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© rob hill dreamstime.com Analysen | 29 Oktober 2013

Internationalisierung des deutschen Maschinenbaus weiter vorantreiben

„FĂŒr das Jahr 2014 erwarten wir fĂŒr den Weltmaschinenbau ein Umsatzplus von fĂŒnf Prozent real“, erklĂ€rte der neue VDMA-PrĂ€sident Dr. Reinhold Festge.
„Dies mag euphorisch klingen, ist allerdings in einer zyklischen Branche wie dem Maschinenbau nach Jahren unterdurchschnittlicher Nachfrage nicht ungewöhnlich.“ Die VDMA-Volkswirte gehen davon aus, dass sich das Wachstum in China mit plus sieben Prozent wieder leicht beschleunigt. Zum anderen dĂŒrfte der Maschinenbau in zahlreichen LĂ€ndern von einer wieder einsetzenden zyklischen Erholung profitieren. Das gelte insbesondere fĂŒr die USA mit plus zwei Prozent. Auch im krisengeschĂŒttelten Europa wird ebenfalls mit expansiven Impulsen gerechnet. Die deutschen Maschinenbauer hatten ihre Produktionsprognose fĂŒr 2014 Mitte Oktober auf real plus drei Prozent angehoben. FĂŒr Italiens Maschinenbau rechnen die Experten mit einem Plus von drei Prozent, fĂŒr Japans Maschinenbau mit plus sieben Prozent. Prognose fĂŒr Weltmaschinenumsatz 2013: Plus ein Prozent „Was das laufende Jahr 2013 betrifft, so ist es, nicht nur fĂŒr uns deutsche Maschinen- und Anlagenbauer, enttĂ€uschender verlaufen als erwartet“, berichtete Festge. In einem wenig euphorischen wirtschaftlichen Umfeld wird 2013 nach SchĂ€tzungen des VDMA China wieder das Land mit dem höchsten Umsatzzuwachs sein. Die erwartete Zuwachsrate von real fĂŒnf Prozent liegt deutlich unter dem langjĂ€hrigen Durchschnittswert von 20 Prozent. Von den TOP-5-HerstellerlĂ€ndern kann außerdem noch der Standort USA Wachstum vorweisen. Hier wird ein Umsatzplus von einem Prozent fĂŒr 2013 erwartet. Hingegen werden die Produzenten in Japan mit minus zwei Prozent, Deutschland mit minus einem Prozent und Italien mit minus vier Prozent das Vorjahresniveau verfehlen. „FĂŒr die Welt in Summe sollte der Maschinenbau-Umsatz das Jahr 2013 aufgrund der positiven Entwicklung in den beiden grĂ¶ĂŸten Produktionsstandorten mit einem kleinen Plus in der GrĂ¶ĂŸenordnung von knapp einem Prozent real abschließen können – vorausgesetzt, es gibt in den letzten beiden Monaten des Jahres keine grĂ¶ĂŸeren Störereignisse, die alle Voraussagen zu Makulatur machen wĂŒrden“, betonte Festge. Zwar ist der deutsche Maschinen- und Anlagenbau unverĂ€ndert die Nummer Eins im Export. Jede sechste weltweit exportierte Maschine, Anlage oder Komponente stammte 2012 aus deutscher Produktion. In 16 von 31 statistisch nachweisbaren Fachzweigen sind deutsche Hersteller weltweit die Nummer eins. In weiteren neun Teilbranchen rangiert Deutschland immerhin noch unter den ersten drei. Doch China hat sich 2012 mit einem Welthandelsanteil von gut elf Prozent knapp an Japan vorbei auf Platz drei der Rangliste der erfolgreichsten Maschinenexporteure geschoben. Chinesische Hersteller sind aktuell bereits in sieben Sparten auf Rang eins. Unternehmensstrategien mĂŒssen sich auf außereuropĂ€ische MĂ€rkte ausrichten Die vom VDMA und der Deutschen Industriebank IKB erstellte Studie „Maschinenbau und InvestitionsgĂŒterindustrie – weiter auf Erfolgskurs“ kommt zu dem Ergebnis, dass das weltwirtschaftliche Wachstum auf absehbare Zeit robust bleiben wird, unabhĂ€ngig von zeitweiligen Friktionen in einzelnen SchwellenlĂ€ndern. Wachstumstreiber sind die wachsende Bevölkerung und der in vielen Bereichen gegebene Nachholbedarf. Damit wird insbesondere auch die Nachfrage nach IndustriegĂŒtern weiter bestĂ€ndig zunehmen – sowohl im Low-Tech- als auch im High-Tech-Bereich. Konkurrenten aus den SchwellenlĂ€ndern, vor allem aus China, werden sich als große Anbieter etablieren – mit einem großen Heimatmarkt als Standbein. „Die deutschen Maschinenbauunternehmen werden sich allerdings auch unter diesen verĂ€nderten Markt- und Wettbewerbsbedingungen behaupten können“, erklĂ€rte Festge. „Dies gilt vor allem fĂŒr die Systemkompetenz, d.h. die FĂ€higkeit, Produktlösungen durch Integration von Know-how aus verschiedenen Kompetenzfeldern darzustellen. Dies ist offensichtlich eine besondere FĂ€higkeit der deutschen Unternehmen.“ Gleichzeitig profitierten Deutschlands Maschinenbauer hierzulande von den einzigartigen Wertschöpfungsketten und Innovationsnetzwerken. Es werde aber immer wichtiger, in großen AbsatzmĂ€rkten noch stĂ€rker mit Produktionen vor Ort prĂ€sent zu sein. „Das ist fĂŒr unsere Industrie, fĂŒr den so charakteristischen Mittelstand, oft leichter gesagt als getan. Je kleiner ein Unternehmen, umso grĂ¶ĂŸer die Herausforderung. Vermutlich werden wir nicht ohne Kooperationen oder ZusammenschlĂŒsse im Mittelstand auskommen. Weil es nur grĂ¶ĂŸeren MittelstĂ€ndlern oder VerbĂŒnden möglich sein wird, gegenĂŒber den neuen großen Wettbewerbern aus den SchwellenlĂ€ndern konkurrenzfĂ€hig zu bleiben“, so der VDMA-PrĂ€sident. Die preisliche WettbewerbsfĂ€higkeit, die Innovationskraft oder die Finanzkraft der Unternehmen, seien stark von den politischen Rahmenbedingungen abhĂ€ngig. „Hier liegt es in der Hand der politisch Verantwortlichen, inwieweit bisherige StĂ€rken auch in Zukunft Bestand haben“, betonte Festge. Deutschland braucht eine Wachstumsreform und weniger Regulierung Vor diesem Hintergrund sei es immer wichtiger, dass die Politik die Aktions- und ReaktionsrĂ€ume der deutschen Industrie nicht noch weiter einenge. „Wir wollen an diesem Standort Deutschland bleiben. Aber wir sehen, dass sich die Wettbewerbssituation mit hohem Tempo verĂ€ndert. Und ich habe den Eindruck, dass die Politiker dies nur begrenzt wahrnehmen. Sonst könnte man nicht an einem so erfolgreichen System wie dem Arbeitsmarkt so massive Einschnitte planen, vor allem im Bereich der FlexibilitĂ€t“, sagte der VDMA-PrĂ€sident. „Ich sage ganz offen: Der Kampf gegen Ungleichheiten klingt schön, aber man muss aufpassen, dass man die flexiblen Standortvorteile nicht auf dem politischen Altar opfert. Eigentlich haben wir doch alle das gleiche Ziel: NĂ€mlich Wohlstand in Deutschland und eine stabile Gesellschaft. Wenn aber das Ziel gleich ist, dann muss man doch auch einen gemeinsamen Weg finden können.