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Elektronikproduktion | 20 März 2009

Siemens EDM hält an deutschen Standorten fest

evertiq sprach mit Jörg Jungbauer, Leiter des Siemens Bereichs I IS MS EDM, über die Entwicklungen der Siemens-Abteilung EDM. Der Dienstleister sieht sich trotz der Krise in einer guten Position und man setzt auf Innovationen um auf dem Markt führend mitwirken zu können.


Wie ist das Jahr 2008 für Siemens EDM verlaufen?
Siemens EDM hat sich weiter sehr positiv entwickelt und konnte beim Umsatz zulegen. Wir sind mit dem Geschäftsverlauf in 2008 sehr zufrieden. Wie Sie wissen, haben wir ja unser Geschäftsjahr am 30.09.2008 beendet. Seit dem ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres, also von Oktober bis Dezember 2008, hat sich der weltweite Einbruch der Märkte auch bei uns mit einem rückläufigen Auftragseingang niedergeschlagen.

Es gibt seit Anfang Januar sehr viel Kurzarbeit in Deutschland. Wie sieht das bei Siemens EDM aus?
Derzeit haben wir keine Kurzarbeit. Wir haben eine Reihe von Maßnahmen zur Verbesserung unserer Kostenposition eingeleitet. Grundsätzlich ist derzeit eine langfristige Vorhersage der Marktentwicklung schwer zu treffen, weil sich die Krisenelemente gegenseitig verstärken. Deshalb beobachten wir den Markt und die Entwicklung des Absatzes sehr intensiv und werden gegebenenfalls Maßnahmen zur Flexibilisierung der Arbeitszeit nutzen müssen. Diese umfassen Arbeitszeitverkürzung, Abbau von Arbeitszeitguthaben, Kurzarbeit oder auch die Freisetzung von Leiharbeitern.

Auch die europäische EMS-Industrie muss einige Schläge verkraften. In wie weit sind Sie von der allgemeinen Wirtschaftsschwäche betroffen?
Der Rückgang ist in den Segmenten unterschiedlich. Im Bereich Infrastruktur haben wir sogar Zuwächse. Im Bereich Industrieelektronik, insbesondere in der Automatisierungstechnik spüren wir eine deutliche Zurückhaltung. Dagegen ist unser Neukundengeschäft auf Basis Entwicklung und Fertigungsdienstleistung positiv. Hier differenzieren wir uns auch deutlich vom Wettbewerb.

Sind für 2009 Investitionen geplant? Wenn ja, in welchen Bereichen?
Investitionen sind gekürzt, aber wichtige Vorhaben werden natürlich realisiert. Unsere Ausgaben für Innovation halten wir auf Vorjahresstand, die geplanten F+E Budgets werden also umgesetzt. Das ist für uns sehr wichtig. Unsere Differenzierung im EMS-Markt basiert auf Technologie, also die Nutzung von Ingenieurlösungen für unsere Kunden. Hier hat der Kunde einen großen nachhaltigen Vorteil.

Was bedeutet das für ihre Kunden?
Wir haben uns frühzeitig vom EMS zum ODM entwickelt. Das bedeutet, dass wir zusätzlich zu unserem Fertigungsportfolio die Entwicklung für unsere Kunden anbieten. Wir haben 100 Entwickler, die vor allem im Bereich der Industrieelektronik eine hohe Kompetenz haben. Außerdem arbeiten wir mit Siemens Corporate Technology zusammen. Hier arbeiten rund 1.900 Entwickler an Schlüssel- und Querschnittsthemen und beweisen dabei einen hohen Innovationsgrad für Plattformen der Industrieelektronik.

Damit teilen wir die Entwicklungskosten auf mehrere Anwendungen. Das hat Vorteile in Bezug auf die Preise und auch auf die Qualität der jeweiligen Anwendung. Der Kunde profitiert also mehrfach davon. Wir sorgen für den Patentschutz entstehender Erfindungen und der Kunde hat daran gleich ein kostenloses Nutzungsrecht. Auf Wunsch führen wir bei Entwicklungen auch weltweite Patentrecherchen durch, so dass Patentstreitigkeiten nicht zu befürchten sind.

Durch die Nutzung der Plattformen ergeben sich noch weitere Vorteile. Beispielsweise beim Thema Time to Market. Gerade bei Innovationen ist dies ein wichtiges Argument, schnell und pünktlich mit neuen Produkten auf den Markt zu kommen. Der Kunde unterscheidet sich im Markt durch die Applikation oder z.B. durch den Formfaktor der Geräte und Systeme; dass wir beispielsweise dabei ein Schaltnetzteil oder auch eine Eingangsschaltung von analogen Eingängen mehrfach nutzen ist also kein Nachteil.

