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Elektronikproduktion | 28 April 2010

Lieferengpässe gefährden den Aufschwung

Lieferengpässe in der deutschen Industrie gefährden den Aufschwung, wobei der Vulkanausbruch nur eine untergeordnete Rolle spielt, heisst es bei Roland Berger Consultants.
Lieferengpässe im produzierenden Gewerbe gefährden zunehmend den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland. In den vergangenen Wochen hat sich die Versorgungssituation in vielen Unternehmen drastisch verschlechtert, mit der Folge, dass der normale Ablauf der Produktion zunehmend bedroht ist.

Die Gründe dafür liegen sowohl im Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage als auch im verzögerten Zusammenspiel der Wertschöpfungsketten. Den Vulkanausbruch auf Island und die damit verbundenen Störungen im Flugverkehr sehen die meisten Unternehmen dagegen nicht als verschärfenden Faktor. Das ist das Ergebnis einer Blitzumfrage, die Roland Berger Strategy Consultants unter Einkaufsleitern im produzierenden Gewerbe durchgeführt hat.

"Unsere Umfrage zeigt, dass Lieferengpässe zunehmend zur Gefahr für den beginnenden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland werden", sagt Thomas Rinn, Partner im Kompetenzzentrum Operations Strategy bei Roland Berger Strategy Consultants.

"Auch wenn unsere Umfrage nur eine Momentaufnahme ist und sich nicht eins zu eins auf die Gesamtwirtschaft übertragen lässt, zeigt sie: Viele Unternehmen spürt zwar eine deutlich anziehende Nachfrage, aber gleichzeitig haben die Lieferengpässe in den vergangenen Wochen dramatisch zugenommen."

Etwa drei Viertel (74%) der Unternehmen bezeichnen die Situation bereits als kritisch. Hinzu kommt, dass sich die Situation durch Verzögerungseffekte in der Wertschöpfungskette eher noch verschärfen wird. "Damit werden Produktionseinschränkungen immer wahrscheinlicher, was wiederum insgesamt den Aufschwung verlangsamen dürfte", sagt Thomas Rinn.

Gründe für Lieferengpässe
Besonders häufig treten Versorgungsprobleme bei Elektronikkomponenten, Guss- und Schmiedeteilen sowie bestimmten Rohstoffen auf, wobei in den meisten befragten Unternehmen gleich mehrere Warengruppen betroffen sind. Die Experten von Roland Berger haben unterschiedliche Gründe für die derzeitige Häufung von Lieferengpässen ermittelt: Auf der Angebotsseite wurden in der Krise durch Kurzarbeit, Personalabbau oder Fabrikstillegungen Kapazitäten abgebaut.

"Die stillgelegten Kapazitäten müssen die Unternehmen jetzt erst wieder hochfahren", sagt Roland Berger Projektmanager Sebastian Durst. "Das braucht Zeit, zumal viele Unternehmen noch zurückhaltend sind, weil sie Zweifel an der Nachhaltigkeit des Aufschwungs haben." Dazu kommt eine bewusste Verknappung des Angebots, um die Preise zu erhöhen oder stabil zu halten.

Auf der anderen Seite steht eine deutliche Zunahme der Nachfrage: 95% der befragten Unternehmen spüren eine Belebung ihres Geschäfts und benötigen entsprechend wieder mehr Rohstoffe und zugelieferte Teile. "Dass viele Unternehmen nicht mit einem so deutlichen Aufschwung gerechnet haben, verschärft die Situation zusätzlich", sagt Sebastian Durst.

Dazu komme, dass die Nachfrage je nach Produkt zum Teil heftig schwanke. "Die Ursachen für Lieferengpässe sind je nach Warengruppe unterschiedlich stark ausgeprägt", erklärt er weiter.

Vulkanausbruch spielt untergeordnete Rolle
Zwei weitere Gründe für die Lieferengpässe betreffen die Wertschöpfungskette insgesamt: Einerseits haben alle Beteiligten während der Krise die Sicherheits- und Pufferbestände abgesenkt und dabei teilweise überreagiert. Andererseits ist jetzt ein gegenläufiger Effekt beobachtbar: "Vor dem Hintergrund der Lieferengpässe bestellen oder reservieren die Unternehmen jetzt zum Teil mit deutlichen Sicherheitsaufschlägen, um so ihre eigene Versorgung zu optimieren." Das sorgt für zusätzliche Engpässe.

Der Vulkanausbruch auf Island und das dadurch ausgelöste Chaos bei der Luftfracht beeinflusst die Lieferketten dagegen der Umfrage zufolge nur am Rande. Am ehesten betroffen hiervon sind Unternehmen der Automobilindustrie. Dagegen erwarten rund 70% der Unternehmen nicht, dass sich die Lage durch die vulkanbedingten Lieferstörungen zusätzlich dauerhaft verschlechtert.

"Der Vulkanausbruch in Island hat ein Problem noch einmal verschärft und in den Blickpunkt des Interesses gerückt, das vorher auch schon da war. Die Probleme mit ihren Lieferketten hatten viele Unternehmen aber vorher auch schon – und werden sie in den kommenden Monaten auch noch haben, wenn niemand mehr über den Vulkan redet", sagt Thomas Rinn.

Ansatzpunkte zur Überwindung der Lieferengpässe sind z.B.: ein nachfragegerechter Kapazitätsaufbau, ein realistisches Bestellverhalten und der Verzicht auf eine "künstliche" Verknappung.

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