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© wrangler dreamstime.com Elektronikproduktion | 29 April 2016

Mit dem Schutzschirm aus der Krise

Seit rund drei Jahren soll das „Schutzschirmverfahren“ die Sanierung von Unternehmen in der Krise erleichtern. Vorteil fĂĽr die Unternehmen: Nicht ein Insolvenzverwalter ĂĽbernimmt das Ruder, sondern die GeschäftsfĂĽhrung bleibt im Amt.
Aus diesem Grund hat sich die inhabergeführte TECH Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Hannover und Göttingen entschieden, dieses recht neue Sanierungsinstrument zu nutzen. Mit Erfolg: TECH ging bereits nach nur neun Monaten als saniertes Unternehmen aus dem Verfahren hervor. Ein Rückblick.

Ende 2013 hatte das bundesweit tätige Unternehmen fĂĽr Industriedienstleistungen den Schutzschirm beantragt. „Die Krise nahm ihren Anfang mit der Finanzkrise 2009“, erinnert sich TECH-Gesellschafter-GeschäftsfĂĽhrer JĂĽrgen Zinecker. „Damals mussten wir einen Umsatzeinbruch von 50 Prozent verkraften.“ In den folgenden Jahren ging es zwar wieder bergauf: Die Umsätze stiegen und es wurden sogar neue Mitarbeiter eingestellt. „Doch die Verbindlichkeiten blieben und die Verhandlungen mit den Banken fĂĽhrten zu keinem Ergebnis“, so Zinecker. Da jedoch ein Verkauf des Unternehmens fĂĽr Zinecker und seinen Partner Rainer Bilgeri nicht zur Debatte stand, entschieden sich die GeschäftsfĂĽhrer im Dezember 2013, ein „Schutzschirmverfahren“ zu beantragen. Ziel war es, das Unternehmen ĂĽber diesen Weg schnell und vollständig zu sanieren. „Ein Schutzschirmverfahren ist hierzu die ideale Lösung“, betont der Sanierungsexperte Prof. Lucas F. Flöther, der in diesem Verfahren auch als Sachwalter fungierte. „Die GeschäftsfĂĽhrung bleibt Herr im eigenen Hause und ist fĂĽr die Dauer des Verfahrens vor dem Zugriff der Gläubiger geschĂĽtzt, so dass sich das Unternehmen neu aufstellen kann.“

Voraussetzung fĂĽr ein Schutzschirmverfahren ist, dass das Unternehmen noch nicht zahlungsunfähig ist. FrĂĽhzeitiges Handeln ist also entscheidend. „Je frĂĽher der Antrag gestellt wird und je mehr Ressourcen im Unternehmen noch zur VerfĂĽgung stehen, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit das Unternehmen erfolgreich zu sanieren“, erläutert Flöther. „Viel zu oft wird so lange mit SanierungsmaĂźnahmen gewartet, bis es zu spät und das Unternehmen nicht mehr zu retten ist.“

„Diese Voraussetzung war bei TECH erfĂĽllt“, so Zinecker. Allerdings mussten bis zur Antragstellung noch einige HĂĽrden genommen werden: So musste das Unternehmen einen Insolvenzrechts-Spezialisten als Berater engagieren, mit dem der Antrag fĂĽr das Gericht vorbereitet wurde. „Dies geschah noch alles undercover“, berichtet Zinnecker. „Wir wollten zu diesem Zeitpunkt niemanden beunruhigen und den Antrag in Ruhe erstellen.“ Die Vorbereitung der Antragstellung dauerte etwa sechs Wochen.

Zusammen mit dem Antrag konnte TECH dem Gericht einen Sachwalter vorschlagen, der – anstelle eines Insolvenzverwalters – das Verfahren im Interesse der Gläubiger beaufsichtigt. TECH vertraute hier auf Empfehlungen und entschied sich fĂĽr Prof. Dr. Lucas F. Flöther, Namenspartner der auf Sanierung und Insolvenzverwaltung spezialisierten Kanzlei Flöther & Wissing. „Uns war es wichtig, einen erfahrenen Sachwalter zu finden, der uns konstruktiv im Sinne des Unternehmens unterstĂĽtzt und nicht auf Abwicklung oder Verkauf des Unternehmens aus ist.“ Flöther ergänzte: „Als Sachwalter sehe ich es als meine Aufgabe, eng mit der GeschäftsfĂĽhrung zusammenzuarbeiten und den Sanierungsprozess im Rahmen der Möglichkeiten bestmöglich zu unterstĂĽtzen. Meistens ist dies auch fĂĽr die Gläubiger am Ende der beste Weg“. Flöther verfĂĽgt als Sachwalter ĂĽber umfangreiche Sanierungserfahrungen im Rahmen von Schutzschirm- und Eigenverwaltungsverfahren.

Die Möglichkeit, einen Sachwalter selber auszuwählen und mit ihm das Verfahren zu durchlaufen, ist zudem fĂĽr beide Parteien vertrauensbildend. „Unternehmen und Sachwalter ziehen so sicher eher an einem Strang, als wenn das Gericht dem GeschäftsfĂĽhrer einen Sachwalter an die Seite stellt, von dem er zuvor nie gehört hat“, so Flöther.
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2019.01.17 14:20 V11.11.0-2