Sie übernehmen ab Anfang April die Leitung für die Siemens Geschäftseinheit Electronic Design und Manufacturing (I IS MS EDM). Was für Veränderungen werden folgen?
Wir haben uns frühzeitig auf das Thema ODM ausgerichtet, also die Leistungserbringung Entwicklung und Fertigung für unsere Kunden. Im Rahmen meiner mehrjährigen Verantwortung als Vertriebs- und Marketingleiter konnte ich die wichtigsten Trends wesentlich mit bestimmen. Hier haben wir sehr viel Innovation betrieben. Das ist heute unser Erfolg. Im Bereich der Fertigung haben wir unser Augenmerk auf die Modernisierung des Maschinenparks gelenkt und hier an allen Standorten entscheidende Investitionen getätigt. Jetzt konzentrieren wir uns zusätzlich auf Innovation im Fertigungsbereich.

Was verstehen sie unter Innovation im Fertigungsbereich?
Im Entwicklungsbereich haben wir Technologiecluster gebildet. Für ein Cluster ist ein Produktmanager verantwortlich. Die Ergebnisse müssen für den Kunden Vorteile erbringen. Das gleiche machen wir jetzt sinngemäß im Fertigungsbereich. Wir haben die Cluster „PCB“, also die Leiterplatte, dann das Segment „Test“, „Robust Prozess“ und „Löten“ selektiert. Hier werden wir uns intensiv mit Innovation beschäftigen und die Ergebnisse in Produkte und Plattformen einfließen lassen.

Die Geschäftseinheit unterhält Standorte in Hannover, Erlangen, München, Essen und Stuttgart. Sollen diese Standorte erhalten, vergrößert oder – in Bezug auf die Anzahl – erweitert werden?
Wir halten an allen Standorten fest und können bei Bedarf die Kapazitäten erhöhen. Am Standort in Stuttgart haben wir einen Teil unserer Entwicklungsmannschaft. Das ist wichtig, in diesem starken Bundesland mit Technologie auch vor Ort präsent zu sein. Der enge Kundenkontakt ist uns wichtig. An neun Standorten sind wir mit unserem Vertrieb in Deutschland präsent.

Wie liegen die Absatzmärkte für Siemens EDM? Wo wollen Sie sich in Zukunft stärker engagieren?
Siemens EDM konzentriert sich weiterhin als Anbieter von ODM und EMS Lösungen mit Schwerpunkt Industrieelektronik. Als Dienstleister entwickeln und fertigen wir kundenspezifisch Elektronik, die individuell abgestimmt in unterschiedlichen Applikationen eingesetzt wird. Unsere Hauptkunden sind mittelständische Unternehmen, aber auch Konzerne in der Branche Industrieelektronik. Das sind 95% unseres Umsatzes. Der Rest wird in Automotive und z.B. Telekommunikation erwirtschaftet.

Industrieelektronik sind Anwendungen z.B. in der Automatisierung, aber auch bei Energie und in der Medizintechnik. Wir bleiben diesem Portfolio treu und verstärken hier gezielt unsere Aktivitäten in Europa. Wir machen Embedded Electronic für unsere Kunden, also Elektronik mit unterschiedlichem Formfaktor und genau entsprechend der Anwendung der Kunden. Unsere Kunden setzen diese Elektronik wieder in Geräten und Systemen ein. Die Elektronik ist Bestandteil der Kundenprodukte. Hierbei arbeiten wir eng – auf Basis der Marktanforderungen – zusammen. Das soll auch so bleiben und wir möchten auf dieser Basis Wachstum generieren.

Wo sehen Sie Siemens EDM und die europäische EMS-Industrie in den nächsten 3-5 Jahren?
Ich sehe Siemens EDM weiterhin besonders stark als ODM-Dienstleister im Bereich Embedded Electronic für die Branchen Industrie, Energie und Medizientechnik. Wir konzentrieren uns auf die Geschäftsaktivität in Europa.
Im Ausbau der Technologiecluster und in der Plattformentwicklung sehen wir noch viel Potential. Das Ziel ist, einen hoch flexiblen Baukasten für unsere Kunden zu entwickeln. Wir möchten also kundenspezifische Elektronik aus Standards entwickeln.

In der SiP Technology (System-in-Package) sehen wir ein großes Innovationspotential in der Entwicklung und im Fertigungsbereich. Der Einsatz von SiP ist in der Industrieelektronik ist noch nicht weit verbreitet. Hier möchten wir neue Technologien unseren Kunden zur Verfügung stellen. Diese natürlich kostengünstig fertigen und mit maßgeschneiderten Logistikpaketen unseren Kunden anbieten.

Die europäische EMS-Industrie wird sich sicher immer mehr zum EMS-Full-Service-Provider entwickeln. Der reine Auftragsfertiger wird immer mehr in den Hintergrund treten. Die Kompetenzen im Bereich der Beratung, Entwicklung, Technologie- und Fertigung werden sich ausprägen, um den Anspruch an Qualität und Innovation weiter auszubauen und marktorientiert zu sichern.

Viele europäische EMS-Dienstleister sind schon heute mit ihrer Strategie gut aufgestellt und erzielen höhere Gewinne als weltweit tätige EMS`ler. Wie sich die wirtschaftliche Entwicklung in Bezug auf Entlassungen im europäischen Raum weiter auswirkt, können wir heute nicht sagen. Temporäre Anpassungen sind in der Branche sicherlich nicht auszuschließen. Mittelfristig entwickelt sich die Branche aber positiv.

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