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Leiterplatten | 12 Februar 2009

Enzmann investiert in neue Maschinen für die Prototypenfertigung

Der deutsche Leiterplattenspezialist investiert in neue Maschinen und Anlagen, welche schon im 1Q/2009 in der Prototypenfertigung eingesetzt werden sollen. Auch in die Weiterbildung der Mitarbeiter wird derzeit kräftig investiert. evertiq führte ein Interview mit Peter Maria Schäflein (Plant Manager) und Donald Draut (General Manager) über die Entwicklung des Unternehmens.


Wie stellt sich das Jahr 2008 für Ihr Unternehmen dar?
Herr Draut: 2008 war ein gutes Jahr. Für die Eigenfertigung von Prototypen hier in Deutschland konnten wir einen Anstieg zum Jahresende hin verzeichnen. Als sich die wirtschaftliche Situation im Herbst in Europa allgemein verschlechterte, haben einige unserer Großserienkunden aus dem Automobil-Bereich die Handbremse angezogen und Aufträge so weit wie möglich nach hinten, also auf Januar 2009, geschoben.

Welche Konsequenzen hat die gegenwärtige schlechte Wirtschaftslage für das Unternehmen?
Herr Draut: Als Familienunternehmen sind wir von der derzeitigen wirtschaftlichen Entwicklung nicht so stark betroffen, da wir unsere Investitionen unabhängig von den Banken tätigen können. Wir sind derzeit dabei, durch Investitionen in Anlagen und Maschinen sowie in die Weiterbildung der Mitarbeiter die Position des Unternehmens zu stärken. Ich freue mich auch, sagen zu können, dass die momentane Wirtschaftslage keinen Einfluss auf unsere Mitarbeiterzahl hat. Unser Ziel ist es, unsere Kundenbasis neben Automotive auch in den Bereichen Industrie, Medizin sowie Luft- und Raumfahrt zu erweitern, denn höchste Qualität und Zuverlässigkeit sind auch in diesen Märkten sehr gefragt.

Wo sollen die neuen Maschinen denn installiert werden?
Herr Schäflein: Die neuen Maschinen sind in erster Linie für die Prototypenfertigung vorgesehen und werden im ersten Quartal in die Produktion gehen.

Das heißt die Produktionskapazität wird durch die neuen Maschinen erweitert?
Herr Schäflein: Richtig, wobei unser Hauptaugenmerk wie immer auf der Qualität liegt. So haben wir kürzlich eine neue maßgeschneiderte Strippen-Ätzen-Strippen- (SES)-Linie installiert, um feine Strukturen auf Innenlagen bis 70µm präzise und wirtschaftlich realisieren zu können. Mit den Investitionen, die wir tätigen, zielen wir auf Anwendungen bei denen es auf ein präzise definiertes Signal ankommt, wie beispielsweise impedanzkontrollierte Schaltungen für die HF- und Medizintechnik.

Soll die Zusammenarbeit mit Ihrem Produktionspartner in Thailand weiter ausgebaut werden?
Herr Draut: Wir sind überzeugt, dass die langfristige Partnerschaft mit KCE beachtliche Vorteile für unsere Kunden bietet und bauen die Kooperation kontinuierlich weiter aus. KCE ist einer der weltweit größten Leiterplattenhersteller und mit einem solchen Partner können wir unseren Kunden die Wirtschaftlichkeit und Erfahrung bieten, die für die Massenproduktion von Leiterplatten erforderlich ist. KCE unterhält ein IEC-zertifiziertes Labor gemäß der Norm 17025, welches wir für unsere Eigenfertigung nutzen können, beispielsweise für die Entwicklung neuer Technologien. Wir denken auch darüber nach, unser Einkaufsvolumen mit KCE zu bündeln, was uns natürlich entscheidende Vorteile bringen wird.

Ist Indien eine Alternative für Sie?
Herr Draut: Nein, mit Enzmann für die Eigenfertigung von Prototypen, Mustern und Kleinserien und KCE für die Großserien sehen wir derzeit keinen Bedarf, nach Indien zu gehen.



Welche Pläne hat das Unternehmen in Osteuropa?
Herr Draut: In absehbarer Zeit werden wir kein Vertriebsbüro für Osteuropa aufstellen, da diese Region von unserem Partnerbüro KCE Europe abgedeckt wird. Das Unternehmen sitzt in England und unterhält ein weiteres Büro in Frankreich. Die rund zwölf Außendienstmitarbeiter von KCE Europe sind auch in den skandinavischen und osteuropäischen Ländern unterwegs. Natürlich sprechen sie auch potenzielle Kunden für Enzmann an und geben unsere Informationen weiter.

Welches Potential sehen Sie in Skandinavien?
Herr Draut: Ganz sicherlich sehen wir großes Potenzial in Skandinavien. Derzeit werden noch sämtliche Aktivitäten in dieser Region von unserem Partnerbüro abgedeckt. Wir werden unsere eigene Vertriebsorganisation Schritt für Schritt weiter ausbauen. Ende letzten Jahres hat in Norwegen der letzte lokale Leiterplattenhersteller seinen Türen geschlossen. Ein Bedarf ist also sicherlich da.

Wo sehen Sie Ihr stärkstes Kundensegment? Und wie sieht es mit anderen Bereichen aus?
Herr Schäflein: Automobil ist unser größtes Kundensegment, gefolgt von der Industrieelektronik. Weiter ausbauen wollen wir unsere Präsenz in den Bereichen Medizintechnik und Luft- & Raumfahrt, denn beide Bereiche sind in Deutschland sehr stark vertreten und erfordern eine sehr hohe Produktqualität, durch die wir uns seit jeher differenzieren. Viele Leiterplattenhersteller stürzen sich jetzt auch auf die Photovoltaikbranche. In diesem Bereich wird hauptsächlich mit Dickkupfer operiert, von daher ist er für uns nicht interessant.

Wie sehen Sie die Entwicklung der deutschen / europäischen Leiterplatten-Industrie in den nächsten 3-5 Jahren?
Herr Schäflein: Bei der gegenwärtigen Konjunkturlage muss auch die Leiterplattenindustrie mit einer Marktbereinigung rechnen. Wir nutzen diese Zeit, um unsere Produktionsleistung auf unseren zukünftigen Bedarf auszurichten. Durch intelligente Investitionen in Anlagen und Mitarbeiter schaffen wir eine ideale Ausgangslage, um die Position des Unternehmens zu stärken.

Möchten Sie gerne noch etwas für unsere Leser hinzufügen?
Herr Schäflein: Wir können sehr optimistisch in die Zukunft blicken, denn wir sind von keiner Bank abhängig. Das ist ein großer Vorteil für uns – und unsere Kunden.

Vielen Dank für das Gespräch.

Kommentare

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