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Elektronikproduktion | 02 August 2010

Könnte Foxconn versagen?

Nachdem ich in letzter Zeit doch sehr viel Zeit am Flughafen O'Hare in Chicago verbracht habe, fielen mir ein paar Reklametafeln für Beratungsdienstleistungen der Firma Accenture auf. Eine zeigt einen surfenden Elefanten auf einer wirklich geilen Welle. Ich glaube es wurde digital bearbeitet.

Der Slogan heißt: "Wer sagt denn, man kann nicht groß und flink sein?" Dies ist ein Ersatz für die Tiger Woods Kampagne (wurde wegen seiner Schwierigkeiten von Accenture ausgetauscht), ich glaube jedoch nicht, dass es sehr effektiv ist. Berater sind im Allgemeinen dafür bekannt, dass sie die grundlegenden Naturgesetze nicht beherrschen und dies ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Elefanten können nicht surfen. Ich denke man kann so einiges daraus lernen. Mit der Wahl eines Outsourcing-Partners, der Produktionsanlagen in Billiglohnländer unterhält, gehen Unternehmen und die Entscheidungsträger innerhalb der Elektronikbranche—oftmals unbewusst—ein sehr hohes Risiko ein. Die Berechnung der Kosten (und der Reaktionen auf die Folgen dieses Risikos) sind Teil der Stellenbeschreibung eines jeden OEM Operations Manager—auch für diejenigen, die keine wesentlichen Geschäftsaktivitäten in China haben. In den letzten Jahren hat sich die EMS Tier-Struktur dramatisch verändert. Ein paar Unternehmen—mit Foxconn weit voraus—haben den Grossteil des EMS-Kuchen unter sich aufgeteilt. Sieben Unternehmen mit Niederlassungen in China—CBA nennt sie China-Syndrom-Seven—haben einen Verdrängungswettbewerb begonnen und dominieren damit das globale Outsourcing. Diese Dominanz ermöglicht es ihnen wiederum die Lieferkette in einer Art Würgegriff zu halten, was für alle anderen Unternehmen (in den letzten Monaten) zu schweren Engpässen geführt hat. Hand hoch, wer Probleme bei Tantalum Capacitors hat? Die China Syndrome Seven haben die Lieferkette blockiert; ein relativ gutes Beispiel dafür, wie eine solche Situation die Elektronikfertigung beeinflusst. Größe und Ausmaß dieser China-Syndrom Unternehmen liegen—insbesondere das von Foxconn—außerhalb der Erfahrungskurve der Branche. Während das Top-Line-Wachstum scheinbar unaufhaltsamen ist (aufgrund der weltweiten Nachfrage nach elektronischen Wunderwerken), ist die ‚Gesundheit’ der Bottom-Line dieser Unternehmen vollständig abhängig von niedrigen Lohnkosten (künstlich niedrig gehalten) und von komplexen und undurchsichtigen Lieferverträgen (durch Dominanz verhandelt). Die daraus resultierende globale Vernetzung der Elektronik produzierenden Industrie, die schiere Größe der Geschäftsaktivitäten und deren mangelnde Transparenz—so entsteht das bereits angesprochene Risiko. Man nimmt allgemein an, dass das Angebot an billigen Arbeitskräften in China ein unerschöpfliches Reservoir ist. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass das Management eben dieses Reservoirs weitaus schwieriger und unberechenbarer ist (als die meisten Elektronik-Hersteller sich das vorgestellt haben). Zum Beispiel hat Foxconn bekannt gegeben, dass man Fabriken nun von Shenzhen ins Landesinnere verlagern werde—eine Reaktion auf den weltweiten Aufschrei nach den Selbstmorden in der Produktionsanlage. Stellen Sie sich die Logistikansprüche vor, die eine solche Aufgabe im HR-Bereich hervorruft, während man gleichzeitig Steve Jobs iPhone Marketing Moloch befriedigt. Es könnte Monate dauern, um etwa 300'000 Arbeiter umzusiedeln oder zu ersetzen. Dies ähnelt einem Flüchtlingsdrama. Ist so ein Vorhaben wirklich machbar und können trotzdem Millionen von iPads und iPhone 4 gebaut werden? Die Hardware-Probleme von Apple scheinen in eine Richtung zu zeigen. Wird die Nachfrage erheblich schwanken, wenn Apple Fans mit den Produkten unzufrieden sind? Wird in Cupertino Panik ausbrechen? Foxconns Erfolg resultiert ganz sicherlich aus Militär ähnlichen Kontrollen in allen Bereichen (was Geschäftsaktivitäten und Mitarbeiter betrifft). Ist das im Internet-Zeitalter jedoch noch machbar? Wir müssen uns also fragen; Kann Foxconn scheitern? Wenn ja, wie würde sich dies auf meine Geschäfte auswirken? Foxconn bedeutet rund USD 90 Milliarden an Fertigungskapazität. Was passiert, wenn ein Teil davon komplett offline genommen wird? Auch wenn es sich hier nur um ein paar Monate handelt? Wie in allen Teilen des weltweiten Marktes wird der plötzliche Mangel Panik und Gerangel um verfügbare Kapazitäten auslösen—sowohl von Foxconn als auch deren Wettbewerbern. Was bedeutet das für den Produktionszeitplan Ihres Produktes? Es gibt nicht genug ‚andere’ Kapazitäten um USD 90 Milliarden schnell zu ersetzen. Viele Branchen sind von den Produkten der Foxconn-Kunden abhängig. Mit einer derart zerbrechlichen Weltwirtschaft; was für eine Art Welleneffekt könnte aus einem Zusammenbruch entstehen? Ein Misserfolg oder Scheitern entsteht immer aus belanglosen und kleinen Ereignissen, die sich—stufenförmig—zu Katastrophen entwickeln. Selten gibt es nur einen Grund. Die Situation ist in der Regel gut—bis sie es auf einmal nicht mehr ist. Industrie-‚Kenner’ und Experten können auch weiterhin sagen, dass Elefanten surfen können. Vielleicht sollten wir aber lieber herausfinden, was wir machen sollten, wenn sie es eben nicht können. Ein Elefant der vom Surfbrett fällt, macht eine riesen Welle. Wissen—wie immer—ist Macht. ----- Autor: Jennifer Read, Charlie Barnhart & Associates
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