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Elektronikproduktion | 22 April 2009

Können Vertragshersteller die Stolpersteine beim Handy-Outsourcing vermeiden?

<em>Teil 1 von 2</em>: Die aktuelle Konjunkturschwäche hat Auswirkungen auf alle Bereiche der Wertschöpfungskette innerhalb der Elektronik-Industrie – von den Halbleiter-Herstellern, über die Software-Lieferanten, OEMs bis hin zu den Vertragsherstellern. Wenn es aber um die Auftragsfertigung im Handy-Segment geht, dann hat der Abschwung einige Stolpersteile aufgedeckt, welche den EMS- und ODM-Unternehmen zu schaffen machen.
Jeffrey Wu, Senior Analyst für EMS & ODM bei iSuppli, sprach über einige dieser Probleme und ob es dem EMS-Unternehmen möglich ist diese in Zukunft zu vermeiden.

iSuppli: Wie hat sich der wirtschaftliche Abschwung auf die Handy OEMs ausgewirkt - in Bezug auf deren Zusammenarbeit mit Vertragsherstellern?
Jeffrey Wu: Der Abschwung hatte ernste Auswirkungen auf die gesamte Lieferkette und OEMs müssen nun mit einer reduzierten Nachfrage umgehen und prüfen, was sie falsch oder richtig gemacht haben in den letzten Jahren – auch in Bezug auf das Outsourcing. Dies sendet Schockwellen durch die gesamte Handy-Lieferkette.

iSuppli: Erklären Sie diese Wellen ein wenig genauer.
Jeffrey Wu: Der verfügbare Markt für die Vertragsherstellung wird von zwei Faktoren beeinflusst. Erstens; der Markt wächst nicht mehr (welcher für Mobiltelefone im Moment leider stagniert). Diese Situation betrifft wirklich alle Unternehmen im vertikalen Handy-Markt. Der zweite – und auch wichtigere – Faktor ist das Outrsourcing-Verhalten der OEMs; wie schnell und wie viel diese auslagern. Die meisten Unternehmen waren davon überzeugt, dass die Handy-OEMs mit vermehrtem Outsourcing auch verstärkt von den EMS-Unternehmen abhängig sein würden. EMS- und ODM-Dienstleister erwarteten, dass diese OEMs weiter auf EMS- und ODM-Dienstleistungen zurückgreifen würden und einmal ausgelagertes Design und Herstellung nicht wieder zurückziehen würden. Dies ist nicht geschehen und einige führende Handy-Hersteller – Nokia und Samsung – halten Outsourcingvolumen zurück oder überdenken dieses grundlegend.

iSuppli: Müssen die Vertragshersteller nun selbst überprüfen was sie tun, um sich den veränderten Bedingungen anzupassen; oder auch das Konzept in Bezug auf den Umgang mit den Handy-Lieferanten?
Jeffrey Wu: Eigentlich sind es die OEMs, welche die ganze Sache überdenken. Und die Vertraghersteller werden zwangsläufig dazu gezwungen sich anzupassen und auf die Veränderungen der OEMs zu reagieren. Wenn man sich die Vertragsherstellen während der letzten 3 – 4 Jahre anschaut, dann haben diese enorme Investitionen am Markt getätigt; in der Annahme mehr und mehr Verträge in diesen Segment sichern zu können. Der wirtschaftliche Abschwung zwingt Vertraghersteller jedoch ihrer Investitionen und Kapazitäten zu verkleinern oder zu verlagern, die Zahl der Mitarbeiter zu verringern und zu prüfen, wie schnell und in welchem Umfang neue Investitionen vorgenommen werden können (die zur Verbesserung ihrer Kostenstrukturen beitragen können).

iSuppli: Beim Thema, dass die Handy-Industrie zunehmend abhängiger von den Vertragsherstellern wird, erklärten Sie, dass sich die Zeiten ändern. Viele OEMs nehmen die Produktion wieder vermehrt In-House. Nokia z.B. hat 2008 sein Outsourcing-Volumen drastisch gesenkt. Warum hat Nokia diese Entscheidung getroffen?
Jeffrey Wu: Nun, Nokia hat seine eigene Produktion nie wirklich aufgegeben. Nokias Konkurrenten haben ihre eigenen Produktionsanlagen veräußert und Mitarbeiter entlassen. Das finnische Unternehmen hat weiterhin in eine eigene Produktion investiert und diese als eine Kernkompetenz ausgezeichnet. Neue Mitarbeiter wurden eingestellt, die Präsenz ausgebaut und das Supply-Chain-Management wurde weiter gestrafft – statt die Kontrolle den Vertragsherstellern zu überlassen. Warum die ausgelagerte Produktion jetzt zurückgeholt wird? Das Problem ist, dass Nokias eigene Auslastung – angesichts einer reduzierten Nachfrage auf dem Endmarkt – unter dem optimalen Niveau liegen würde. Das wiederum würde die Produktionskosten für Mobiltelefone in die Höhe treiben. Auf den Punkt gebracht bedeutet dies, dass Nokia seine Wettbewerbsfähigkeit einbüssen würde.

