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© rawpixelimages dreamstime.com Markt | 24 April 2015

Deutscher Mittelstand vor Generationswechsel

Dem deutschen Mittelstand steht ein erheblicher Generationswechsel bevor. Gut ein Drittel der Inhaber mittelstÀndischer Firmen ist 55 Jahre oder Àlter.
Mit dem NĂ€herrĂŒcken des Ruhestandsalters stellt sich die Frage nach dem Fortbestand des Unternehmens. Wie KfW Research auf Basis des reprĂ€sentativen KfW-Mittelstandspanels jetzt erstmalig ermittelte, planen bis zum Jahr 2017 die Chefs von rund 580'000 mittelstĂ€ndischen Firmen die Übergabe oder den Verkauf an einen Nachfolger. Das ist jeder sechste MittelstĂ€ndler in Deutschland. Etwa 4 Millionen ArbeitsplĂ€tze hĂ€ngen vom Gelingen dieser Unternehmensnachfolgen ab.

Bei den Nachfolgeplanungen besteht eine leichte PrĂ€ferenz fĂŒr familieninterne Lösungen. Laut KfW Research wollen derzeit neun Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen die Nachfolge innerhalb der Familie organisieren, sieben Prozent der AlteigentĂŒmer suchen extern. Hier kommen etwa ein Verkauf an einen Mitarbeiter, ein anderes Unternehmen oder einen Finanzinvestor in Frage. Betroffen vom anstehenden Generationswechsel sind alle Segmente der mittelstĂ€ndischen Wirtschaft. Besonders hĂ€ufig bestehen ÜbergabeplĂ€ne im Sonstigen Verarbeitenden Gewerbe – das sind z. B. Unternehmen des ErnĂ€hrungs- oder Holzgewerbes sowie Hersteller von Metallerzeugnissen.

© Förderbank KfW
Nachfolgeplanungen dĂŒrften auch in Zukunft ein Top-Thema in den Chefetagen des Mittelstands bleiben, denn dort kommt der demografische Wandel im Zeitraffer an. Seit 2002 ist der Anteil der ĂŒber 55-JĂ€hrigen Unternehmensinhaber um 16 Prozentpunkte auf 36 Prozent gestiegen, in der Gesamtbevölkerung legte diese Altersgruppe um nur vier Prozentpunkte auf 38 Prozent zu.

Das steigende Inhaberalter kommt allerdings nicht erst zum Zeitpunkt der Nachfolgeplanung zum Tragen. Bereits Jahre zuvor hat der Alterungsprozess erhebliche Folgen: Laut KfW-Analyse ziehen sich Unternehmenschefs mit steigendem Alter sowohl aus Investitionen als auch aus InnovationstĂ€tigkeit zurĂŒck. Von den ĂŒber 60-jĂ€hrigen investieren nur noch 37 Prozent, lediglich 38 Prozent fĂŒhren Innovationen ein. Zum Vergleich: Bei den unter 40-jĂ€hrigen Unternehmenschefs liegt der Anteil bei 57 Prozent bzw. 46 Prozent.

Der RĂŒckzug aus Investitionen und Innovationen verstĂ€rkt sich, wenn kein geeigneter oder interessierter interner Nachfolger bereit steht. Die Unternehmen werden nicht weiterentwickelt, die WettbewerbsfĂ€higkeit leidet – der Wert des Unternehmens und seine Chancen, erfolgreich am Markt zu bleiben, sinken. Bei familieninternen Übergabeplanungen fĂ€llt das Investitionsverhalten hingegen merklich engagierter aus.

„Der demografische Wandel wird die WettbewerbsfĂ€higkeit des deutschen Mittelstands mittelfristig stark beeinflussen, denn er bremst sowohl Investitionen als auch Innovationen“, sagt Dr. Jörg Zeuner. „Wir mĂŒssen jetzt gegensteuern und Anreize setzen, um langfristige Folgen abzufedern!“ Eine Möglichkeit sei, die Investitionsbereitschaft Ă€lterer Unternehmer zu stimulieren, z. B. indem sie an der Rendite von Investitionen auch nach dem Eintritt in den Ruhestand beteiligt werden. „GrundsĂ€tzlich wichtig ist es, dass ein Unternehmer seine Nachfolge frĂŒhzeitig regelt. Besonders bei externen Nachfolgern sehen wir aber einen kritischen Engpass. Deutschland fehlt der Unternehmernachwuchs. Eine stĂ€rkere Vermittlung von ökonomischer Bildung und Unternehmerkompetenzen wĂ€ren ein wesentlicher Baustein. Auch der Weg zur GrĂŒndung muss weiter erleichtert werden, damit wir das vorhandene Potenzial mobilisieren.“ so Zeuner weiter.
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2018.12.12 22:05 V11.10.12-2