“ Bildung und Außenwirtschaft sind Schwerpunkte seiner Amtszeit FĂŒr seine dreijĂ€hrige PrĂ€sidentschaft habe er sich zwei politische Schwerpunktthemen gesetzt, die Bildungs- und die Außenwirtschaftspolitik. Aufgabe fĂŒr die neue Bundesregierung sei die Sicherung und der Ausbau des Freihandels sowie der Abbau von Handelshemmnissen. Nahezu tĂ€glich seien die Maschinenbauer mit immer neuen tarifĂ€ren und nicht-tarifĂ€ren Handelshemmnissen konfrontiert. Fast 30 Prozent der aktuellen Exporte wĂŒrden mit LĂ€ndern abgewickelt, die hohe ImporthĂŒrden hĂ€tten. „Protektionismus gibt es aber auch – und das muss man klar sagen – in mehr oder weniger verdeckter Form in Europa“, erklĂ€rte Festge. Auch die WTO, als Garant fĂŒr freien Welthandel, mĂŒsse gestĂ€rkt werden. Ein weiteres wichtiges Politikfeld im Außenwirtschaftsbereich sei die langfristige Finanzierung von Exporten. „Die Hermesdeckung muss handhabbar bleiben. Denn immer mehr mittelstĂ€ndische Firmen ziehen sich aus dem Hermes-GeschĂ€ft zurĂŒck“, so Festge. Ihnen sei die Bearbeitungsdauer der AntrĂ€ge zu lang und die Finanzierungsbereitschaft der Banken zu unklar. Das Instrument werde immer mehr zur „Spielwiese“ fĂŒr Großabnehmer von Schiffen und Flugzeugen und entferne sich so Schritt fĂŒr Schritt von der Mittelstandsbranche Maschinenbau. Engagement fĂŒr Bildung im In- und Ausland muss verstĂ€rkt werden Viele der auslĂ€ndischen Kunden erwarteten von den deutschen Maschinenbauern, dass sie sich vor Ort im Bereich Bildung und Ausbildung engagierten. „Denn ein Hauptengpass bei der Etablierung tragfĂ€higer Strukturen im Ausland ist das Finden und Binden von qualifiziertem Personal“, berichtete Festge. Der VDMA hat dieses Thema aufgegriffen und bereits einige Initiativen im Ausbildungsbereich ergriffen. „Es ist mein Ziel, diese Ausbildung in SĂŒdamerika, Afrika und Asien zu verstĂ€rken. Ein Ziel, das mir sehr am Herzen liegt fĂŒr diese Amtszeit als VDMA-PrĂ€sident.“ Maschinenbauer kritisieren politisches Management der Energiewende Die deutschen Maschinenbauer stehen zur Energiewende. Über die HĂ€lfte der Unternehmen bewerten die Auswirkungen der Energiewende auf das eigene Unternehmen als positiv. „Äußerst kritisch sehen wir allerdings das politische Management der Energiewende“, so Festge. Den deutschen Politikern mĂŒsste zu denken geben, dass 37 von 100 Maschinenbauern ihre WettbewerbsfĂ€higkeit bedroht sehen durch die gestiegenen Stromkosten. Union und SPD mĂŒssten endlich klarstellen, was sie eigentlich wollen. Die HĂ€ngepartie, die Deutschland und die Industrie in der Energiepolitik erleben, schaffe Unsicherheit und beeintrĂ€chtige schon jetzt die laufenden Planungen und Investitionen. „Die Frage, wie die Energiewende effektiv, effizient und bezahlbar gestaltet wird, muss aus unserer Sicht ganz oben auf der Agenda der nĂ€chsten Bundesregierung stehen. Wir brauchen ein EEG 2.0, das stĂ€rker Angebot und Nachfrage berĂŒcksichtigt. Es muss ein Marktdesign geschaffen werden, das zusĂ€tzlich zur Leipziger Strombörse den Handel gesicherter Leistung und neuer FlexibilitĂ€tsprodukte ermöglicht. DarĂŒber hinaus muss die Steigerung der Energieeffizienz zum zentralen Bestandteil der Energiewende gemacht werden, denn ohne Energieeinsparungen wird das Projekt nicht gelingen“, betonte der VDMA-PrĂ€sident.
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