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Elektronikproduktion | 10 Dezember 2008

Flextronics sieht Europas Zukunft in High Level Assembly

evertiq sprach mit Mattias Lindhe, Vice President Flextronics Special Business Solutions, über die zukünftige Entwicklung der EMS-Industrie. Flextronics sieht die Zukunft des EMS-Geschäfts in Europa im Bereich High Level Assembly und richtet seine Fertigungsstätten in Europa, speziell in Deutschland und UK, dahingehend aus.
Wie sehen Sie die Entwicklung von Flextronics SBS in Europa?

Speziell in Europa arbeiten wir ständig daran, uns den Bedürfnissen unserer Kunden und ihrer Märkte anzupassen. Dabei versuchen wir unser technologisches Know How und unsere Kapazitäten den Kunden dort zur Verfügung zu stellen, wo diese sie benötigen. Wir spüren im Moment einen starken Gegenwind in Europa – aus finanzieller Sicht. Wir werden unser Möglichstes tun, um unseren Kunden das zu bieten, was sie brauchen. Dies ist sehr wichtig.

In welcher europäischen Regionen hat Flextronics SBS eine starke Präsenz?

Europa ist für uns als Zielmarkt eine absolut wichtige Region und wir haben bereits einen sehr großen Kundenstamm in Europa. Es gibt eine Menge von Unternehmen in der Elektronik- und Dienstleistungs-Industrie, die ihren Sitz in Europa haben. Für sie wird es immer wichtiger eine lokale Präsenz aufzubauen. Es wird teurer zu reisen und zudem wollen viele Mitarbeiter auch nicht zu lange von ihren Familien getrennt sein. Eine lokale Präsenz wird also sehr wichtig sein. Und das ist es, was wir bei Flextronics SBS erreichen wollen. Wir sind da, wo unsere Kunden sind. Das heißt natürlich nicht, dass wir beispielsweise in Schweden produzieren, nur weil Sie in Schweden sind. Ich kann auch Ihre Produkte in - sagen wir der Ukraine, Ungarn oder China – für Sie produzieren. Aber es ist die lokale Präsenz, die wir bevorzugen. Genau wie ein lokaler Familienbetrieb, aber mit einer großen Unternehmensgruppe im Hintergrund. Wir sind uns bewusst, dass dies wichtig für unsere Kunden in Europa ist.

Bevor Flextronics seine SBS Division in Schweden aufbaute, sah man Flextronics mehr als einen amerikanischen Riesen in Schweden. Nun sieht es jedoch aus, als ob sie auch auf einer lokalen Ebene mit anderen lokalen EMS-Dienstleistern konkurrieren, sagt evertiq.

Die SBS Division fühlt sich – bezogen auf den gemachten Umsatz – an wie ein Unternehmen im Unternehmen. Wenn ich meine Arbeit beurteile, dann sehe ich, dass wir doppelt so stark wie unsere lokalen Wettbewerber in Schweden gewachsen sind. Das macht mich glücklich und es bedeutet auch, dass der Markt zu schätzen weiß, was wir tun.

Und in welcher europäischen Region ist Flextronics am stärksten vertreten?

Ich denke, wir haben eine gut strukturierte Präsenz in ganz Europa. Wir haben mindestens ein Werk in den meisten europäischen Ländern. Wenn Sie sich auf die Märkte für Flextronics SBS konzentrieren, dann ist Skandinavien – und hier vor allem Schweden - am erfolgreichsten für uns und wir konnten in diesem Raum einige neue Kundenbeziehungen aufbauen und unser Geschäft wahrhaftig diversifizieren. Jetzt arbeiten wir hart, um den gleichen Erfolg auch in Großbritannien und Deutschland zu erreichen. Deutschland ist ein Markt, auf den wir uns dabei besonders konzentrieren. Deutschland ist der größte Markt und wir bündeln unsere Energie auf diesen Markt.

Wie sieht es mit Investitionen in Osteuropa aus?

Flextronics SBS unterhält zwei Fabriken in Osteuropa – eine in Ungarn und eine in der Ukraine. Wir werden auch weiterhin unseren Kunden eine sogenannte "Hybrid-Lösung" anbieten. Wenn die Notwendigkeit besteht die Produktion nach Osteuropa auszuweiten, dann werden wir das tun. Dies ist jedoch im Moment nicht der Fall. Wenn jedoch das Konzept der Hybrid-Lösungen in der Breite akzeptiert wird – und ich glaube, dass dies geschehen wird - werden wir uns auch diesbezüglich wieder den Bedürfnissen unserer Kunden anpassen.

Welche Art von Produktion wird Flextronics in Zukunft in Europa betreiben?

Alles entwickelt sich mehr und mehr in eine Richtung – etwas das wir als High level Assembly (HLA) bezeichnen. Es ist diese Art von Produktion, auf die wir uns konzentrieren. Wir sind traditionell sehr stark auf die Bestückung und den Test von elektronischen Baugruppen fokussiert. Diese Art der Fertigung wird auch weiterhin eine große Rolle spielen, jedoch für eine weitaus breitere Produktpalette bei immer kleineren Stückzahlen, da die Massenproduktion weiter in Niedrigkostregionen abwandern wird.

