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Leiterplatten | 19 Februar 2009

Schweizer Electronic setzt auf breiteres Produktportfolio

evertiq sprach mit Dr. Marc Schweizer über die zukünftige Entwicklung des Unternehmens. So kommt das Unternehmen mit der Markterschließung von kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Industrieelektronik und Medizintechnik planmäßig voran.


Wie stark und in welchen Bereichen wirkt sich die gegenwärtige Wirtschaftslage auf Ihr Unternehmen aus?
Die Weltwirtschaft befindet sich in einem überraschend scharfen und gleichzeitigen Abschwung, der alle Regionen und die Mehrzahl der Branchen erfasst hat. In vielen Ländern muss der Staat die Bankensysteme vor dem möglichen Zusammenbruch stützen, die Kreditvergabe stockt. Selbst wenn die Finanzmarktkrise ihren Höhepunkt überschritten haben sollte – ein großer Teil der unvermeidlich dämpfenden Wirkung auf die Wirtschaft, den privaten Konsum und die Arbeitsmärkte ist noch unterwegs. Die Nachrichten dürften also vorerst überwiegend unerfreulich bleiben.

Dieser Entwicklung kann sich leider auch die Schweizer Electronic nicht entziehen. Obwohl unser Unternehmen heute besser aufgestellt ist als die meisten Wettbewerber, zieht der weltweit starke Rückgang der Leiterplattennachfrage nicht spurlos vorüber.

Wir haben für die Schweizer Electronic ein zentrales Szenario und denkbare Alternativszenarien rechts und links für die kommenden Jahre entwickelt.

Alle Szenarien haben eines gemeinsam: durch weitere Portfoliooptimierungen, Produktivitätssteigerungen und Kostensenkungsprogramme bei gleichzeitiger Sicherstellung der Entwicklungspotentiale die Gewinnschwelle der Schweizer Electronic weiter zu senken sowie eine weiterhin flexible und skalierbare Produktion aufrecht zu erhalten. Sollte es die Kundennachfrage erfordern, kann die Schweizer Electronic sehr schnell wieder Kapazitäten zur Verfügung stellen.

Wie weit hat sich das von Ihnen initiierte Kostensenkungsprogramm entwickelt? Gibt es schon konkrete Ergebnisse?
Ja. Im Geschäftsjahr 2008 haben wir durch die umgesetzten Maßnahmen unsere Personaleffizienz und Produktivität deutlich erhöht und unsere Kostenbasis verbessert. Die Einsparungen aus diesen Maßnahmen kommen erstmals im Geschäftsjahr 2009 voll zur Wirkung, wobei die daraus entstehenden Aufwendungen bereits in 2008 verarbeitet sind.

Zusammengefasst war das Geschäftsjahr 2008 für die Schweizer Electronic von zwei sehr heterogenen Phasen geprägt.

Die ersten drei Quartale waren charakterisiert durch stetige Verbesserung der Ertragssituation. Hier wirkten sich neben dem Umsatzanstieg (Q1 bis Q3: +15% zu Vorjahr) die Erfolge durch die konsequent realisierten Restrukturierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen aus. Das operative Ergebnis lag damit über unseren Erwartungen.

Die heftigen Verwerfungen der Weltwirtschaft hatten auch einen negativen Einfluss auf das Ergebnis des vierten Quartals der Schweizer Electronic. Der Umsatzrückgang im Vergleich zum vierten Quartal des Vorjahres konnte durch schnell eingeleitete Gegenmaßnahmen (Kurzarbeit ab November) zum Teil kompensiert werden.

Sie suchen nach Standorten / Kooperationspartnern in Niedrig-Lohn-Ländern. Schauen Sie dabei nach Asien oder doch in den osteuropäischen Raum?
Wir schauen in Richtung Asien, also sowohl nach China wie auch nach weiteren Ländern im asiatischen Raum. Unsere Verhandlungen mit starken Partnern gehen weiter planmäßig voran und gestalten sich Erfolg versprechend.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Contag entwickelt? In welchen Bereichen arbeiten die beiden Unternehmen jetzt zusammen?
Positiv. Der Aufbau der Zusammenarbeit erfolgt in einer hierfür zugeschnittenen Projektorganisation. Dadurch ist es in einfacher Weise möglich, die notwendigen direkten Kontaktwege für die Mitarbeiter aufzubauen und zu pflegen. Ziel ist, unseren Kunden eine qualitativ hochwertige Leistung beginnend bei Engineering-Konzepten, über Prototypen, Qualifizierungsmustern bis hin zu Serienanläufen anzubieten.

Besonderen Wert legen wir in den einzelnen Arbeitsgruppen, die aus Mitarbeitern beider Unternehmen besetzt sind, auf die Nutzung von Synergieffekten aus Prototypendurchlauf und Serienanlauf. Wir lernen hieraus viele Vorteile für unsere Kunden und bekommen sehr positive Rückmeldungen. Dies liegt auch daran, dass die bisherigen Ansprechpartner für unsere Kunden bestehen bleiben.

Wie stark ist der Bereich Automotive am Umsatz von Schweizer Electronic beteiligt?

