģ-Prozess gewonnenen Rezyklate sind mit Neuware vergleichbar. Der CreaSolv¬ģ-Prozesses ist ein l√∂semittelbasiertes Kunststoff-Recyclingverfahren. Es basiert auf der selektiven Extraktion des Zielpolymers, gefolgt von einem Reinigungsschritt. Die Experten von WRAP, einem Projekt der englischen Regierung, haben in ihrem aktuellen Zwischenbericht den Fraunhofer-Recyclingprozess als effizient und wirtschaftlich bewertet. WRAP steht f√ľr Waste Resources Action Programme und ein nachhaltiges Wirtschaften. WRAP m√∂chte kommerziell realisierbare Wege zum Entfernen bromierter Flammschutzmittel in Kunststoffen aus Elektroaltger√§ten forcieren. Ein geschlossener Materialkreislauf ist das Ziel: Recycelte Kunststoffe wieder zur Herstellung von neuen Elektro(nik)ger√§ten einzusetzen.
Der CreaSolv¬ģ-Prozesses ist auch in der Lage, die stark verschmutzten Mischkunststoffe, wie sie nach der Metallr√ľckgewinnung aus Elektro(nik)abf√§llen in gro√üen Mengen als Shredderleichtfraktion anfallen, zu recyceln. Das Fraunhofer IVV hat dies in einem gemeinsamen Projekt mit KERP Kompetenzzentrum Elektronik & Umwelt GmbH aus √Ėsterreich nachgewiesen. Allein in Deutschland fallen davon j√§hrlich einige 100.000 t an, die bisher nicht recycelt werden konnten.
Die europ√§ische Elektro- und Elektronikschrott-Richtlinie (WEEE) legt Verwertungsquoten von 75 % fest. Mit den bestehenden Metall-Recycling-Verfahren werden diese bei weitem nicht erreicht. Allein in Deutschland werden j√§hrlich ca. 2 Mio Tonnen Elektronikschrott erfasst. Davon bestehen 400 000 Tonnen aus verschiedenen Kunststoffmaterialien. Nur 59 000 Tonnen Kunststoff wurden in 2004 aus der Wertstoffsammlung Elektro-/Elektronikschrott der √∂ffentlich-rechtlichen Entsorgungstr√§ger erfasst. Lediglich 5 000 Tonnen wurden davon verwertet und 54 000 Tonnen beseitigt. Die gr√∂√üten Schwierigkeiten beim Elektronikschrott-Recycling liegen darin begr√ľndet, dass eine Vielfalt von Kunststoffen zusammen kommen, die zus√§tzlich mit St√∂rstoffen kontaminiert sind. Neben Schwermetallen spielen hier Flammschutzmittel eine entscheidende Rolle. Die meisten Flammschutzmittel bestehen aus bromierten chemischen Verbindungen, die aus dem zu recycelnden Material herausgel√∂st werden m√ľssen, da es sonst nicht wieder verwendet werden kann. Hinzu kommen F√ľllstoffe, Stabilisatoren und Farbmittel, die beim Herstellen der Ger√§te hilfreich sind, f√ľr das Recycling jedoch ein Problem darstellen k√∂nnen. Der patent- und markenrechtlich gesch√ľtzte CreaSolv¬ģ-Prozess erreicht eine Reinigungsleistung von 99 %. Entwickelt wurde er vom Fraunhofer IVV in Zusammenarbeit mit der CreaCycle GmbH in Grevenbroich.
Auf Basis des CreaSolv¬ģ-Prozesses soll im Jahre 2007 in Freising eine Demonstrationsanlage mit einer j√§hrlichen Recyclingkapazit√§t von 500 Tonnen errichtet werden. Danach kann die erste industrielle Produktionsanlage anlaufen und das gro√üe Wertstoffpotenzial, welches im Elektro(nik)schrott steckt, erschlossen werden.
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