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© rangizzz-dreamstime.com Elektronikproduktion | 21 Juli 2014

Periscope - neuer, ‘alter’ Name und ein Anfang

Seit Mitte Juni heißt Flextronics im deutschen Paderborn nicht mehr Flextronics, sondern Periscope. Doch was hat sich - außer dem Namen - noch Alles geändert? Wir haben nachgefragt.
Zuerst muss man sagen, dass dieser Wechsel doch eher ein Zufall war. “Flextronics wollte verkaufen und wir haben nach geeigneten Akquisitionsmöglichkeiten gesucht. Und Beides kam glücklicherweise zusammen”, erklärte Markus Roschel, Geschäftsführer der Periscope GmbH. “Wir haben ja vor rund 18 Monaten die Selcom Gruppe übernommen und uns war von Anfang an klar, das wir weiter wachsen wollen

So weit so gut. Doch warum entschied man sich für einen deutschen Standort? Hohe Lohn- und Fixkosten machen eine Produktion doch eher zu einem Abenteuer wie es scheint. “Unser Ziel ist es einen wirklich schönen Mittelständler aufzubauen. Der Fond ist deutsch und der deutsche Markt ist wichtig und wir wollten eine industrielle Basis in Deutschland schaffen. Das wiederum gibt uns einen besseren Zugang zum Markt.”

Das der Bereich Industrial in Paderborn einen großen Teil des Portfolios ausmacht, war ebenfalls ein ausschlaggebender Faktor. “Wir sind mit der Selcom Gruppe bereits in den Bereichen Industrial und Automotive vertreten. Wir haben jedoch wenig Einfluss auf dem deutschen Markt. Mit dem neuen Produktionsstandort hier in Paderborn - übrigens unser größter Standort in Bezug auf Umsatz - wollen wir verstärkt am deutschen Markt agieren. Wir wollen uns als Partner für den Mittelstand etablieren. In unserem Geschäft ist es - und davon bin ich überzeugt - sehr wichtig, dass man auf Augenhöhe miteinander kommuniziert. Das soll im Umkehrschluss jedoch nicht heißen, dass wir nicht mit internationalen Großkonzernen zusammenarbeiten wollen oder werden. Ganz im Gegenteil.”

Im Kundenportfolio sollen die Großkunden jedoch nur einen kleinen Teil ausmachen.

Auch Regionalität sieht der Manager als einen wichtigen Faktor. Und nutzt dabei eine Analogie über das Brauhandwerk. “Brauereien sagen immer, ich mache meine Geschäfte um den Brauturm herum. Weiter gehe ich nicht, weil ich sonst die Regionalität verliere. Das kann man in unserem Geschäftsfeld natürlich viel weiter definieren, man braucht aber einfach die Nähe. Die kann man geografisch definieren, es muss aber auch vom Kopf und von der Einstellung her passen.”

Wenn wir hier wieder selbstständig und lokal agieren können, dann können wir hier in Paderborn sehr erfolgreich sein. Davon bin ich überzeugt.

Doch man ist mit den Investitionen und Zukäufen noch nicht fertig. Man will das Portfolio noch weiter ausbauen und interessiert sich dabei vor allem auf den Bereich Medical; derzeit nicht wirklich repräsentativ vertreten. Das soll sich aber ändern. “Wenn jemand im Bereich Medical verkaufen möchte, dann soll er sich bei uns melden. Das können Sie gerne so schreiben.” Haben wir hiermit gemacht. “Medical ist ganz sicher ein Bereich, den wir ins Auge gefasst haben. Zu einer Übernahme müssen jedoch viele Sachen zusammenkommen. Wenn wir diese Kompetenzen erwerben könnten, dann wäre das toll. Ansonsten werden wir das organisch aufbauen.”

Doch wie soll es nun in Paderborn weiter gehen. Steht der Standort vor einer rosigen und erfolgreichen Zukunft? Oder wird es eher spannend?

“Mit Sicherheit wird alles rosig. Aber dafür müssen wir hart arbeiten. Wir haben nicht nur Vorteile hier. Durch hohe Lohnkosten z.b. aber das ist in ganz Deutschland so. Dann sind wir in Paderborn derzeit nicht voll ausgelastet. In Paderborn gibt es Platz für sehr viel mehr. Die Fabrik ist ausbaufähig. Früher hat der Standort sehr viel mehr Umsatz generiert, als das heute der Fall ist. Das sind einfach Realitäten. Heute wäre Periscope alleine auch nicht lebensfähig. Viele notwendige Bereiche waren nicht in Paderborn angesiedelt, sondern wurden auf Konzernebene organisiert. Wir bringen nun nach und nach diese Bereich wieder zurück an diesen Standort. Derzeit bauen wir wieder eine Verwaltung, den IT-Bereich und die Auftragsakquise auf.”

Für die nächsten 6 Monate ist man daher mit der Einführung eines SAP-Systems beschäftigt. Man wird EUR 3 Millionen investieren. Danach soll der Standort wieder als Stand-Alone funktionieren können. Als regionaler Mittelständler eben. Das die Kunden von diesem Übergang nicht nachteilig beeinträchtigt werden, liegt auch an den Übergangsvereinbarungen mit Flextronics. “So müssen wir nur einmal aus und wieder anschalten.” Positiv zu erwähnen ist jedoch, so der Manager, dass man schon wieder eigene Aufträge bucht. Ein kleiner Erfolg und ein gutes Zeichen für die Zukunft?

“Der schwere Teil beginnt, wenn wir wieder eigene Erträge erwirtschaften müssen. Und das geht natürlich nur, wenn wir Kosten senken und Umsätze steigern.” Für eventuelle Maßnahmen - die ergriffen werden müssen oder nicht - ist es noch zu früh, so der Manager. Man sei noch in der Sondierungsphase.

Die Standortprognose ist dennoch ausgesprochen positiv. “Wir haben heute ein sehr gutes Kundenportfolio hier in Paderborn. Nun hängt es davon ab, wie wir das Portfolio stabilisieren und ausbauen können. Auf dem Niveau auf dem wir heute sind, wird es für eine Standortsicherung nicht reichen. Das muss mehr werden. Aber, um das noch einmal ausdrücklich zu sagen, wir hätten - ohne offensichtliche Wachstumsmöglichkeiten - diesen Standort nicht gekauft.”

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2017.08.13 16:10 V8.5.9-1