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Elektronikproduktion | 12 März 2009

Schlechte Arbeitsbedingungen in chinesischen EMS-Fabriken

Ein neuer Bericht des europäischen Netzwerkes MakeITfair ist eine der ersten Studien über die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von tragbaren Musik-Playern und Spielkonsolen. Der Bericht hat 4 Fabriken in der Provinz Guangdong in China untersucht: Celestica, Flextronics, Vista Point Technologies (Flextronics) und Hong Fu Jin Precision (Foxconn).
Die Nutzung der Audio-Player (auch bekannt als MP3), Portable Media Player (PMPs) und Video-Spielkonsolen hat sich rasch in den letzten Jahren stark verbreitet. Die kleine Größe und das geringe Gewicht der Music-Player in Verbindung mit ständig wachsenden Speichern ermöglichen es immer mehr Musik herunter zuladen – was die Popularität dieser Produkte weltweit nur noch steigert.

Laut neuester Marktforschungsergebnisse aus den USA, nutzen 85% der Kinder im Alter von 2-14 Jahren Spielkonsolen. Drei von Fünf nutzen digitale Music-Player. Video-Spielkonsolen haben sich in den Industrieländern bereits etabliert. Mit der wachsenden Nachfrage – vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen – ist die Herstellung dieser Geräte in den letzten Jahren stark angestiegen.

Ein großer und stetig wachsender Teil des Herstellungsprozesses befindet sich in Entwicklungs- und Transformationsländern. Gegenwärtig werden mehr als die Hälfte der weltweit verkauften MP3-Player, 30-40% der PMP-Player, und die meisten der Spielkonsolen in China produziert. Die meisten der Arbeitnehmer an den Produktionslinien sind junge Frauen, welche oft die schwere Last des Familienernährers tragen. Vielen Arbeiter im chinesischen Elektronik-Sektor werden viele ihrer Grundrechte verwehrt.

Die Lieferkette der Elektronikindustrie ist in den letzten Jahren immer komplexer geworden, wobei sich das Outsourcing der Produktion - vor allem an asiatische Produktionsstätten – stark erhöht hat. Im Laufe der Jahre wurde die Produktionszentren von einem Land in das andere verlagert – auf der Suche nach geringeren Kosten und die Nähe zu boomenden lokalen Märkten. Zwischen 1995 und 2006 hat sich der Anteil der Asien-Pazifik-Region an der globalen Elektronik-Produktion von 20% auf 42% erhöht, während die Produktion in Westeuropa, den USA und Japan weiter abgenommen hat.

Der Bericht hat 4 Fabriken in der Provinz Guangdong in China untersucht; Celestica, Flextronics, Vista Point Technologies (Flextronics) und Hong Fu Jin Precision (Foxconn). Je nachdem, wen diese Unternehmen beliefern, handelt es sich hier um Tier-I und Tier-II Unternehmen. Sie fertigen oder liefern Komponenten für Unternehmen, welche Music-Player, Multimedia-Telefone und Spielkonsolen herstellen: Apple, Microsoft, Motorola, Philips und Sony.

Die Forschungsergebnisse von makeITfair handelt es sich bei der folgenden Liste um die am häufigsten auftretenden Probleme in den Fabriken:
Diskriminierung bei der Einstellung: Alle vier Fabriken fordern von den Bewerber einen medizinischen Check-up, einschließlich Bluttests für hoch ansteckende Krankheiten. Bewerber müssen die Kosten für diese medizinische Untersuchung selbst tragen, mit Ausnahme der unter 18 Jährigen. Dies gilt unabhängig davon, ob man eingestellt wird oder nicht. Die Diagnose Hepatitis B führt zu einer Ablehnung des Antragstellers in mindestens drei von vier Fabriken. Diese Praxis wird als Diskriminierung von Hepatitis-B Trägern angesehen und wird vielen multinationalen Unternehmen und chinesischen Arbeitgebern praktiziert. Das chinesische Ministerium für Arbeit und soziale Sicherheit hat 2008 eine Bekanntmachung herausgegeben, die dies unterbinden soll.

Hoher Anteil von Praktikanten und Vertragsarbeit: Alle vier Fabriken beschäftigten 16-18 jährige Praktikanten (von einigen Monaten bis zu einem Jahr). Sie mussten Nacht- und Schichtdienst leisten, und Überstunden wie reguläre Arbeitnehmer leisten. Da Praktikanten in China nicht zu einer Standard Sozialversicherung berechtigt sind (mit Ausnahme einer Unfallversicherung), sparen die Arbeitgeber bei der Einstellung Geld. Ein weiterer Trend ist die Einstellung von Mitarbeitern, welche von Arbeitsagenturen vermittelt werden. Die vorübergehende Einstellung von Studenten und Mitarbeitern von Arbeitsagenturen machte in zwei Fabriken 50% und 20% der Belegschaft aus. (Hier wurden Produkte für Microsoft hergestellt.). Einige der Befragten berichteten, dass Arbeitsagenturen Lohnabzüge durchführten.

