Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Elektronikproduktion | 25 März 2009

Russland fällt von der Electronics Manufacturing Karte

<em>ausführlicheres Update</em>: Was einst als ein viel versprechender aufstrebender Markt mit massivem Wachstumspotenzial für das weltweite EMS-Geschäft angesehen wurde, muss sich nun mit der Einstellung neuer Investitionen, der Schließung von bereits vorhandenen Einrichtungen und mit Verzögerungen beim Bau von neuen Einrichtungen auseinandersetzen, erklärte iSuppli.
"Anfang 2008 wurde Russland als aufstrebende Region für die Auftragsherstellung angesehen – als ein wichtiges Mitglied der schnell wachsenden Wirtschaftssysteme Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC)", erklärte Adam Pick, Principal Analyst für EMS / ODM bei iSuppli. "Das Interesse an möglichen Marktchancen für die Elektronik-Hersteller in Russland unter den iSuppli Kunden in den Bereichen OEM, EMS, ODM, Zulieferer- und auch im Finanzsektor war sehr groß. Mit der gegenwärtigen Rezession und der Finanzkrise hat es jedoch den Anschein, dass die meisten das Interesse an der Erschließung des russischen Marktes verloren haben. Auch die geschichtliche Evolution von Elektronikherstellern in Russland wird von mehreren Problemen geplagt."

Russisch Roulette für EMS-Dienstleister
Eine schnelle Überprüfung der strategischen und taktischen Entscheidungen von führenden EMS-Dienstleistern zeigt, dass eine Geschäftstätigkeit in Russland im Moment vielleicht nicht die beste Idee ist. Z.B. Elcoteq – einer der ersten Dienstleister in Russland – hat eine sehr schwierige Zeit seit der Eröffnung seiner Anlage in St. Petersburg im Jahr 2004. Als Ergebnis dieser fehlerhaften Regionalstrategie – war die St. Petersburg Anlage nie ein großer Erfolg. Während seiner kurzen Existenz, wurde die Anlage in St. Petersburg bereits zweimal zum Verkauf angeboten. Und am 15. Januar diesen Jahres verkündete das Elcoteq-Management, dass die Anlage als Teil der Umstrukturierungsbemühungen geschlossen werde.

Darüber hinaus hat Flextronics zu mehreren Gelegenheiten öffentlich signalisiert, dass man den weltweiten Foot-Print auf Russland ausweiten wolle. Anfang 2008 hatte sich dann Flextronics in einer Vereinbarung mit Elcoteq zum Kauf der Einrichtung in St. Petersburg entschlossen. Kurz darauf entschloss man sich jedoch diesen Plan aufzugeben und Elcoteq etwa 1 Million US $ zu zahlen, um aus dem Vertrag entlassen zu werden. iSuppli ist der Ansicht, das Import / Export-Zölle auf Komponenten und Systemen für die Produktion von LCD-Fernsehern diese Entscheidung beeinflusst haben.

Schließlich hatten Foxconn und Hewlett-Packard im August 2007 angekündigt ein $50 Millionen Joint Venture in St. Petersburg zur Herstellung von PCs zu gründen. Die Anlage sollte bis zu 40.000 Computer pro Monat produzieren. Obwohl Foxconn im Mai 2008 mit dem Bau der Anlage begann, hat sich die Inbetriebnahme immer wieder verzögert. Dies soll zum Ende dieses Jahres geschehen.

Wirtschaft, Handel, Vertrieb und staatliche Hemmschwellen
iSuppli-Experten und Branchen-Insidern sehen mehrere Faktoren, auf welche die schlechte Stimmung in Bezug auf Russland zurückzuführen ist. Eins davon sind die inhärenten Probleme in der russischen Wirtschaft. Der Markt ist ein einziges Durcheinander, mit einer Vielzahl von sozialen und politischen Fragen – und in Verbindung mit sinkenden Ölpreisen. Die russische Wirtschaft scheint wenig Potential für ein starkes Wachstum zu versprechen.

Aus operativer Sicht, wird Russland auch durch Zölle und Mehrwertsteuern zurückgehalten, welche sich negativ auf die Gesamtkosten (einschließlich Ausladen und Zoll) in Russland und für den Export auswirken. Zudem ist die russische Regierung dafür bekannt, politischen Programme und Rechtsvorschriften zu ändern, was wiederum unsichere wirtschaftlichen Rahmenbedingungen heraufbeschwört.

"Es gibt mehrere spezifische Herausforderungen auf dem russischen Markt – für unser Unternehmen und auch andere", stellte der Geschäftsführer ‚Vertrieb’ für einen nordamerikanischen Halbleiter-Lieferanten fest, der für die Region verantwortlich ist. "Komponenten in diese Region zu bringen ist ein aufreibender Prozess – mit Zöllen und Verzögerungen von bis zu vier Wochen. Regierungspolitik ist ständig im Wandel begriffen."

Zudem fehlt in Russland ein effektives Distributionsnetz – für den Transport von Komponenten – sobald Halbleiter, Module und Baugruppen in der Region eingetroffen sind. Dies hatte zur Folge, dass einige Elcoteq-Lieferanten die Teile nach Finnland anstatt nach St. Petersburg schickten, um diesen Prozess zu vereinfachen.

Außerdem ist geschäftlicher Erfolg in Russland oft ehr durch Verbindungen als durch Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen. „Die Geschäftstätigkeit in dieser Region hängt immer noch sehr davon ab die richtigen Leute zu kennen – zu einem gewissen Grad", erklärt Greg Sheppard, Chief Development Officer bei iSuppli.

Keine Halbleiter-Fertigung
Ein weiterer Faktor, welcher das Wachstum der russischen Industrie für Vertragshersteller behindert, ist der Mangel an heimisch produzierten Halbleitern, was zur vermehrten Nutzung von Auftragsherstellern in der Region führen könnte. "Es gibt einfach Produktion von Halbleitern in Russland – mit Ausnahme von staatlich subventionierten Projekten wie Mikron (auf den Industriezweig Verteidigung ausgerichtet)", erklärte Len Jelinek, Chief Analyst, Semiconductor Manufacturing, für iSuppli.

Fälschungen, Kriminalität und Sicherheit

Eine weitere Herausforderung in Russland sind die erheblichen Auswirkungen von gefälschten Produkten in der Elektronik-Lieferkette. Speziell im Bereich Konsumer-Elektronik wurde berichtet, dass bis zu 80% der DVDs in Russland über den Schwarzmarkt bezogen werden.

Schließlich wurde iSuppli berichtet, dass ausufernde Kriminalität und Sicherheitsprobleme als weitere Hemmnisse für die Region angesehen werden. Bezogen auf die oben genannten Probleme, ist ein wieder aufflammendes Interesse an einem Einstieg von Vertragsherstellern in den russischen Markt in naher Zukunft eher unwahrscheinlich.

Kommentare

Kritische Kommentare sind erlaubt und auch erwünscht. Diskussionen sind willkommen. Beschimpfungen, Beleidigungen und rassistische / homophobe und verletzende Äusserungen sind nicht erlaubt und werden entfernt.
Weiterführende Erläuterungen finden Sie hier.
Anzeige
Anzeige
Artikel die Sie interessant finden könnten
Weitere Nachrichten
2017.12.13 22:15 V8.9.2-1