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© farang dreamstime.com Elektronikproduktion | 25 April 2016

Maschinenbauer verbinden 'big data' mit 'big thinking'

Die Maschinenbauer in Deutschland treffen sich mit ihren amerikanischen Kollegen auf der Hannover Messe auf Augenhöhe – und in vielen Bereichen des technologischen Wandels auch mit einem Vorsprung.
„Der Maschinenbau treibt den Wandel maßgeblich voran, den wir hier auf der Messe unter dem Motto „integrated industry – discover solutions“ sehen! Und unsere Mitglieder haben keine Angst, dass sie in diesem Wandel unter die Räder kommen könnten. Denn wir können beides: ,Big Data‘ und ,Big Thinking‘!“, betonte der VDMA-Präsident Dr. Reinhold Festge am ersten Messetag auf der Wirtschaftspressekonferenz des Verbands in Hannover.

Ob die Entwicklung zu einer voll digitalisierten Produktion nun wie in Deutschland unter dem Label Industrie 4.0 oder wie in Amerika unter dem Stichwort „industrial internet“ geschieht, „wir sind bereit für Partnerschaften auf Augenhöhe“, erklärte Festge. Die Digitalisierung und die Einführung neuer Geschäftsmodelle ist im deutschen Maschinenbau inzwischen gelebte Praxis. „Wir nutzen Software für unsere Produkte, wir sind weltweit führend bei „embedded systems“ und Automatisierungstechnik, und wir werden auch Big-Data-Lösungen für unser Geschäft nutzen. Wir können „Big Data“ mit „Big Thinking“ verbinden, Industrie 4.0 umfasst für uns viel mehr als digitalisierte Produktion“, betonte der VDMA-Präsident.

Konjunkturimpulse fehlen

Dieser Wandel vollzieht sich allerdings in einer Zeit ohne echte konjunkturelle Impulse. Der VDMA-Präsident bestätigte in Hannover die Prognose, dass der Maschinenbau in Deutschland für dieses Jahr nur mit einer Stagnation der realen Produktion rechnet. Auch im vergangenen Jahr stagnierte die reale Produktion im deutschen Maschinen- und Anlagenbau. Das Produktionsvolumen erreichte rund 201 Milliarden Euro. Das Umsatzvolumen betrug rund 218 Milliarden Euro. Die Kapazitäten waren im Durchschnitt zu 84,3 Prozent ausgelastet – ein eher unterdurchschnittlicher Wert. Zur Jahreswende 2015/16 zählte der Maschinenbau in Deutschland insgesamt 1,012 Millionen Beschäftigte. Der Beschäftigtenaufbau ist in der zweiten Jahreshälfte 2015 ausgelaufen.

Führender Exportmarkt USA

Die USA, das Gastland der Hannover Messe 2016, nimmt dabei eine wichtige Stellung ein; im vergangenen Jahr lösten die Vereinigten Staaten die Volksrepublik China als größter Einzelmarkt für deutsche Maschinenbauexporte ab (plus 11,2 Prozent auf 16,8 Milliarden Euro). Und die VDMA-Volkswirte erwarten, dass die USA diese Position im Länderranking auch in diesem Jahr halten werden. Für China erwarten sie dagegen abermals einen leichten Rückgang der Ausfuhren.

Maschinenbau kritisiert Panikmache rund um TTIP

Mit umso größerer Sorge sehen die Maschinenbauer die Auseinandersetzungen um das geplante Freihandelsabkommen TTIP, die häufig von Panikmache geprägt sind. „Es bestürzt uns, dass gerade in einem vom Export lebenden Land wie Deutschland selbst die Gewerkschaften in die Riege der TTIP-Blockierer eingetreten sind – obwohl es ihre Mitglieder sind, deren Arbeitsplätze vom Freihandel und damit auch von TTIP abhängen“, sagte Festge.

Allein durch die Streichung aller Zölle könnten im Maschinenbau Kosten von jährlich 1 Milliarde Euro wegfallen. Hinzu kämen erhebliche Kosteneinsparungen zwischen 5 und 18 Prozent je Maschine, würde der aufwendige Prozess der Umrüstung auf amerikanische Standards entfallen. „Dass im amerikanischen Präsidentenwahlkampf der freie Handel inzwischen ebenfalls mit so negativen Grundtönen versehen wird, macht uns Sorge“, fügte der Maschinenbaupräsident hinzu. Der VDMA erhofft sich vom Besuch des amerikanischen Präsidenten Barack Obama auf der Hannover Messe auch neuen Schwung für die TTIP-Verhandlungen.

Digitaler europäischer Binnenmarkt benötigt

Das künftige Wachstum der Industrie in Deutschland und in Europa hängt auch davon ab, dass die EU einen digitalen europäischen Binnenmarkt schafft, um in Sachen Digitalisierung der Industrie mit den Amerikanern und Chinesen auch künftig mithalten zu können. Die Europäische Union könne es sich nicht leisten, „dass die Digitalisierung der Industrie auf einem Flickenteppich von 28 nationalen Initiativen vorangetrieben wird“, warnte Festge. „Wir brauchen daher Rechtssicherheit im Umgang mit Industriedaten. Wir müssen überprüfen, ob unsere Sicherheitsstandards in Zukunft noch angemessen sind. Und wir brauchen einen Digital-Check für neue und bestehende EU-Gesetzgebung.“

Digitalisierung macht Energiewende schneller

Die Digitalisierung der Industrie spielt auch für die Energiewende in Deutschland und in aller Welt eine entscheidende Rolle. „Die Verbindung von Energiebereitstellung und Industrie 4.0 wird dieser Energiewende einen ganz neuen Schub geben“, sagte der VDMA-Präsident. „Die Digitalisierung macht die Energiewende schneller und günstiger.“

Integrated Energy, das Motto der neuen Teilmesse hier in Hannover, bedeute für den Maschinenbau, flexible Anlagen für Stromerzeugung und Energieverbrauch anzubieten. „Hier haben die Maschinenbauer eine ganz starke Stellung im Weltmarkt“, sagte Festge. Deutschland könne aber nur dann Leitmarkt bleiben, wenn der heimische Strommarkt nachhaltig gestaltet werde und eine ausreichende Größe hat. „Deshalb lautet unser Appell an die Politik, das geplante Strommarktgesetz und die EEG-Revision richtig zu machen im Sinne eines marktwirtschaftlichen Wettbewerbs“, forderte der VDMA-Präsident.

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2018.05.11 10:46 V9.5.4-1