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Elektronikproduktion | 11 März 2009

Outsourcing der Produktentwicklung in der Rezession

Ist es möglich, schnelle Einsparungen durch das Outsourcing der Produktentwicklung zu erzielen? Nicolette Lakemond, Dr. für Outsourcing- und Produktentwicklung an der Universität Linköping Schweden, hat diesen Punkt näher beleuchtet.
Während einer Rezession werden alle Kosten eines Unternehmens in Frage gestellt – einschließlich der Kosten für die Entwicklung neuer Produkte. Die Entwicklungspläne werden überprüft und Projekte auf Eis gelegt oder ganz aufgegeben. Dies führt oft zu einer Verschwendung von Ressourcen und einer Nichterneuerung. Kostensenkungen haben jedoch keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Rentabilität eines Unternehmens, da es sich bei einem großer Teil der Kosten um Fixkosten für Büro, Labor und Personal handelt.

Wenn Einschnitte gemacht werden – die Kostenreduzierung im Zusammenhang mit Personalentlassungen und der Kündigung von Leasing-Verträgen – muss mit einer Frist von 6 Monaten bis zu über drei Jahren gerechnet werden. Im schlimmsten Fall, kann dies mit dem Zeitpunkt kollidieren, an dem die Konjunktur bereits wieder im Aufstieg ist.

Als grobe Faustregel gilt, dass etwa 50% des gesamten F&E-Budget ist mit Ausgaben für Entwicklungsprojekten verbunden, welche wiederum direkte Einsparungen bewirken. Man findet jedoch of Klauseln, welche Geldbußen festsetzen, wenn die Lieferungen an Lieferanten und Kunden gestoppt werden. Dies reduziert die Auswirkungen der Kostensenkungen – mit etwas, das in der Jahresabrechnung als Einmalkosten bezeichnet wird. Hier scheint es so, dass Unternehmen glücklich zu sein scheine, wenn sie 25% (net) des gesamten Reduktionspotential im ersten Jahr erreichen.

Gibt es Alternativen?
Gibt es keine Alternative zur Schließung von Produktionsstätten und Reduzierungen? Eine interessante Alternative könnte das Outsourcing der Produktentwicklung sein. Um Einblick in diese Strategie zu gewinnen, hat Jonas Hjelm, Produkt-Stratege bei Oxyma Innovation, mit Nicolette Lakemond von der Universität Linköping (Schweden) gesprochen. Frau Lakemond hat einen Doktortitel im Bereich Outsourcing der Produktentwicklung in Industrial Organisation. Sie ist der Auffassung, dass es mehrere Gründe gibt, welche das Outsourcing der Produktentwicklung motivieren und Kostensenkung ist nur einer davon. Da es nur eine begrenzte Wirkung hat – nur unter bestimmten Umständen – bedeutet dies, dass es nicht als kurzfristiges Wundermittel angesehen werden kann.

Es ist schwer zu verallgemeinern; wenn Unternehmen nach Kostensenkungen suchen, ist der höchste Grad an Outsourcing bei den standardisierten Produkte und Peripheriegeräte zu finden und durch eine stärkere Zusammenarbeit mit den Zulieferern zu finden. Ein wichtiger Grund für das Outsourcing der Produktentwicklung ist eine verstärkte Innovation. Die treibende Kraft ist der Zugang zum Fachwissen der Zulieferer, Forschungseinrichtungen oder Fachberater, welche die Unternehmen dadurch erlangen. Frau Lakemond betont, dass es wichtig ist die Unterschiede in der jeweiligen Triebkraft zu erkennen und die Bedürfnisse unterschiedlich zu handhaben.

Der Grad der Integration ist wichtig
Man kann nicht behaupten, dass die Bedingungen für das Outsourcing sich zwischen den verschiedenen Phasen der Produktentwicklung oder in den verschiedenen Phasen des Produktlebenszyklus stark unterscheiden. Frau Lakemond erklärt, dass es eine Frage der Komplexität der Produkte und von klaren, modularen Schnittstellen sei.

"Ein technisch komplexes Produkt ist oft mit sehr viel Know-how verbunden, welches wiederum eine komplexe Koordinierung verlangt. Dies schafft ein günstiges Umfeld für Kommunikationsprobleme und Verzögerungen in der Entwicklung", sagt Frau Lakemond. Das führt selbstverständlich nicht unbedingt zu Produktivitätssteigerungen. Aber in Fällen, in denen man an der Entwicklung von komplexen Komponenten arbeitet – Komponenten, welche einen hohen Integrationsgrad im Endprodukt haben – müssen Lieferant und Kunde eng zusammenarbeiten.

Hier finden sich verschiedene Grade der organisatorischen Integration und Frau Lakemond erklärt, dass man sich dies wie eine Grauskala vorstellen kann – und zwar von "Black Box" über "Grey Box" bis zu "White Box". Die niedrigste Stufe der Integration – "Black Box" – ist eine Kunden-Lieferanten-Beziehung; wobei der Bereich Einkauf der Kunde ist. "Grey Box" repräsentiert verschiedene Stufen von gemeinsamen Interessen zwischen den Entwicklungsabteilungen der Zulieferer und Kunden. Ein Interesse an den Ergebnissen der gemeinsamen Produktentwicklung ist z.B. sehr gut. "White-Box" bedeutet, dass der Lieferant nur eine informelle Beteiligung hat und bei bestimmten Fragen konsultiert wird. "Grey Box" ist am Schwierigsten zu verwalten. Der Grund dafür ist natürlich die Vielfalt der Integrationsmöglichkeiten und der Zusammenarbeit, aber auch das Entstehung von vielen Koordinierungskosten, welche nicht vorhergesehen wurden und die Entwicklungszusammenarbeit bedrohen.

Formelle oder persönliche Beziehung
Hinsichtlich der Frage, wie eine langfristige Beziehung zwischen Lieferanten und Kunden für die Entwicklung neuer Produkte am besten gewährleistet werden kann, antwortete Frau Lakemond: "Sicherlich muss es eine Vereinbarung und eine Absichtserklärung (Letter of Intent) geben, aber die persönlichen Beziehungen sind sehr viel wichtiger."

Doch damit dies funktioniert, muss man über eine solide wirtschaftliche Grundlage verfügen. Das bedeutet, dass beide Parteien tatsächlich Geld verdienen. Frau Lakemond erklärt, dass ‚offene Bücher’ einen positiven Effekt habe, obwohl das eher ein Beweis dafür ist, dass der Käufer stärker als der Lieferant ist.

Outsourcing: keine schnelle Lösung
Das Outsourcing der Produktentwicklung muss eine strategische Entscheidung sein und auf Grund von schlechten Analysen getroffen werden, da dies sonst große negative Konsequenzen nach sich ziehen kann. Für diejenigen Unternehmen, einen geringes Outsourcing-Volumen haben, wenn man über Kostensenkungen nachdenkt – für die ist das Outsourcing der Produktentwicklung auf keinen Fall eine schnelle Lösung.

Aber die Unternehmen, welche eine bewusste und langfristige Strategie im Outsourcing ihrer Produkte verfolgen, haben auch eine viel größere Flexibilität, wenn man über Kostensenkungen nachdenkt. In einer Rezession sind diese Unternehmen nicht an strukturelle Kosten gebunden und die Einmalkosten sind erheblich niedriger. Zur Minimierung von Problemen, welche zwischen dem Käufer und dem Anbieter von Produktentwicklung entstehen können, müssen beide Seiten ein gemeinsames, strategisches Ziel formulieren.

Autor: Jonas Hjelm-, Produkt-Stratege Oxyma Innovation

Bildquelle: Davab

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