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© david alary dreamstime.com Elektronikproduktion | 27 August 2013

Chinas rasanter Aufstieg bringt Veränderungen

Aufgrund der zunehmenden Bedeutung Chinas und der damit verbundenen Dynamik muss das Land in Zukunft noch stĂ€rker ins Zentrum der Unternehmensstrategie deutscher Maschinenbauer rĂŒcken.
„Aufgrund der zunehmenden Bedeutung Chinas und der damit verbundenen Dynamik muss das Land in Zukunft noch stĂ€rker ins Zentrum der Unternehmensstrategie deutscher Maschinenbauer rĂŒcken. Die Fokussierung auf nur ein Segment bzw. nur auf reife MĂ€rkte reicht nicht mehr aus, um weltweit wettbewerbsfĂ€hig zu bleiben", so das Ergebnis der China-Forschungsstudie „Lokale GeschĂ€ftsmodelle zur Bearbeitung des mittleren Marktsegments in China", des Instituts fĂŒr Mittelstandsforschung (ifm) der UniversitĂ€t Mannheim in Zusammenarbeit mit dem VDMA. Die Studie analysiert Chancen und Risiken, denen sich der deutsche Maschinenbau durch die dynamische Entwicklung des chinesischen Marktes ausgesetzt sieht.

China bietet große Absatz- und Wachstumspotenziale

China ist mit 678 Milliarden Euro Umsatz (2012) der weltweit grĂ¶ĂŸte Markt fĂŒr Maschinen (vor den USA mit 330 Milliarden Euro). 2003 lag der Maschinenumsatz in China bei 77 Milliarden Euro, neun Jahre spĂ€ter bereits bei 678 Milliarden Euro. Die durchschnittliche jĂ€hrliche Wachstumsrate (Compound Annual Growth Rate) in China lag von 2003 bis 2012 bei 27,3 Prozent.

„Hat man das Potenzial, in China langfristig orientiert vorzugehen, dann sollte man es auch anpacken. Ich meine, es ist besser, selbst in die Höhle des Löwen zu gehen, anstatt zu warten, bis die chinesische Konkurrenz irgendwann in der eigenen Höhle auftaucht", erklĂ€rte Dr. Thomas Lindner VDMA-PrĂ€sident und Vorsitzender der GeschĂ€ftsfĂŒhrung Groz-Beckert AG, anlĂ€sslich der Veröffentlichung der Studie. In drei bis fĂŒnf Jahren, so die Studie, werde fast jeder vierte deutsche Maschinenbauer ĂŒber F&E-Einheiten in China verfĂŒgen.

Mittleres Marktsegment zukĂŒnftig besonders wichtig

Deutsche Unternehmen mĂŒssten deshalb den chinesischen Markt noch stĂ€rker in ihrer Strategie- und GeschĂ€ftsmodellentwicklung berĂŒcksichtigen. Denn viele deutsche Maschinen seien fĂŒr die BedĂŒrfnisse der Kunden in China â€žĂŒberfunktioniert". Die Gefahr der Abwanderung dieser Kunden zum lokalen chinesischen Wettbewerber sei daher groß, befĂŒrchten die Mannheimer Wissenschaftler.

„Das mittlere Marktsegment ist fĂŒr die zukĂŒnftige Positionierung deutscher Maschinenbauer in China besonders wichtig, da es sich laut unserer Umfrage in den nĂ€chsten drei bis fĂŒnf Jahren zum grĂ¶ĂŸten Teilsegment des chinesischen Maschinenbaus entwickeln wird - von heute 34,3 Prozent des Gesamtmarktes auf 40,3 Prozent in drei bis fĂŒnf Jahren - und dort auch das stĂ€rkste Wachstum mit plus sechs Prozent zu beobachten ist", erklĂ€rte Wolfgang Albeck, ifm Mannheim.

„Mit ihren leistungsstarken und vergleichsweise teuren Angeboten treffen die deutschen Maschinenbauer allerdings nicht immer die Preis-Leistungserwartungen der lokalen Kunden im vollen Umfang."

Mit der Entstehung wettbewerbsfĂ€higerer Anbieter in China - und anderen Emerging Markets - bestehen darĂŒber hinaus auch zunehmend Alternativangebote fĂŒr die Kunden vor Ort, weshalb deutsche Unternehmen ĂŒber eine verstĂ€rkte Anpassung ihrer Produkte und GeschĂ€ftsmodelle an die lokalen BedĂŒrfnisse nachdenken mĂŒssten. Allerdings wĂŒrden nur ein Viertel der Unternehmen, die sich an der Studie beteiligt haben, ihre chinesischen Rivalen Ă€hnlich gut kennen wie ihre europĂ€ischen Konkurrenten, was gezielte Wettbewerbsmaßnahmen erschwere.

Duale GeschÀftsmodelle als Reaktionsmöglichkeit

Um in China zukĂŒnftig weiter wachsen zu können sowie sich gegenĂŒber aufstrebenden chinesischen Wettbewerbern zu positionieren, sollten sich deutsche Maschinenbauer frĂŒhzeitig und ergebnisoffen mit der Verfolgung eines dualen GeschĂ€ftsmodells auseinandersetzten.

FĂŒr deutsche Maschinenbauer heißt das: Erstens weltweiter Ausbau bzw. Absicherung des bestehenden Premiumangebots, vor allem durch Innovationen. Und zweitens die parallele Erschließung neuer Wachstumspotenziale im mittleren Marktsegment vor allem in Emerging Markets wie China.

„Die langfristige Marktentwicklung in China, hin zu leistungsfĂ€higeren und qualitativ hochwertigeren Maschinen, begĂŒnstigt deutsche Unternehmen ĂŒberproportional. Gleichzeitig muss die Erschließung neuer Kundengruppen im mittleren Marktsegment vorangetrieben werden", so die Analyse der Mannheimer Wissenschaftler.

Zur Bearbeitung dieses mittleren Marktsegments sollten sich die deutschen Maschinenbauer auf ihre bestehenden StĂ€rken und Wettbewerbsvorteile aus dem Premiumsegment, d. h. Technologie, Marke, Beratung, Service etc. besinnen und diese, auf die lokalen BedĂŒrfnisse angepasst, in das mittlere Marktsegment transferieren.
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2019.01.11 20:28 V11.10.27-1