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© vladimir melnik dreamstime.com Analysen | 17 September 2013

Fachkräftemangel zwingt Unternehmen ins Ausland

Die Rekrutierung ausländischer Fachkräfte ist in der deutschen Wirtschaft stark von der Unternehmensgröße abhängig.
Insgesamt besch√§ftigen derzeit 13 Prozent aller Unternehmen in Deutschland ausl√§ndische Fach- und F√ľhrungskr√§fte. Unter den Gro√üunternehmen ab 500 Mitarbeitern sind es dagegen 58 Prozent. Zudem planen 55 Prozent der gro√üen Unternehmen, in den kommenden zw√∂lf Monaten Personal aus dem Ausland einzustellen (10 Prozent aller Unternehmen).

Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie der Bitkom Research GmbH im Auftrag des Business-Netzwerks LinkedIn. Im Rahmen der Untersuchung wurden 1.406 Personalverantwortliche von Unternehmen in Deutschland befragt.

‚ÄěVon der Zuwanderung ausl√§ndischer Fachkr√§fte profitieren beide Seiten“, sagte Dr. Axel Pols, Gesch√§ftsf√ľhrer der Bitkom Research GmbH, bei Vorstellung der Studie. ‚ÄěDie Unternehmen bekommen dringend ben√∂tigte Spezialisten und die neuen Mitarbeiter erhalten die Chance, zus√§tzliches Know-how zu sammeln.“ Hauptgrund f√ľr die Rekrutierung im Ausland ist der Fachkr√§ftemangel: 75 Prozent der Gro√üunternehmen und 49 Prozent der mittelst√§ndischen Unternehmen sind davon betroffen.

Internationales Potenzial

Nach den Ergebnissen der Umfrage sind in der deutschen Wirtschaft vor allem Fachkr√§fte aus S√ľdeuropa begehrt. Mehr als die H√§lfte der Unternehmen (56 Prozent), die sich aktuell mit der Rekrutierung ausl√§ndischer Experten besch√§ftigen, richten ihren Blick Richtung Spanien, Portugal, Italien oder Griechenland. In jedem f√ľnften dieser Unternehmen (20 Prozent) arbeiten bereits Spezialisten aus diesen L√§ndern. 46 Prozent hingegen rekrutieren aus westeurop√§ischen EU-L√§ndern wie Frankreich, Gro√übritannien oder Belgien.

Bei den Rekrutierten handelt es sich in erster Linie um Berufseinsteiger (62 Prozent) und Young Professionals (59 Prozent). Bereits 39 Prozent der Unternehmen hat bereits Stellen auf der ersten F√ľhrungsebene mit ausl√§ndischen Kandidaten besetzt oder plant dies zu tun. F√ľr Fach- und F√ľhrungskr√§fte sind der Erwerb neuer F√§higkeiten (53 Prozent) oder Erfahrungen (47 Prozent) und die Karriereaussichten im Herkunftsland (40 Prozent) die Hauptmotivationen f√ľr den Schritt, in Deutschland zu arbeiten.

Suchen und Finden

Die Suche nach geeigneten Bewerbern geht im EU-Ausland √ľberraschend schnell: 56 Prozent der Unternehmen, die ausl√§ndische Fach- und F√ľhrungskr√§fte besch√§ftigen wollen, konnten in der EU innerhalb von sechs Monaten neue Mitarbeiter rekrutieren. Im Nicht-EU-Ausland gelingt das nur 17 Prozent der Unternehmen, 45 Prozent ben√∂tigen dort ein Jahr oder l√§nger.

F√ľr die Suche nach ausl√§ndischen Experten nutzen die Unternehmen neben klassischen Rekrutierungswegen auch Online-Kan√§le. 97 Prozent schalten die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur f√ľr Arbeit ein und 90 Prozent setzen auf spezialisierte Personalvermittlungen. Darauf folgt das Internet: 74 Prozent betreiben eine eigene Karriere-Webseite, 73 Prozent nutzen Online-Jobb√∂rsen und 72 Prozent Soziale Netzwerke.