Da Kunden zunehmend auf Partner wie etwa Flextronics zurückgreifen, um ihre Produkt zu produzieren, wird sich der Schwerpunkt der Tätigkeiten in unserem Geschäft von der Bestückung elektronischer Baugruppen zur Montage kompletter und komplexer Geräte ändern. Das ist die Zukunft unseres Geschäftes in Europa. Damit können wir unsere Kunden in ihrem Bestreben, näher am Markt des Endkunden zu sein, unterstützen, wir helfen ihnen z.B. mit Logistik-Lösungen und After-Sales Dienstleistungen. Wir sind das einzige Unternehmen, das all dies bieten kann – alles vom Konzept und Design über die Fertigung der Produkte bis hin zu After-Sales Dienstleistungen. In all diesen Bereichen sind wir bestens positioniert.

Welche Art von Produkt hat das größte Potenzial in den europäischen Märkten?

High Level Assembly - oder HLA - ist eine der zukünftigen Geschäftsstrategien für Europa. Flextronics bietet etwas, das wir ‚Value Proposition’ nennen und wir glauben, dass dies uns bei der Diversifizierung unserer Kundenstrategie helfen wird. Und es ist genau dieses Konzept der ‚Value Proposition’, welches wir unseren Kunden vermitteln wollen. Wenn uns dies gelingt, dann werden wir die kompletten Endprodukte produzieren, einschließlich aller Komponenten. Wir versuchen, so nah wie möglich am Endmarkt des Kunden zu produzieren und natürlich auch so schnell wie möglich, denn es geht schließlich um die Total Cost of Capital.

Unsere Kunden wollen so wenig Kapital wie möglich und alles Kapital so kurz wie möglich binden. Deshalb macht es für viele große Geräte und Systeme mehr Sinn, wenn diese regional in Europa gefertigt werden.

Logistik ist ein weiterer Service, den wir unseren Kunden bieten. EMS ist für uns nicht nur Elektronik, sondern auch ein wirklicher Manufacturing Service. Das sind für uns alle Dienstleistungen in der Elektronikbranche – vom Kauf von Komponenten bis hin zum Versand der produzierten Endprodukte.

Die Senkung von Frachtkosten, die Einschränkung beim Ölverbrauch, die Einschränkung bei der Zahl von Flugreisen – all das gewinnt zunehmend an Bedeutung für die Gesellschaft: Aus ökologischer Sicht, aber auch in Bezug auf die damit verbundenen Kosten. Und hier kommt Flextronics ins Spiel.

Plant Flextronics eine Umstrukturierung der europäischen Operationen in den nächsten 3 bis 5 Jahren?

Auch hier geht es vor allem um Anpassung. Wir passen uns ständig den Bedürfnissen des Marktes an. Wenn wir expandieren müssen – dann expandieren wir; wenn wir unsere Kapazitäten anpassen müssen – dann passen wir sie an.

Wie hoch ist der europäische Beitrag zum weltweiten Umsatz von Flextronics?

Der europäische Teil am Gesamtumsatz von Flextronics beträgt ungefähr 25%. Der Gesamtumsatz von Flextronics selber beträgt rund $35 Milliarden. Es kommt also sehr viel Geld aus unseren europäischen Produktionsbereichen.

Plant Flextronics die Mitarbeiterzahl in Europa zu erhöhen?

Die wichtigsten Kernbereiche muss man immer selbst ausüben. Wenn wir uns auf ein bestimmtes Gebiet oder eine bestimmte Region konzentrieren wollen, dann werden wir dort Verstärkungen vornehmen. Wir passen uns an die Bedürfnisse des Marktes an. Wenn der Markt nach X verlangt, dann werden wir Ressourcen aufbauen, die es uns erlauben X zu liefern, und so weiter.

Spürt Flextronics die allgemeine Schwäche der globalen Wirtschaft?

Natürlich spüren wir Auswirkungen, sowohl intern als auch extern. Doch hier bei Flextronics fahren wir das Auto selbst - "we are driving our own destiny". Wir haben ein Management, das sehr hart daran arbeitet, dass wir gestärkt aus dieser Krise hervorgehen. Zudem sind wir in einer sehr guten finanziellen Position.

Wir bemerken die Schwäche schon, aber wir arbeiten konzentriert, damit wir aus diesem "wirtschaftlichen Winter" stärker als je zuvor hervorgehen; mit mehr Kunden - mehr zufriedenen Kunden - als je zuvor. Wenn man in schwierigen Zeiten Stärke zeigt, dann kann man diese Stärke nutzen und neue Kunden gewinnen. Wir haben die Prozesse, wir haben das Personal und wir haben die finanziellen Mittel, um gut durch diese Rezession zu kommen.

Sehen Sie einen Unterschied in den Geschäften von Flextronics - vor und nach der Übernahme von Solectron?

Wir haben Solectron erworben, weil sich unsere Geschäfte sehr gut ergänzt haben – in Bezug auf die Lokalisierung der Fertigungsstandorte, die technischen und technologischen Fähigkeiten, die Fertigungskapazität und auch den Kundenstamm - es passte perfekt.

Und auch SBS wurde nach der Übernahme von Solectron stärker; genau wie der Rest von Flextronics. Wir haben einen größeren Footprint – mit weiteren Fertigungsstätten in Japan, Singapore und an der US-amerikanischen Westküste.

Wir haben von den Solectron Mitarbeitern viel über die Grundsätze und Methoden von ‚Lean Production’ gelernt, die wir nun in allen unseren Fertigungsstätten eingeführt haben. Auch unsere Kunden sehen dies und wir haben diesbezüglich sehr viel positives Feedback erhalten. Im Wesentlichen haben wir unsere ‚Value Proposition’ verbessert und unser Erfolg auf den regionalen Märkten scheint dies zu bestätigen.


Evertiq dankt Mattias Lindhe und allen anderen bei Flextronics, die zu diesem Gespräch beigetragen haben.

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