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Elektronikproduktion | 29 März 2007

Siemens-Zentralvorstand wegen Schmiergeldaffäre festgenommen

Die Affäre um dubiose Zahlungen bei Siemens hat mittlerweile eine neue Dimension erreicht. Erstmals wurde mit Johannes Feldmayer ein aktives Zentralvorstands-Mitglied verhaftet. Die Nürnberger Staatsanwaltschaft wirft ihm nach Angaben eines Justizsprechers Untreue vor.
Feldmayer ist im Vorstand unter anderem für die Tochter „IT Solutions and Services“ zuständig. Die Festnahme stehe im Zusammenhang mit der Affäre um die Arbeitnehmervertretung AUB, erklärte ein Siemens-Sprecher. Siemens soll an den Gründer und Chef der "Arbeitsgemeinschaft unabhängiger Betriebsangehöriger" (AUB), Wilhelm Schelsky, rund 15 Millionen ohne nennenswerte Gegenleistung gezahlt haben. Den Beratervertrag mit Schelsky soll Feldmayer im Jahr 2001 für Siemens unterschrieben haben. Die AUB ist im Aufsichtsrat von Siemens vertreten und stellt in einem Bereich den Betriebsratschef. In der Vergangenheit hatte sie umstrittene Pläne der Konzernführung unterstützt. Im Zusammenhang mit der Festnahme gab es auch Durchsuchungen an den Standorten Nürnberg, München und Erlangen gegeben.

Die AUB-Ermittlungen stehen nicht im Zusammenhang mit der Schmiergeldaffäre in der Siemens-Kommunikationssparte Com, für die die Münchner Staatsanwaltschaft zuständig ist.

Wie brisant die Situation für Siemens mittlerweile ist zeigt sich darin, dass von den vier Zentralvorständen Heinz-Joachim Neubürger, Thomas Ganswindt, Johannes Feldmayer und Klaus Kleinfeld, die einst als Nachfolger für den langjährigen Siemens-Chefs Heinrich von Pierer im Gespräch waren, inzwischen drei in Affären verwickelt sind. Neubürger gilt in der Affäre um schwarze Kassen in der Festnetzsparte Com als Beschuldigter, Ganswindt war wegen der Vorfälle zwischenzeitlich in Haft. Nun steht mit Feldmayer der Dritte wegen der Affäre um Schelsky im Visier der Ermittler.

Somit ist es nicht verwunderlich wenn mittlerweile Teile des Aufsichtsrates nach Informationen der "Süddeutsche Zeitung" festlegen wollen, dass der Vorstandsvorsitzende Kleinfeld nicht die volle Vertragssumme bekomme, wenn er vor Ablauf des kürzlich abgeschlossenen Fünf-Jahres-Vertrages ausscheidet. Dies ist als Vorsichtsmaßnahme gedacht, falls Kleinfeld entgegen aller derzeitigen Erkenntnisse doch in den Korruptionsskandal verwickelt sei. Siemens wollte sich dazu bislang nicht äußern.

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