Niedrige Löhne: In China verdienen Arbeitnehmer oft nur den Mindestlohn für Vollzeit-Arbeit in einer Fabrik, obwohl diese Löhne nur schwer zum Leben ausreichen. Obwohl die chinesischen Mindestlöhne im Jahr 2008 erhöht wurden, haben Arbeitnehmer immer noch Probleme ihre grundlegenden Bedürfnisse zu befriedigen und sie können es sich oft nicht leisten, eine Familie zu gründen. Die meisten der Arbeiter sind Wanderarbeiter aus armen, ländlichen Regionen, die Geld nach Hause schicken wollen. Um dies zu erreichen, halten sie ihren eigenen Lebensunterhalt so niedrig wie möglich – indem sie in Schlafsälen mit mehreren anderen Arbeitnehmer wohnen und in der Kantine essen. Alle vier Werke bieten neuen Arbeitnehmer ein Lohn auf der Höhe des gesetzlichen Mindestlohns oder leicht darüber an (770-935 yuans oder €72 - €87 Euro pro Monat) für Vollzeitbeschäftigung.

Überlange Arbeitszeiten: In China übernehmen Arbeitnehmen oft zusätzliche Stunden um ihre Löhne aufzubessern. Einige Arbeitnehmer erklärten, dass sie Überstunden nicht verweigern dürfen. In drei Fabriken arbeiteten die Arbeitnehmer zwischen 80-90 Überstunden pro Monat (während der Hochsaison). In einer Fabrik – in der für Apple produziert wurde – kamen die Arbeitnehmen bis auf 120 Überstunden pro Monat; eine grobe Verletzung des chinesischen Arbeitsrechts (die Grenze für Überstunden liegt bei 36 Stunden pro Monat). Die Fabriken hatte jedoch von den lokalen Arbeitsbüros die Erlaubnis erhalten, Flexibilität in Stunden zu üben. Es scheint, dass der Rückgang bei den Aufträgen zu einem Rückgang bei den Überstunden geführt hat – in einer Fabrik für Microsoft, wurden bis Juni 2008 noch 100 – 180 Überstunden pro Monat geleistet. Danach hat die Fabrik die Überstunden beschränkt, um sicherzustellen, dass diese nicht über die vorgeschriebenen 86 Stunden hinausgehen. (die "Electronic Industry Code of Conduct (EICC) Leitlinie". Es muss beachtet werden, dass das festgelegte Maximum an Überstunden in dieser Leitlinie mehr als doppelt so hoch wie die gesetzlich zulässige Höchstgrenze in China.

Negative Auswirkungen auf die Gesundheit: In allen vier Fabriken mussten die Arbeitnehmer Tag- und Nachtschichten arbeiten, welche normalerweise jeweils einen Monat dauerten. Für die Arbeitnehmer war es schwierig, sich an Nachtschichten von 11 Stunden (über einen Monat hinweg) zu gewöhnen. Zwei von vier Fabriken forderten von den Arbeitnehmern die gesamte Schicht am Fliessband zu stehen, was Muskelschmerzen verursacht. Eine Fabrik hat 2008 Richtlinien dahingehend geändert, dass Mitarbeiter nun während der Arbeit sitzen können. Wenn eine WC-Pause notwendig ist, müssen die Arbeitnehmer um Erlaubnis fragen und eine so genannte "Off-Duty-Karte" nehmen. 20 – 40 Mitarbeiter messen sich eine solche Karte teilen, wodurch täglich lange Schlangen entstehen (in einem Werk, welches für Microsoft produzierte, wurde die Zahl vor kurzem von 100 auf 40 gesenkt). Einige Arbeitnehmer berichteten, dass in Lötbereich giftige Dämpfe einatmen mussten und unwohl fühlten.


Arbeiter machen eine Pause. Da es langwierige Sicherheitskontrollen für einen Toilettenbesuch gibt, müssen sie oft zwischen einem Toilettengang oder einer Mahlzeit in der Kantine entscheiden.(SACOM)

Geldbußen : Lohn- (oder Bonus-) Abzüge – auf Grund von Geldbußen wurden aus drei der vier Fabriken in China berichtet. Auch wenn diese Geldbußen nicht immer illegal sind, basieren sie doch oft auf subjektiven Gründen und sind zumeist ungerecht. Zum Beispiel, wurden Geldstrafen für Fehler oder Verhaltensweisen im Zusammenhang mit den ungesunden Arbeitsbedingungen verhängt – das Einschlafen bei der Arbeit oder Fehler zu machen, weil das Tempo der Montagelinie zu hoch ist. In einer Fabrik (hier wird für Sony, Microsoft, Motorola und Philips produziert) wurde an 6 Tagen die Woche für 11 Stunden gearbeitet (mit Geldbußen, wenn man bei der Arbeit einschlief). Man musste einer 44-Punkte-Disziplin-Liste folgen.

