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Elektronikproduktion | 20 Juli 2012

Fehlstrategien kosten Millionen jährlich

Fehlstrategien in Entwicklungs- und Schwellenländern können deutsche Unternehmen mehrere hundert Millionen Dollar jährlich kosten.
Wichtige Faktoren wie Marktprotektionismus und Ressourcenzugang beeinflussen vier Zukunftsszenarien Entwicklungs- und Schwellenl√§nder bieten Unternehmen gro√ües Wachstumspotenzial. Denn diese L√§nder planen in den kommenden 20 Jahren Investitionen in H√∂he von 30 Billionen Dollar, um ihren B-to-B- und B-to-C-Sektor auszubauen. Damit steigen auch die Gesch√§ftschancen f√ľr ausl√§ndische Investoren. Allerdings wird eine verl√§ssliche Langzeitplanung auf den aufstrebenden M√§rkten aufgrund politischer und wirtschaftlicher Instabilit√§t immer schwieriger. Um Fehlinvestitionen zu vermeiden, die deutsche Unternehmen mehrere hundert Millionen Dollar j√§hrlich kosten k√∂nnten, sollten daher Firmen ihre Gesch√§ftsstrategien in den jeweiligen M√§rkten mithilfe von Szenarien planen. Dabei sollten relevante Faktoren wie etwa Marktprotektionismus und Ressourcenzugang einbezogen werden, heisst es in den Empfehlungen von Roland Berger Strategy Consultants. "In den n√§chsten 20 Jahren planen die Entwicklungs- und Schwellenl√§nder ein Investitionsvolumen von rund 30 Billionen Dollar im B-to-B- und B-to-C-Bereich", sagt Bernd Brunke, Partner und Mitglied der weltweiten Gesch√§ftsf√ľhrung von Roland Berger Strategy Consultants. "Das wird die lokale Wirtschaft dieser L√§nder stark ankurbeln. Um an diesem Potenzial partizipieren zu k√∂nnen, m√ľssen ausl√§ndische Unternehmen aber die wichtigsten Trends auf diesen M√§rkten erkennen und in eine passende Strategie umsetzen." Volatilit√§t der M√§rkte als gro√üe Gefahr Die k√ľnftige Entwicklung der aufstrebenden M√§rkte abzusch√§tzen, ist jedoch schwierig. Denn verschiedene Faktoren beeinflussen ihre wirtschaftliche Lage ‚Äď von der Entwicklung der Finanzm√§rkte √ľber die schwankenden Rohstoffpreise bis hin zu politischen Aspekten. So bewegte sich der Shanghaier Aktienindex in den vergangenen f√ľnf Jahren zwischen 1.500 und 6.000 Punkten. Im gleichen Zeitraum schwankte der √Ėlpreis um 250 Prozent ‚Äď von 40 bis 140 Dollar pro Barrel. Auch variierte der Aluminiumpreis zwischen 1.400 und 3.300 Dollar pro Tonne. "Solche Schwankungen wirken sich enorm auf die Produktion und auf die Rentabilit√§t vieler Unternehmen aus. Steigen Rohstoffpreise √ľberm√§√üig, kann die Wettbewerbsf√§higkeit einer Firma schnell gef√§hrdet sein", warnt Roland Berger-Stratege Brunke. Auch politische Schwankungen f√ľhren nicht selten zu wichtigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbr√ľchen ‚Äď wie etwa beim Arabischen Fr√ľhling im Januar 2011. Ausl√§ndische Investoren sind √ľber die Folgen solcher politischer Ver√§nderungen unsicher. Denn das Gesch√§ftsvolumen ausl√§ndischer Firmen im Nahen Osten bel√§uft sich auf 15 Milliarden Dollar pro Jahr. "Investoren sind da sehr vorsichtig, denn sie f√ľrchten hohe Verluste, wenn die politische Lage instabil ist", erl√§utert Bernd Brunke. Vier Zukunftsszenarien, um Gefahren vorzubeugen Um diesen potenziellen Risiken besser entgegenzuwirken, hat Roland Berger Strategy Consultants in Zusammenarbeit mit HHL Leipzig Graduate School of Management eine Szenario-Methodik entwickelt, die Firmen hilft, wichtige Trends fr√ľhzeitig zu erkennen. Relevante Einflussfaktoren wie z.B. Marktprotektionismus oder der Zugang zu wichtigen Rohstoffen werden analysiert, um dann verschiedene Zukunftsszenarien f√ľr die einzelnen Regionen zu erarbeiten. Am Beispiel der verarbeitenden Industrie identifizieren die Roland Berger-Experten vier m√∂gliche Szenarien. "Das antagonistische Zeitalter" Dieses Szenario zeichnet sich durch einen hohen Grad an Protektionismus und niedrigen Ressourceneinsatz aus. Rohstoffreiche L√§nder entwickeln vor allem neue Produktionstechnologien, w√§hrend rohstoffarme L√§nder an alternativen Materialien arbeiten und einen Know How-Vorsprung erzielen. Hohe Protektionsschranken erschweren jedoch den Marktzugang f√ľr europ√§ische High Tech-Firmen in den Schwellenl√§ndern. "Die polarisierte Welt " Hier herrscht starker Protektionismus, um nationale Interessen zu verteidigen. Der Ressourceneinsatz ist hoch; davon profitieren besonders rohstoffreiche Regionen, die √ľber einen gro√üen Binnenmarkt und zukunftstr√§chtige Technologien verf√ľgen. Bei diesem Szenario sind L√§nder wie Nordamerika, China, Indien, Russland, Brasilien, Australien und der Nahe Osten im Vorteil. Rohstoffarme Regionen wie Westeuropa und Japan sind hingegen die Verlierer, da ein freier Rohstoffhandel und der Ausbau von Produktionskapazit√§ten kaum m√∂glich sind. "Die Verschwendungsgesellschaft" Dieses Szenario zeichnet sich durch geringen Protektionismus und hohen Ressourceneinsatz aus. Der Innovationsprozess folgt hier dem umgekehrten Weg wie sonst √ľblich (reverse innovation): Neue Produkte werden zun√§chst in den Schwellenl√§ndern entwickelt und dann auf die Bed√ľrfnisse der entwickelten Volkswirtschaften angepasst und dorthin exportiert. "Der gr√ľne Kapitalismus" Entwickelte √Ėkonomien setzen auf eine Umgebung, die wenige protektionistische Barrieren kennt, und f√∂rdern somit frische Investitionen und Know-How-Transfer. Der Markt f√ľr erneuerbare Energien und alternative Mobilit√§t erlebt Hochkonjunktur; westliche L√§nder k√∂nnen ihre gr√ľnen Technologien in die Schwellenl√§nder exportieren. Bei diesem Szenario sind Westeuropa, Nordamerika, Japan, Brasilien, Indien und China im Vorteil. Benachteiligt sind vor allem L√§nder aus dem Nahen Osten, deren Wirtschaft auf dem Export fossiler Brennstoffe basiert. ----- Quelle: Roland Berger Strategy Consultants
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