iSuppli: Erwarten Sie, dass andere Hersteller Nokia folgen werden?
Jeffrey Wu: Es hängt wirklich davon ab, über welche Kompetenzen die OEMs verfügen. Es gibt zwei Unternehmen, welche bei der Verwendung von Vertragsherstellern mehr Zurückhaltung üben: Nokia und Samsung. Sansung ist eines der letzten Handy-Unternehmen, welches sich überhaupt an Outsourcing versucht. Obwohl Samsung nie mit einer eigenen Fertigung aufhören würde, begann man vor einigen Jahren die Vertragsherstellung als eine Möglichkeit zu betrachten. Nun – in harten Zeiten – denke ich, dass Samsung alle Pläne und Überlegungen in Bezug auf Outsouring auf Eis gelegt hat. Andere Hersteller – wie Sony Ericsson oder Motorola – können es sich nicht leisten die Produktion in großem Stil zurückzuholen, da die Vertragshersteller das Rückgrat der Produktion darstellen. Wenn sie auf den Einsatz von Vertragsherstellern verzichten wollten, wären sie – gegenüber den Nokias und Samsungs dieser Welt – nicht mehr wettbewerbsfähig. Im Gegensatz dazu produzieren Nokia und Samsung In-House und brauchen die Vertragshersteller nicht zum Überleben.

iSuppli: Man sollte also nicht erwarten, dass Samsung oder Nokia sich für das Outsourcing stark machen werden; andere OEMs – Motorola oder Sony Ericsson – dies weiter nutzen werden, oder wettbewerbsmäßig von der Karte verschwinden werden.
Jeffrey Wu: Richtig.

iSuppli: Gibt es etwas, das EMS und ODMs tun können, damit diese Unternehmen sich wieder dem Outsourcing zuwenden? Gibt es Pauschalangebote oder Anreize, welche genutzt werden könnten, um Handy OEMs wieder zu mehr Outsourcing zu bringen?
Jeffrey Wu: "Auf kurze Sicht wird es für Vertragshersteller in diesem Markt sehr schwierig werden, von diesen beiden Unternehmen – der Nummer 1 und 2 – Aufträge zu erhalten. Da sich die Nachfrage und die Wirtschaft erholen werden, ist dies etwas, auf das sich die EMS und ODMs freuen können. Im Moment ist die Aussicht jedoch einfach nur schlecht. Verstehen Sie mich nicht falsch, Vertraghersteller könnten nach neuen Verträgen ‚hungern’ und könnten demzufolge bereit sein aggressiver vorzugehen um Verträge zu gewinnen. Man muss aber auch verstehen, dass sie dann gegen die interne Produktion von Nokia und Samsung ankämpfen müssen und ich glaube nicht, dass in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage, Vertragshersteller gute Chance haben zu gewinnen.

iSuppli: Allgemein, wie können Auftragshersteller diese Stolpersteine vermeiden? Sollten Sie sich nicht zu sehr auf die Handy-OEMs stützen oder sollten Sie etwas anderes tun?
Jeffrey Wu: Diese Unternehmen sollten ihre OEM-Kunden strategisch identifizieren und robuste Beziehung zu ihnen aufbauen. Für Vertraghersteller; Nokia und Samsung sind echte "Wild Cards" in der Branche. Die meisten Experten glaubten, dass beide nie von der Vertragsherstellung abweichen würden, sobald sie sich einmal dafür entschieden hatten. Dies ist nicht passiert. Ich sage nicht, dass EMS- und ODM-Unternehmen nicht nach diesen Unternehmen und dem lukrativen Geschäftspotential Ausschau halten sollten. Sie sollten jedoch bestimmen, was diese beiden Unternehmen eigentlich von Vertragsherstellern erwarten. Auf der anderen Seite sollten Motorola und Sony Ericsson auch weiterhin Vertragshersteller nutzen, trotz des schwierigen Marktumfeldes. Insofern könnte es für Auftragshersteller am Besten sein, wenn sich die Schlachten strategisch auswählen – und zwar solche die sie auch gewinnen können. Nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft.

Autor: iSuppli
Ein zusätzliches Whitepaper finden Sie hier. (Englisch)

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