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Bild nur zu Illustrationszwecken. Elektronikproduktion | 23 April 2010

Brasilien: Verdopplung der Fahrzeugproduktion möglich

Brasiliens Automobilindustrie steht an einem Scheidepunkt. Sofern die Branche und die Regierung die richtigen Schritte unternehmen, bietet das Land beträchtliche Chancen - sowohl auf dem Binnenmarkt als auch im Export, schreibt Roland Berger Strategy Consultants.
"Der aufstrebende Markt Brasilien birgt ein enormes Potenzial für die Automobilbranche", so Stephan Keese, Principal im Automotive Competence Center von Roland Berger Strategy Consultants. Angesichts des wachsenden weltweiten Wettbewerbs muss Brasilien jedoch eine klare Agenda formulieren, um künftiges Produktionswachstum zu sichern. Hierzu gehört beispielsweise die Förderung des Binnenabsatzes, um ausreichendes und befriedigendes Wachstum für alle Marktteilnehmer zu garantieren.

Außerdem muss die Exporttätigkeit angekurbelt werden, um die erforderliche Größe zu erreichen und weltweit konkurrenzfähig zu werden. Und schließlich ist eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit im Inland erforderlich, damit Absatzwachstum bei namhaften Unternehmen auch zu einem Wachstum der Produktion führt.

Zusammenarbeit von Industrie und Regierung
Sofern die erforderlichen Schritte unternommen werden, bietet Brasilien enormes Potenzial für künftiges Wachstum des Automobilabsatzes, das durch die positive Konjunkturentwicklung noch beflügelt wird. Eine Absatz von deutlich über fünf Mio. Fahrzeugen bis 2020 ist wahrscheinlich. Damit sich diese Prognose bewahrheitet, sind jedoch zusätzliche Anstrengungen und Maßnahmen der Branche und der brasilianischen Regierung erforderlich.

Beispielsweise wäre eine Zusammenarbeit von Industrie und Regierung denkbar, um den Binnenabsatz in Brasilien anzukurbeln – ebenso wie etwa eine Reduzierung der Kfz-Betriebskosten zur Förderung der individuellen Mobilität oder Anreize zur Erneuerung von Fahrzeugflotten. Mit derartigen Maßnahmen könnte Brasiliens Automobilmarkt Weltniveau erreichen und der potenzielle Autoabsatz von 3,1 Mio. Fahrzeugen 2010 auf 4,8 Mio. im Jahr 2010 steigen.

Verdoppelung der Exporte möglich
Mit einer klar umrissenen Exportstrategie dürfte Brasilien zudem in der Lage sein, seine Exporte in den kommenden Jahren nahezu zu verdoppeln. 2009 exportierte das Land 475.000 Fahrzeuge. Diese Zahl könnte bis 2016 auf 980.000 schnellen. Ausgehend von Wechselkurs- und Binnenabsatzprognosen werden die Fahrzeugimporte bis 2016 voraussichtlich um mindestens 40% zulegen. Durch Maßnahmen zur Ankurbelung des Binnenwachstums und eine fokussierte Exportstrategie könnte die jährliche Produktion von 3,2 Mio. im Jahr 2009 bis 2016 auf über 5 Mio. klettern.

Stärkung der Kostenwettbewerbsfähigkeit
"All diese Vorteile sollen aber nicht den Eindruck vermitteln, die Marktbedingungen in Brasilien seien perfekt", sagt Herr Keese. "In vielen wichtigen Bereichen der Wertschöpfungskette ist Brasiliens Automobilindustrie global noch nicht wettbewerbsfähig." Die Produktionskosten für ein Fahrzeug sind in Brasilien mindestens ebenso hoch wie in Europa, Rohstoffe wie Stahl sind sogar erheblich teurer.

Aufgrund der schlechten Straßeninfrastruktur und der mangelnden Effizienz der Häfen sind die Vertriebskosten ebenfalls höher. Zudem treiben Bürokratie, Steuern und Abgaben die Kosten in die Höhe, und die Arbeitseffizienz hinkt deutlich hinter der europäischen hinterher. Trotz dieser Nachteile können Unternehmen in Brasilien äußerst profitabel produzieren.

"Ungeachtet des aktuellen Wachstumstempos müssen Unternehmen ihre Kostenposition in Brasilien und ihren Footprint in Südmerika überprüfen und optimieren. Auf nationaler Ebene müssen Regierung und Automobilbranche gemeinsam versuchen, die langfristige nationale Kostenwettbewerbsfähigkeit deutlich zu verbessern", betont Herr Keese.

"Wir empfehlen folgende vier Maßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit der brasilianischen Automobilindustrie zu stärken: Definition einer künftigen Automobil-Agenda, umfassende Verbesserung der Kostenstruktur, Entwicklung eines Energie- und Antriebsmixes für die Zukunft und Sicherung der künftigen Wettbewerbsfähigkeit brasilianischer Produkte. Die Produkte und der Kundenservice in Brasilien müssen bei Design, Funktionalität, Qualität und Erschwinglichkeit optimal auf die aktuellen und künftigen Kundenerwartungen abgestimmt werden."

Bild nur zu Illustrationszwecken.

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