Gefragt nach dem Erfolg der verschiedenen Rekrutierungswege schneiden die Online-Kan√§le am besten ab. 96 Prozent der Unternehmen, die im Ausland Fach- und F√ľhrungskr√§fte suchen, bewertet die eigene Karrierewebseite als ‚Äěerfolgreich“ oder ‚Äěsehr erfolgreich“. An zweiter Stelle stehen mit 82 Prozent die Online-Jobb√∂rsen. Auf Platz Drei folgen mit 74 Prozent die spezialisierten Personalvermittlungen. Knapp dahinter kommt mit 71 Prozent das Online-Business-Netzwerk LinkedIn. Insbesondere mittelst√§ndische Unternehmen geben an, erfolgreich √ľber LinkedIn Fach- und F√ľhrungskr√§fte rekrutiert zu haben (88 Prozent).

‚ÄěUnternehmen, die schon jetzt ein loses lokales und globales Netzwerk an potenziellen Mitarbeitern aufbauen und pflegen, k√∂nnen kurzfristigen Bedarf jetzt und in Zukunft besser decken“, so Till Kaestner, Gesch√§ftsleiter LinkedIn Deutschland, √Ėsterreich und Schweiz. ‚ÄěWie die Studie zeigt, sind Online-Kan√§le wie unser Business-Netzwerk daf√ľr h√∂chst effizient.“

Laut Umfrage werden in erster Linie IT-Fachkräfte und Controller im Ausland gesucht. Jeweils 40 Prozent der Unternehmen, die im Ausland rekrutieren, wollen entsprechende Experten nach Deutschland holen oder haben das bereits getan. Allerdings zieht sich der Bedarf durch fast alle Abteilungen der Unternehmen.

26 Prozent suchen Marketing-Spezialisten, je 25 Prozent Qualit√§tsmanager und Vertriebsexperten sowie 24 Prozent Mitarbeiter f√ľr Forschung und Entwicklung. 60 Prozent der Unternehmen, die ausl√§ndische Fachkr√§fte besch√§ftigen, geben an, das die Mitarbeiter im Durchschnitt bis zu drei Jahre im Unternehmen bleiben. ‚ÄěDie Personalverantwortlichen sind mit den ausl√§ndischen Fachkr√§ften hochzufrieden“, sagte Kaestner. ‚ÄěFast alle Befragten berichten, dass sich die Mitarbeiter gut ins Unternehmen integrieren und sehr gute Arbeitsleistungen erbringen.“

Rahmenbedingungen in Deutschland

Die Mehrheit der Unternehmen, die Fachkr√§fte im Ausland rekrutieren, fordern daf√ľr bessere politische und rechtliche Rahmenbedingungen. So w√ľnschen sich 62 Prozent mehr Informationen √ľber das bestehende Zuwanderungsrecht, 61 Prozent fordern leichtere Nachzugsbedingungen f√ľr Familienangeh√∂rige und 60 Prozent w√ľnschen sich k√ľrzere Verwaltungsverfahren.

‚ÄěGerade der Nachzug und die Eingliederung von engen Familienmitgliedern ist wichtig, wenn wir wollen, dass sich mehr Fach- und F√ľhrungskr√§fte f√ľr Deutschland entscheiden“, sagte Pols. ‚ÄěAuch die Lebenspartner der gesuchten Hochqualifizierten haben in der Regel eine akademische Ausbildung und damit eigene Berufs- und Karriereziele.“

Immerhin die H√§lfte der Befragten ist der Meinung, dass sich beim Zuwanderungsrecht in der Vergangenheit vieles verbessert hat und es leichter handhabbar geworden ist. ‚ÄěInsgesamt ist das ein eindeutiges Lob an die Politik, die bei √Ąnderungen wie der Blauen Karte EU oder geringeren Mindestverdienstgrenzen den Vorschl√§gen der Wirtschaft gefolgt ist und viele Dinge vereinfacht hat“, so Pols.

Immerhin hat jedes sechste Unternehmen, das sich mit dem Thema Rekrutierung ausl√§ndischer Fachkr√§fte besch√§ftigt, eine Blue Card f√ľr Mitarbeiter beantragt. Pols: ‚ÄěWenn man bedenkt, dass der Prozess immer noch viel Zeit kostet, ist das kein schlechtes Ergebnis.“ Die Blue Card nutzen bislang vor allem gr√∂√üere Unternehmen. Hier sind es mit einem Anteil von 27 Prozent drei Mal mehr als bei den kleinen und mittleren Unternehmen mit 8 Prozent.
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