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Leiterplatten | 02 März 2009

AT&S sieht sich der Krise gut gewachsen

evertiq sprach mit Dr. Ernst Strasser, Director Sales & Marketing, und Hans Lang, Head of Investor Relations & Communication für den österreichischen Leiterplattenhersteller AT&S. Das Unternehmen sieht sich – trotz der gegenwärtigen Krise – gut und vor allem solide aufgestellt.
Wie sehen Sie die Situation der europäischen Leiterplattenindustrie und deren Entwicklung in den nächsten Jahren?
Dr. Strasser: Man muss sagen, dass die gesamte – im speziellen auch die europäische – Leiterplattenindustrie seit 4Q/2008 einen der stärksten Rückgänge seit dem Jahr 2000 hinnehmen musste. Besonders stark betroffen sind hier natürlich die Segmente Automotive und Industrie, in denen die europäische Leiterplattenindustrie traditionell sehr stark vertreten ist.

Wir gehen davon aus, dass die Umsatzrückgänge im weltweiten Gesamtmarkt in diesem Jahr sich mit rund 16% niederschlagen werden. Für die europäische Leiterplattenindustrie gehen wir von einem Rückgang von 18% - 19% aus. Zum einen, weil die zwei wichtigsten Segmente – Automotive und Industrie – sehr stark von dieser Krise betroffen sind. Zum anderen, weil es zu einer weiteren Verlagerung von Standardtechnologien von Europa nach Asienkommen wird. . Dies alles macht der europäischen Leiterplattenindustrie momentan sehr zu schaffen. Was in Europa verbleiben wird, sind die technologisch anspruchsvolleren Produkte sowie Kleinserien, Prototypen und schnelle Produktion.

Wann wird sich diese schwierige Marktsituation wieder entspannen und die europäische Leiterplattenindustrie auf ein Wachstumsniveau zurückfinden?
Dr. Strasser: Dies ist natürlich die entscheindende Frage. Wir gehen davon aus, dass wir im Jahr 2010 global wieder mit einem positiven Wachstum in der Leiterplattenindustrie rechnen können. Wir reden hier von einem Wachstum im niedrigen, einstelligen Bereich – etwa 4%. Die wirkliche Erholung im Markt sehen wir jedoch erst im Jahr 2011 – wo man dann auch wieder mit höheren Wachstumsraten rechnen kann.

Wie verteilen sich die einzelnen Segmente bei AT&S?
Dr. Strasser: Der Branchen-Mix stellt sich bei AT&S wie folgt dar: Mobile Devices mit 64%, Industrie-Applikationen mit 22%, Automotive mit 10% und Sonstige mit 4%

Viele große Namen in der Leiterplattenindustrie haben in den letzten Wochen Insolvenz anmelden müssen. Wie stark ist AT&S von der Krise betroffen?
Dr. Strasser: Wir sehen die gegenwärtige Situation eher als Chance, denn durch die Marktbereiningung ergeben sich zusätzliche Möglichkeiten für uns. Die Marktkonsolidierung, welche auch in der Vergangenheit bei diesem stark fragmentierten Markt zu sehen war, wird sich durch die gegenwärtige Wirtschaftskrise noch beschleunigen. Einige Mitbewerber der AT&S – Unternehmen, die in der Vergangenheit in einem guten Marktumfeld auch schon mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatten – stehen in der gegenwärtigen Situation sehr stark unter Druck. Gesunde und gut aufgestellte Unternehmen wie AT&S, die diese schwierigen Zeiten meistern, für die hat diese Konsolidierung nachhaltig positive Effekte wie etwa Marktanteilsgewinne.

Meldungen über Insolvenzen in der Leiterplattenbranche lösen momentan bei vielen Kunden starke Verunsicherung aus. Die Bonität der Zulieferer gewinnt erheblich an Bedeutung. Einzelne Kunden überdenken nun ihre Projektstrategien und treten mit Projekten oder Volumenspaketen an andere Leiterplattenunternehmen heran – so auch an die AT&S. Der Verdrängungswettbewerb, welcher in Europa immer schon sehr stark war, wird nun noch intensiviert. AT&S präsentiert sich diesen Kunden als solider Partner. Das Unternehmen hat eine starke finanzielle Basis und ist sehr stabil aufgestellt. Dies wird auch bei unseren Quartalsberichten deutlich.

Sind bei AT&S in den letzten Wochen auch Aufträge storniert und/oder verschoben worden?
Dr. Strasser: Es gibt natürlich Verschiebungen bei den Aufträgen, da viele Kunden jetzt versuchen Ihre Lagerbestände klein zu halten. Diese Entwicklung kann man eigentlich seit Dezember letzten Jahres verstärkt beobachten. AT&S hat jedoch keine Komplett-Stornierungen von Aufträgen zu verzeichnen.

