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© bernardo varela dreamstime.com Analysen | 10 September 2013

Risiken für Automobilzulieferer nehmen erheblich zu

Die durchschnittliche ProfitabilitÀt der globalen Automobilzuliefererindustrie stabilisiert sich mit Gewinnmargen von 6,5 Prozent in den Jahren 2012 und 2013 auf einem hohen Niveau.
Besonders profitabel sind Spezialisten fĂŒr Fahrwerk, Antrieb und Reifen. Im Interieur-Bereich gehen die Margen indes weiter zurĂŒck. FĂŒr die kommenden Jahre sind die Branchenaussichten immer noch positiv; stabile EBIT-Margen von ca. 6 Prozent scheinen realistisch. Gleichzeitig wird das GeschĂ€ft aber immer komplexer. Die damit verbundenen Risiken steigen unaufhaltsam und das setzt die Zulieferer stark unter Druck. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der "Global Automotive Supplier Study 2013" von Roland Berger Strategy Consultants und Lazard.

Stabile ProfitabilitÀt auf hohem Niveau

"Die globale Automobilzuliefererindustrie hat ihre durchschnittliche ProfitabilitĂ€t 2012 mit EBIT-Margen von 6,5 Prozent auf hohem Niveau halten können und damit den Rekordwert von 2010 nur knapp unterschritten", sagt Felix Mogge von Roland Berger Strategy Consultants. Sofern im letzten Quartal dieses Jahres ein grĂ¶ĂŸerer Einbruch ausbleibt, dĂŒrften die Gewinnmargen auch 2013 unverĂ€ndert hoch bleiben.

"Angesichts der aktuellen Herausforderungen, insbesondere dem nach wie vor schwachen Absatzvolumen auf vielen europÀischen MÀrkten, ist das ein beachtliches Ergebnis", ergÀnzt Dr. Eric Fellhauer von Lazard.

Haupttreiber dieser stabilen Lage sind die weltweit solide Automobilproduktion und ein gĂŒnstiger Segmentmix mit einem steigenden Anteil von Premium-Fahrzeugen. Hinzu kommen Weiterentwicklungen bei der Fahrzeugtechnologie, höhere KapazitĂ€tsauslastungen in den Zuliefererwerken weltweit und die moderate Entwicklung der Rohstoffpreise.

Starke Unterschiede innerhalb der Zuliefererindustrie

WĂ€hrend Antriebs- und Fahrwerksspezialisten mit EBIT-Margen von rund 7 Prozent weiterhin besonders profitabel sind, litten Zulieferer mit Interieur-Schwerpunkt 2012 unter einem weiteren RĂŒckgang. Ihre Margen sanken auf 4,4 Prozent – ein Minus von 1,3 Prozentpunkten gegenĂŒber 2010. "Außerdem gibt es noch eine weitere klare Botschaft", sagt Marcus Berret, Partner von Roland Berger Strategy Consultants. "Unternehmen, die sich auf innovative Produkte konzentrieren, erwirtschaften höhere Gewinne als Wettbewerber, die stĂ€rker prozessorientiert sind."

Mit Blick auf die regionalen Unterschiede ist es Zulieferern aus Europa und der NAFTA-Region gelungen, die hohe ProfitabilitĂ€t der beiden Vorjahre aufrechtzuerhalten. Die Lage in Asien prĂ€sentiert sich hingegen etwas uneinheitlicher: Japanische Zulieferer hielten mit einer durchschnittlichen EBIT-Marge von 5,3 Prozent nicht Schritt. Zulieferer aus China (8,8%) und Korea (7,2%) erzielten indes mit die höchsten Margen. Doch der deutliche RĂŒckgang um jeweils ca. 3 Prozent gegenĂŒber 2010 belegt, dass der Wettbewerb rauer wird.

Stark variiert auch die ProfitabilitĂ€t der Unternehmen je nach GrĂ¶ĂŸe. WĂ€hrend weltweit die Margen kleiner Unternehmen mit einem Jahresumsatz unter 1 Milliarde Euro gegenĂŒber 2010 um 1,5 Prozent gesunken sind, konnten sich große multinationale Konzerne auf dem Niveau von 2010 behaupten. Dies zeigt, dass es fĂŒr kleine Zulieferer deutlich schwieriger geworden ist, den komplexen Anforderungen ihrer Kunden z.B. in Bezug auf globale Engineering- und LieferfĂ€higkeit profitabel gerecht zu werden.

Wachsendes GeschÀftsvolumen, aber steigende Risiken und KomplexitÀt

KĂŒnftig werden Automobilzulieferer generell von der steigenden Fahrzeugnachfrage, dem Wachstum des weltweiten Automobilkomponentenmarkts und den Weiterentwicklungen vor allem bei der Antriebs- und Fahrwerkstechnologie profitieren. Andererseits wird eine zunehmende Anzahl von Risiken das GeschĂ€ftsklima fĂŒr Automobilzulieferer bestimmen: "Wir gehen davon aus, dass die Komponentennachfrage in Europa schwach bleiben wird, und OEMs und vor allem Zulieferer ihre KapazitĂ€ten entsprechend anpassen werden mĂŒssen", sagt Roland Berger-Partner Marcus Berret. "Dieser Trend wird sich weiter beschleunigen, weil Autohersteller ihre Produktion zunehmend in die MĂ€rkte verlagern, in denen die Fahrzeuge verkauft werden. Das wird eurozentrischen Zulieferern in Zukunft große Probleme bereiten."

Weitere Risikofaktoren sind unter anderem die stark gestiegene AbhĂ€ngigkeit vom chinesischen Automobilmarkt – der zunehmende Anzeichen von Reife aufweist – und der wachsende Druck fĂŒr Zulieferer, Teile weltweit zu entwickeln und herzustellen. Dadurch wird die FĂŒhrung kleiner und mittlerer Betriebe viel komplexer. Hinzu kommen die wachsende AbhĂ€ngigkeit der Zulieferer von wenigen Großprojekten sowie der anhaltende Druck der OEMs auf die Preise bei gleichzeitiger Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Zulieferer sollten daher alle potenziellen Risiken sehr genau im Blick behalten und rasch die richtigen strategischen Schlussfolgerungen ziehen. In einem GeschĂ€ftsklima, das durch höhere Risiken und Unsicherheiten geprĂ€gt ist, können Zulieferer, die falsche strategische Entscheidungen treffen, in den kommenden 2-3 Jahren ihre WettbewerbsfĂ€higkeit einbĂŒĂŸen.
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2019.01.11 20:28 V11.10.27-2