Anzeige
Anzeige
Anzeige
Elektronikproduktion | 22 April 2009

Werden CEOs Helden sein; oder lagen sie einfach nur total falsch?

Soziale Verantwortung eines Unternehmens hat für verschiedene Interessensgruppen auch unterschiedliche Bedeutungen. Da sich die Unternehmen letztendlich nur den Aktionären verantwortlich zeigen müssen – und nicht der Gesellschaft – muss dass Management bei kollidierenden Interessen die Rentabilität bevorzugen. Alles andere muss hinten anstehen.
Diejenigen, die versuchen Manager zu bewegen ‚das Richtige’ zu tun, müssen erste überzeugende Argumente für Gewinne aufstellen. Diese Art von Gesprächen ist immer mit Spekulation und Risiko verbunden – etwas, das nur im Nachhinein überprüft werden kann. Das Problem ist, das für eine Entscheidungs-Analyse nur wenig Motivation vorhanden ist, nachdem diese (Enscheidung) schon längst gefallen ist.

Wenn Manager der großen, weltweiten Unternehmen entscheiden Produktionsstätten in Regionen zu bauen, die als Niedrigkosten angesehen werden, dann gibt es für das Gewinn-Argument in der Elektronikbranche meist zwei Gründe: niedrige Lohnkosten und die Möglichkeit in Schwellenländer Marktanteile zu gewinnen. Die Investitionen decken in der Regel mehr ab als nur die Errichtung einer eigenen Produktionsanlage: Bildung, Infrastruktur und Supply-Chain sind fast immer eingeschlossen. Wenn die Zeiten gut sind und die Weltwirtschaft boomt, dann fügt sich scheinbar eins ins andere.

Aber sind diese Entscheidungen wirklich besser für die Aktionäre und andere lokale Interessensvertreter? War Motorola wirklich ein Gewinner als man sich auf China einschoss – in den späten 80er Jahren? Würde Motorola mit $4,87 pro Aktie gehandelt werden, wenn man nicht so stark in China investiert hätte? Ein Artikel im Fortune Magazine – geschrieben 1996 – ist eine interessante Geschichtsstunde. Selbst damals hatten viele Zweifel an der Obsession des Motorola Geschäftsführer Gavin für China, und ob es rentabel wäre dort Geschäfte zu tätigen:

"Rentiert sich dieses Pokerspiel? Motorolas Umsatz in der VR China und Hongkong haben die Erwartungen übertroffen und sich in zwei Jahren mehr als verdoppelt – auf $3,2 Milliarden im Jahr 1995 (fast 12% der weltweiten Einnahmen des Unternehmens). Das Unternehmen weigert sich jedoch diese Zahlen auf einzelne Produktlinien aufzuspalten, aber Handys haben einen wesentlichen Anteil. Der potentielle Markt für diese Geräte ist enorm - drei Millionen neue Handys pro Jahr bis zum Ende des Jahrzehnts (eine Schätzung der chinesischen Regierung). PY Lai, Leiter der Motorola Geschäfte in China, enthüllt seine Prognosen für zukünftiges Umsatzwachstum mit dem Hinweis auf den Himmel. Tja, aber was ist mit den Gewinnen? Lai macht nur vage Angaben und verurteilt einen Bericht des Wall Street Journal als ‚völlig unzutreffend’. Dieser berichtete letztes Jahr das man mit jedem Handy (welches man in China produziert und verkauft) Verluste macht. Der Preiswettbewerb ist brutal, räumt Lai ein, besteht aber darauf "Wir erzielen in China gute Gewinne."

Und was passiert, wenn die Weltwirtschaft sich verschlechtert und Anlagen geschlossen werden, z.B. Intels jüngste Entscheidung die Anlagen in den Philippinen und in Malaysia zu schließen? Es entstehen Kosten für die lokale Wirtschaft und für die Arbeitnehmer, welche sich Arbeitsplätze aus- und weiterbilden, die dann verschwinden. Wie sehen die langfristigen Auswirkungen auf die Umwelt in der Region und auf die Stabilität der Regierung aus? Sicherlich sollte die soziale Verantwortung der Unternehmen auch eine Analyse über die Auswirkungen beinhalten, wenn man plötzlich den Stecker zieht.

Anarchokapitalismus wurde früher als Grundlage einer neuen Ära des globalen Wohlstandes angesehen. Nun, da diese Kräfte schwinden, greifen Regierungen mit der Einführung und Durchsetzung von Regeln und anderen Mechanismen ein – um den entstandenen Schaden zu beheben. Die Frage ist, ob sie die Kontrolle über die Weltwirtschaft den multi-nationalen Konzernen entreißen sollten (oder dies überhaupt können). Wird diese rechtmäßige und notwendige Neuausrichtung auf nationale Interessen zu Protektionismus oder einer neuen Art von Kapitalismus führen?

Die Gründerväter warnte davor, sich zu sehr auf internationale Expansion einzulassen; die römische Republik – argumentierten sie – wurde nicht durch die Westgoten gestürzt, sondern durch die eigenen Generäle, welche zu viel Macht bei der Errichtung des Römischen Imperiums gewonnen hatten. Nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg, wurde das US-amerikanische Empire über die ‚Dollar-Diplomatie’ errichtet. CEOs von multi-nationalen Unternehmen könnte man mit den römischen Generälen vergleichen. Ihre übermäßige Macht kann die Republik so sicher stürzen, wie eben auch die römischen Kaiser.

Werden die Historiker der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts auf den letzten 40 Jahren in der Elektronikindustrie zurückblicken und den dramatischsten Transfer von Reichtum und geistigem Eigentum in der Geschichte der Menschheit sehen? Werden die Führungskräfte der multi-nationalen Konzerne als Helden dastehen oder haben sie einfach nur total falsch entschieden?

Autor: Jennifer Read (Charlie Barnhart & Associates, LLC)

Kommentare

Kritische Kommentare sind erlaubt und auch erwünscht. Diskussionen sind willkommen. Beschimpfungen, Beleidigungen und rassistische / homophobe und verletzende Äusserungen sind nicht erlaubt und werden entfernt.
Weiterführende Erläuterungen finden Sie hier.
Anzeige
Anzeige
Weitere Nachrichten
2017.10.16 14:56 V8.8.6-2