Missachtung der Gewerkschaftsrechte : In China verbessern sich die Rechte der Arbeitnehmer nach und nach; insbesondere durch das neue Arbeits-Vertragsrecht, welches im Januar 2008 in Kraft trat. Allen Arbeitnehmern stehen Arbeitsverträge zu und Arbeitgeber, die dies nicht wollen, können – in Theorie – bestraft werden. Allerdings hat die All China Federation of Trade Unions (ACFTU) weiterhin eine Monopolstellung inne, wie es im Gewerkschaftsgesetz vorgeschrieben ist. Die ACFTU wird von der Kommunistischen Partei kontrolliert, der Vorsitzende ist der stellvertretende Vorsitzende des chinesischen Nationalen Volkskongresses. Die ACFTU ist oft den Arbeitgebern und der Regierung gegenüber. Das Ziel ist, dass alle privaten Fabriken in China bis 2010 gewerkschaftlich organisiert sind. In allen vier Fabriken, in denen Arbeiter interviewt wurden, wussten diese entweder nicht, ob eine Gewerkschaft existierte oder sie wurde als das Management begünstigend angesehne. Drei von vier Fabriken behaupteten, dass in den Jahren 2007 – 2008 Gewerkschaften gegründet wurden.

Leben in Wohnheimen: Viele Arbeiter lebten in Wohnheimen innerhalb des Fabrikgeländes, da die meisten von ihnen hatten keine andere Wahl hatten - aufgrund der niedrigen Gehälter und der hohen Mietkosten außerhalb der Fabriken. In drei Fabriken mussten die Arbeitnehmer für einfache Unterkünfte 10-80 yuans (€1 – €7,5) pro Monat bezahlen; in einer Fabrik war die Unterkunft kostenlos. 8 – 10 Arbeitnehmern teilen sich ein Zimmer mit einer Wohnfläche von 2, 5 – 4,5 Quadratmeter pro Arbeitnehmer – was in sehr wenig Privatsphäre resultiert. Auf jeder Etage des Wohnheims leben zwischen 100 - 250 Personen, die auch (in einigen Fällen) die gleichen Waschräume nutzen. Die Arbeitnehmer werden oft für die Reinigung ihrer eigenen Wohnheimen verantwortlich gemacht, während Reinigungsfirmen nur in den öffentlichen Bereichen arbeiten, was zu hygienischen Problemen führt.

Die meisten Elektronik-Unternehmen haben Verhaltenskodizes eingeführt, sodass die Menschen- und Arbeitsrechte der Arbeitnehmer gewährleistet sind. Allerdings zeigt die Situation in den untersuchten Fabriken, dass dies nicht der Fall ist. Die Industrie erklärt, dass man versucht die Lieferanten zu kontrollieren, welche einem am nächsten stehen (First-Tier Supplier). Die untersuchten Fabriken gehören zu solchen Lieferanten und trotzdem wurden zahlreiche, inakzeptable Verletzungen des Arbeitsrechts und der Verhaltensregeln ans Licht gebracht.

MakeITfair bat um Stellungnahmen aus den Fabriken, welche recherchiert wurden, sowie von den entsprechenden Elektronik-Unternehmen. Nur Apple hat nicht geantwortet. Microsoft erklärte, dass einige Ergebnisse des Berichts im Widerspruch zu den Prüfungen der eigenen Lieferanten stehen würden, die von trainierten und dafür ausgebildeten Institutionen durchgeführt wurden. Doch man versprach alle gemachten Vorwürfe ernst zu nehmen. Sony erklärte, dass die sozialen und ökologischen Fragen im Zusammenhang mit der mehrstufigen Lieferkette herausfordernd sind. Allerdings erwartet man bei Sony, dass die Lieferanten ihre eigenen Audits durchführen. Zusätzlich führen Microsoft, Apple, Philips und Motorola Überprüfungen ihrer eigenen Tier-I Zulieferer durch.

Sony hat nur an EICC Joint Audits teilgenommen. Im Lichte der hier gezeigten Ergebnisse, enthalten Audit-Systeme Schlupflöcher: wenn einige der zu Tage geführten Probleme (in vertraulichen und sorgfältigen Gespräche durch SACOM) in den Überprüfungen nicht auftauchen. Alle EMS-Unternehmen haben ausführliche Kommentare zugeschickt, von denen sich einige als sehr nützlich erwiesen. Die Informationen, welche von SACOM bereitgestellt wurden, stellten sich allgemein als richtig heraus. Nur Celestica gab zu, dass es noch Raum für Verbesserungen gebe. Foxconn beschuldigte SACOM, dass die Interviews gefälscht sind und dass man „eigene Motive“ verfolge.

Hier kann der komplette Bericht herunter geladen werden (Englisch).

Bildquelle: FairTradeCenter

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