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Elektronikproduktion | 09 Juni 2010

Wer konkurriert mit deutscher Elektroindustrie um wichtige Rohstoffe?

Deutschland ist mit wenigen Ausnahmen mangels eigener wettbewerbsfähiger Ressourcen in hohem Maße auf die Einfuhr von Rohstoffen angewiesen und steht damit auch langfristig in der Position eines Rohstoffeinkäufers.
Deutschland konkurriert auf der Nachfrageseite vor allem mit den aufstrebenden Entwicklungsländern und hier insbesondere mit China um diese Rohstoffe. Das Reich der Mitte hat schneller als alle anderen Volkswirtschaften wieder auf den Wachstumskurs zurückgefunden, was sich in einem Nachfrageboom hauptsächlich in der ersten Jahreshälfte 2009 niederschlug.



Gemeinsam mit den anderen Entwicklungsländern hat China im letzten Jahr einen vollständigen Einbruch der globalen Nachfrage und gleichzeitig ein massives Auftürmen von Überschüssen verhindert. Darüber hinaus spielen die USA an den Rohstoffmärkten nach wie vor eine bedeutende Rolle, obwohl deren Anteil am weltweiten Verbrauch über die letzten Jahre deutlich zurückgegangen ist.

In Europa sind unter anderem Frankreich, Italien und Großbritannien Konkurrenten von Deutschland beim Verbrauch von Rohstoffen. Deren Bedeutung im globalen Kontext hat in den letzten Jahren allerdings deutlich abgenommen. Im Folgenden wird die Rolle Deutschlands, Chinas und der USA im weltweiten Gefüge veranschaulicht. Beispielhaft wird dabei die Nachfrageentwicklung dieser Länder am Kupfer-, Aluminium- und Ölmarkt dargestellt.

Deutschlands Anteil am globalen Verbrauch von Kupfer lag 1990 bei 8,3% und hat sich in den darauffolgenden 10 Jahren nicht merklich verändert. Ebenso verzeichneten die USA in diesem Zeitraum einen konstanten Nachfrageanteil. Mit 20% stellten sie zu dieser Zeit den größten Konsumenten von Kupfer dar.

Bereits Ende der 90er Jahre war ersichtlich, dass sich ein Land anschickte, den USA diesen Titel streitig zu machen: China. Schon zwischen 1990 und 2000 hat die Kupfernachfrage im Reich der Mitte deutlich angezogen, wodurch der Anteil Chinas von knapp 5% auf fast 13% gestiegen war. Was allerdings danach folgte, hätte zum Jahrtausendwechsel wohl niemand vorhergesagt.

Aufgrund seiner aufstrebenden Wirtschaftsmacht katapultierte sich China an die Spitze dieser Statistik. Beeinflusst von konjunkturstützenden Maßnahmen hat das Land im letzten Jahr ungeahnte Mengen Kupfer importiert und dadurch hohe Reserven aufgebaut. Angefacht durch diese hohen Importe ist der Nachfrageanteil Chinas am weltweiten Kupferverbrauch im letzten Jahr auf rund 39% in die Höhe geschossen.

Dies wirkte sich zu Lasten aller anderen Verbraucherländer aus, wobei die USA den stärksten Rückgang verzeichnen mussten. Deren Anteil fiel in den letzten 9 Jahren von 20% auf nur noch 9%. Deutschland belegt bei Kupfer mit 6,3% hinter China und den USA den dritten Platz.

Absolut betrachtet hat sich der Kupferverbrauch Chinas seit 2000 auf mittlerweile über 7 Mio. Tonnen vervielfacht, während in Deutschland und vor allem in den USA deutlich weniger Kupfer verarbeitet wird. Als weitere wichtige Verbraucher von Kupfer haben sich Japan und Südkorea etabliert. Der globale Kupferverbrauch ist in den letzten zwanzig Jahren von 10,8 Mio. Tonnen auf 18,4 Mio. Tonnen pro Jahr angewachsen.