AT&S hat ja in den österreichischen Standorten Kurzarbeit eingeführt. Zudem gab es auch einige Entlassungen. Wie sieht die Situation im Moment aus?
Dr. Strasser: Man muss hier genau zwischen strategischen und temporären Maßnahmen unterscheiden. Die erfolgte Restrukturierung des Standorts Leoben-Hinterberg war eine strategische Maßnahme, die zeitlich eher zufällig mit dem Beginn der Wirtschaftskrise zusammengefallen ist. Wir produzierten in Leoben-Hinterberg lange Jahre Leiterplatten für Mobiltelefone. Dieses Geschäft ist aber immer stärker nach Asien abgewandert. Aus diesem Grund mussten wir die vorhandenen Kapazitäten – gemessen in produzierter Leiterplatten-Fläche - von 215,000 m² auf 130.000 m² reduzieren. Der Standort ist weiterhin das größte HDI-Werk Europas, Heimstätte unserer Forschung & Entwicklung und mittlerweile auch eines der effizientesten Werke für Kleinserien, Prototypen, Spezialitäten- und schnelles Geschäft in Europa.

Aufgrund der derzeitigen wirtschaftlichen Lage, haben wir am Standort Klagenfurt Kurzarbeit eingeführt. Es ist dies eines von mehreren in Österreich zur Verfügung stehenden Modellen, wie Unternehmen auf temporäre Unterauslastungen reagieren können, um Kosten zu sparen. Wir sind davon überzeugt, dass der Bedarf nach den in Klagenfurt produzierten Leiterplattentechnologien wieder anspringen wird.

Herr Lang: Diese Maßnahmen wurden nur in Österreich umgesetzt. In Shanghai – wo wir mit 3600 Mitarbeitern unser größtes Werk haben – sehen wir traditionell eine sehr starke Mitarbeiterfluktuation. Indem einzelne Stellen derzeit nicht nachbesetzt werden, kann der Mitarbeiterbestand entsprechend anpasst werden.

Sind neue Segmente für AT&S interessant? Wie etwa Medical oder alternative Energiequellen?
Dr. Strasser: Medical gehört bei uns zum Segment Industrial und ist dort ein sehr wesentlicher Bestandteil. In Bezug auf die alternativen Energiequellen verfolgen wir derzeit ein Projekt mit unserem Kooperationspartner Solland Solar im Bereich Photovoltaik. Hier sind wir momentan noch in der Test- und Evaluierungsphase, aber das ist sehr vielversprechend. Hier bieten wir Folien – im Prinzip ähnlich wie große Leiterplatten – für die Solarmodulproduktion an. Auch hier stehen wir kurz vor der Marktreife.

Wie sieht es mit Investitionen für 2009 aus?
Dr. Strasser: Wir werden in diesem Jahr unsere Investitionspläne sehr stark zurücknehmen. Natürlich werden unsere Maschinen und Anlagen auf dem neuesten Stand gehalten, wir werden jedoch erst in die Erweiterung von Kapazitäten investieren, wenn die Kundenbedarfe es verlangen. Da Infrastrukturen, die Gebäude und Anlagen vorhanden sind, können wir schnell auf den Markt schnell reagieren und Zusatzkapazitäten hochfahren.

Herr Lang: Was Investitionen im Allgemeinen betrifft, kann ich die dritte Ausbaustufe unseres Werks in Shanghai nennen. Hier wird im laufenden Quartal eine dritte Produktionslinie für die hochvolumige HDI-Produktion hochgefahren. Dies soll zum Ende unseres Geschäftsjahres Ende März abgeschlossen sein. Darüber hinaus haben wir dort die Möglichkeit, weitere Produktionslinien unterzubringen, sollten wir zusätzliche Kapazitäten brauchen.

Zudem sind wir gerade dabei ein weiteres Werk in Indien zu errichten. Das Gebäude und einzelne Maschinen werden bis Mitte des Kalenderjahres bereit stehen. Die neuen Maschinen können uns beim bereits bestehenden Werk qualitativ und kostenseitig weiterhelfen. Das komplette Ramp-Up des zweiten Werks in Indien wird jedoch erst dann vollzogen, wenn der Markt entsprechende Kapazitäten wieder verlangt.

Möchten Sie noch etwas hinzufügen?
Dr. Strasser: AT&S zeigt sich in der gegenwärtigen schwierigen Marktsituation sehr gut aufgestellt. Trotz der Restrukturierung in Leoben-Hinterberg und Werteberichtigung für unser Werk in Korea konnten wir in den 9-Monats-Zahlen ein positives EBIT verzeichnen. Wenn man die Einmaleffekte herausnimmt, dann waren wir bei €28 Millionen EBIT, das entspricht einer 8% EBIT-Marge. Das unterstreicht die starke operative Performance der AT&S. Verbunden mit einem Eigenkapital von €240 Millionen ergibt sich eine sehr solide Basis, die besonders in dieser Situation von unseren Kunden sehr geschätzt wird.

Herr Lang: AT&S ist ein international agierendes Unternehmen, also nicht nur auf den europäischen Markt beschränkt. Wir sind mit Standorten in Österreich und Asien sehr gut aufgestellt. Und auch die Breite unserer Kundenbereiche ist sehr gut. So zählen 5 der 6 größten Handy-Hersteller zu unseren Kunden; im Automobil-Bereich zählen wir alle großen Zulieferer der Automobil-Branche zu unseren Kunden und im Industrie-Bereich bauen über 500 Unternehmen auf die AT&S. All das zeigt, die Stärke des Unternehmens, unsere nachhaltige Aufstellung und das Vertrauen, das viele Unternehmen – auch globale Großkonzerne in uns setzten.

Vielen Dank für dieses Gespräch.

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