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© neuschaefer Leiterplatten | 13 Januar 2017

Ein Kommentar zur Insolvenzmeldung der LPP / Pfullingen

1988 habe ich meine berufliche Laufbahn in der Leiterplattenbranche begonnen. Meine Anfänge liegen bei der Firma Schiemann. Der Gründer, Wolfgang Schiemann, war ein leidenschaftlicher Unternehmer mit 'Ecken und Kanten“, der mit Leidenschaft dabei war und uns damals den Weg zeigte.
In Folge entstand daraus Schiemann und Ruwel und ein Neubau entstand in Pfullingen. Damals war es das modernste und mustergültigste Leiterplattenwerk in Europa. Nachdem sich der Gründer sich aus dem Unternehmen zurückgezogen hatte, gab es weitere Verkäufe. Zuletzt lief das Unternehmen unter dem Namen LPP und befindet sich aktuell wieder in einem erneuten Insolvenzverfahren.

Es tut weh zu sehen, wie ehemalige Kolleginnen und Kollegen die nächste Insolvenz durchlaufen müssen. Bei jedem Verkauf wird immer wieder ein Stückchen 'herausgeschnitten' und übrig bleibt dann letztlich nicht mehr viel.

Erfolgreiche Unternehmen, wie Schiemann und Ruwel, entstanden allesamt irgendwann einmal aus der Idee eines Einzelnen und wurden in Folge als Familienunternehmen mit viel Leidenschaft geführt. Viele dieser Betriebe werden später an Investoren verkauft, die nur noch den Profit im Auge hatten und keinen persönlichen Einsatz mehr leisteten. Oft ist Insolvenz die
Folge dieser Entwicklung.

Nun kommen die juristischen Geier

Die Insolvenzverwalter, die dann die letzten Kapitalreserven für deren Entlohnung zurückbehalten und sich daraus großzügig bedienen; leider immer auf Kosten der Lieferanten, die dann die großen Verlierer sind. Die meisten Insolvenzverwalter, die als Speziallisten in solchen Situationen per Gericht eingesetzt werden, kann man mit Paartherapeuten vergleichen, die noch nie selbst eine Beziehung hatten.

Sie haben keine Ahnung vom operativem Geschäft und vor dem letzten Aussaugen versuchen sie dann die nunmehr vollends maroden Unternehmen schnell noch zu verkaufen. Bei diesem Verkauf werden aber auch nicht diejenigen Interessenten berücksichtigt, die eine langfristige Zukunft bieten, sondern auch hier gibt es dann merkwürdige Entscheidungen, die man selbst mit wenig kaufmännischen Verstand nicht mehr nachvollziehen kann.

Inzwischen ist es in Deutschland 'modern' geworden, namhafte, historische Unternehmen an ausländische Investoren zu verkaufen, die natürlich keine Leidenschaft in ein deutsches Unternehmen stecken und die darüber hinaus auch eine vollkommen andere Mentalität besitzen. Meist fehlt die strategische Ausrichtung und die Langfristperspektive. Bezahlt wird nur für die noch vorhandenen Kontakte. Für die eigentliche Fertigung und die entsprechenden Mitarbeiter erhält der Auslandsinvestor passende öffentliche Förderprogramme. So laufen dann solche Übernahmen nur noch eine kurze Zeit, bevor dann das letzte Aus für beispielhafte, deutsche Gründerfirmen kommt. Die nun anstehende Insolvenz bringt sicher keinen potenziellen Investor mehr auf den Hof, denn eine ausgepresste Zitrone gibt keinen Saft mehr…

Leider werden zu selten die Mitarbeiter stärker einbezogen, insbesondere solche, die den Firmen über viele Jahre mit Leidenschaft und Einsatz nach vorn geholfen haben. Aus diesem Kreis würde ein seriöser Insolvenzverwalter die notwendigen Informationen bekommen, um verstehen zu können wie es letztlich zum Zerfall der Firma kommen konnte. Investoren werden nur nach Höhe des Investments und nicht nach deren Zukunftskonzepts bewertet: Eine Übernahme mit Mut und einer klaren Zukunftsperspektive ist in jedem Fall besser, als ein einmalig höherer Geldbetrag auf dem Tisch.

Leider leben wir in Zeiten der Gier, wo der Einzelne nur nach dem maximalen Ertrag mit dem geringsten Einsatz sucht. Menschen gehen über Leichen, wenn damit Geld zu machen ist. Es geht immer zu Lasten Anderer und auf Kosten von bereits aufgebauten Werten, also letztlich zu Lasten alter Unternehmen.

Mit Mut, Weitsicht, Einsatzbereitschaft und Leidenschaft lässt sich jedes Unternehmen wieder in die richtige Spur bringen, nicht aber mit Raffinesse und Hinterlist.

Autor: Filomena Rios; Prokuristin Neuschäfer Elektronik GmbH

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