Bei Aluminium sieht die Situation ähnlich aus, wobei festzustellen ist, dass sich die Anteile noch deutlicher verschoben haben. Mit Abstand waren die USA in den 90er Jahren der bedeutendste Verbraucher von Aluminium weltweit. Das Land stand in dieser Zeit für ungefähr ein Viertel der gesamten Nachfrage. Chinas Anteil stieg im selben Zeitraum von 3,6% auf 14%, um sich danach zwischen 2000 und 2009 nochmals fast zu verdreifachen.

Mit über 40% verbraucht China heute viermal soviel Aluminium wie die USA als zweitgrößter Konsument. Deren Nachfrageanteil brach in den letzten neun Jahren auf nur noch etwas mehr als 10% ein. Deutschland ist bei Aluminium hinter China, den USA und Japan der weltweit viertgrößte Verarbeiter. Sein Anteil an der globalen Nachfrage ist allerdings seit vielen Jahren rückläufig. Stand Deutschland 1990 noch für gut 7% der gesamten Nachfrage, wies das Land 10 Jahre später noch einen Anteil von knapp 6% auf. 2009 betrug dieser jedoch nur noch 3,6%.

Ähnlich wie bei Kupfer hat sich auch die absolute Nachfrage Chinas bei Aluminium seit 2000 auf über 14 Mio. Tonnen vervielfacht, wohingegen der Verbrauch Deutschlands und der USA in diesem Zeitraum rückläufig ist. Die globale Aluminiumnachfrage stieg von 1990 bis 2009 von 17,9 Mio. Tonnen auf 35,7 Mio. Tonnen pro Jahr.

Die Entwicklung bei den anderen Industriemetallen verlief ähnlich. Daher kann konstatiert werden, dass sich die Nachfrage in den letzten zwanzig Jahren deutlich verschoben hat. Und zwar weg von den westlichen Industrienationen und hin zu den aufstrebenden Wirtschaftsmächten in Asien. China dürfte auch in Zukunft eine bedeutende Rolle an den Metallmärkten einnehmen, wenn nicht gar die bedeutendste.

Dafür sprechen alleine schon die umfangreichen Infrastrukturinvestitionen, die langfristig ausgelegt sind und zudem unabhängig von den Konjunkturprogrammen durchgeführt werden. Allerdings dürfte der hohe Nachfrageanteil Chinas bei allen Metallen in diesem Jahr etwas sinken, da unserer Meinung nach die hohe Importdynamik des Landes nicht beibehalten werden kann. Gerade durch diese hohen Importe, die auch zu einem deutlichen Lageraufbau geführt haben, wurde ein Teil der künftigen Nachfrage bereits vorweggenommen.

China war in den letzten Monaten bzw. Jahren bei allen Industriemetallen Netto-Importeur. Dadurch hat das Land hohe Reserven aufgebaut. Sollte die Importdynamik nachlassen, könnte China bei einigen Metallen zum Netto-Exporteur und damit zum Anbieter auf dem Weltmarkt werden. Bei Aluminium war dies bereits im Dezember 2009 der Fall.



Auch am Ölmarkt ist eine Nachfrageverschiebung hin zu den Entwicklungsländern und hier vor allem nach China zu beobachten. Allerdings ist diese Entwicklung bei weitem nicht so ausgeprägt wie bei den Industriemetallen. China hat seinen Anteil in den letzten zwanzig Jahren zwar auf 10% verdreifacht, bleibt damit aber dennoch deutlich hinter den USA zurück, die nach wie vor mit 22% der mit Abstand größte Ölverbraucher der Welt sind.

Deren Anteil hat sich in den letzten Jahren zudem nur unwesentlich verringert. Mit einem Nachfrageanteil von knapp 3% ist Deutschland ein eher unbedeutender Nachfrager am Ölmarkt. Die globale Ölnachfrage stieg im Zeitraum 1990 bis 2009 von mehr als 66 Mio. Barrel auf knapp 85 Mio. Barrel pro Tag.

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