Das Jahr 2008 hat eine wesentliche kundenseitige Portfolioverbesserung für Schweizer Electronic erbracht. So konnten wir die Industrieelektronikumsätze im Vergleich zum Vorjahr auf über 30 Mio. € mehr als verdoppeln. Den größten Anteil an dieser Entwicklung haben die Photovoltaik Umsätze. Der Anteil der Automobilelektronik am Gesamtumsatz hat sich im gleichen Zeitraum auf 57% (Vj. 67%) verringert. Diese deutliche Portfolioverbesserung stimmt uns neben weiteren Faktoren zuversichtlich, dass wir den zu erwartenden Umsatzeinbruch begrenzen können.



Gibt es Segmente / Industriebereiche die Ihr Unternehmen verstärkt ausbauen möchte?
Ja. Wir folgen weiter unserem Strategiefahrplan. Einerseits werden wir weiter mit unseren Top-Kunden aus der Automobilindustrie, Photovoltaik und Industrieelektronik international wachsen. Andererseits geht unsere Markterschließung von kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Industrieelektronik und Medizintechnik planmäßig voran.

Zudem werden wir unser erstes Systemprodukt SEAGsens, ein RFID-basiertes Messgerät zur Temperaturüberwachung für die Medizinindustrie um zusätzliche Anwendungsgebiete erweitern.

Wie sieht es 2009 mit Investitionen aus? Wenn ja, wo sollen diese getätigt werden?
”Es muss uns der schwierige Spagat zwischen Sparen und wichtigen Investitionen für die Zukunft gelingen.” Das Jahr 2009 fordert konsequente Ausgabendisziplin. Gleichzeitig werden aber unvermindert Strategiefahrplan, Zukunftsprojekte und Innovationsanstrengungen fortgeführt. So wird die Schweizer Electronic auch im Jahr 2009 ihre Strategie zur Erweiterung der Angebotspalette um Bezugsquellen aus Niedrigkostenländern fortsetzen.

Wir haben durch interne Versetzungen und Einstellungen unsere Verkaufs- und Beratungsressourcen weiter verstärkt und planen in 2009 einen weiteren Ausbau mit Augenmaß. Neben der intensiven Betreuung unserer Bestands- und Großkunden ermöglicht uns dies, die Markterschließung und Betreuung von kleinen und mittelständischen Unternehmen weiter auszubauen.

So werden unsere innovativen Lösungen in den Kategorien „Strommanagement“, „Wärmemanagement“ und „Embedding“, der Integration von Bauteilen in die Leiterplatte, wie geplant vorangetrieben.

Mitarbeiterzahlen sind im Moment ein sehr schwieriges Thema. Wie sieht die Entwicklung bei Schweizer Electronic in diesem Bereich aus?
Auf den Absatzeinbruch Ende 2008 haben wir früh reagiert und bereits im November 2008 weitreichende Maßnahmen beschlossen, von denen sämtliche Unternehmensbereiche und Abteilungen betroffen sind. Leiharbeitsverhältnisse wurden aufgelöst, und befristete Arbeitsverhältnisse nicht verlängert. Zudem wurde per 1. November 2008 Kurzarbeit angemeldet.

Weitere Kostenanpassungen an die zu erwartende Auslastung befinden sich in Umsetzung. Neben konsequenter Ausgabendisziplin und der Ausnutzung von unseren Jahresarbeitszeitkonten erfordert dies auch einen weiteren Personalabbau, dessen Umfang und Schrittfolge von der weiteren konjunkturellen Entwicklung abhängig sind.

Viele große Leiterplatten-Unternehmen haben in den letzten zwei Monaten Insolvenz anmelden müssen. Wie sehen Sie die weitere Entwicklung in Deutschland?
Die europäische Leiterplattenindustrie ist stark fragmentiert und die Konsolidierung hat Anfang 2009 stark an Fahrt aufgenommen. Unternehmen, die durch die vergangenen guten Jahre bis Anfang 2009 ihr Geschäft fortführen konnten, sind mit dem Einbruch kurzfristig ins Schlingern geraten. Der Zugang zu Bankkrediten oder Private Equity ist deutlich anspruchsvoller geworden. Mit Blick auf die derzeitige Risikokombination ist von einer weiteren Marktbereinigung auszugehen.

Wie geht es mit der Schweizer Electronic weiter?
Die Ende 2007 eingeleiteten Weichenstellungen haben die strategische und operative Stellung der Schweizer Electronic gestärkt. Mehrere Faktoren stimmen uns zuversichtlich, dass wir den zu erwartenden Umsatzeinbruch begrenzen können:
• Unsere starke Kundenbasis, die sich durch einen hohen Anteil an Bestandskunden auszeichnet,
• bereits erschlossene Absatzmärkte in der Photovoltaikindustrie, die weiterhin von Wachstum geprägt ist,
• zunehmender Bedarf unserer Kunden, neue Produkte und Lösungen gemeinsam mit uns zu entwickeln,
• unsere flexiblen Fertigungskapazitäten und kurzen Transportzeiten, die auf kurzfristiges Dispositionsverhalten unserer Kunden abgestimmt sind,
• die anstehende Erweiterung unserer Angebotspalette um Bezugsquellen aus Niedrigkostenländern.

Mit ihrer gesunden Finanz- und Vermögenslage, dem hohen Innovationspotenzial, einem hoch qualifizierten Mitarbeiterstamm und der verbreiterten Aufstellung ist die Schweizer Electronic daher gut gerüstet, die Zeit bis zur konjunkturellen Erholung zu meistern. Wir werden unsere Wettbewerbsposition auch in diesen schwierigen Zeiten weiter ausbauen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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