Allgemein | 22 Dezember 2006

Dubiose Millionen-Zahlungen bei Siemens auch in 2006?

Anscheinend hat Siemens im Geschäftsbereich Com auch noch im letzten Geschäftsjahr Bestechungsgelder in Millionenhöhe gezahlt. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung (SZ) wurden im Geschäftsjahr 2005/06 (Ende 30. September) mehr als 77,6 Millionen Euro verbucht, die nach Einschätzungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG vermutlich für Bestechung verwendet wurden.
Die KPMG-Prüfer suchen seit Sommer 2006 gezielt nach verdächtigen Transfers. In einem Prüfbericht wurden jetzt Zahlungen in Höhe von 77,6 Millionen Euro genannt, die an mehr als zehn Firmen und Geschäftsleute in Europa, Asien und Afrika gingen. Auffällig sei gewesen, dass mal die Empfänger nicht eindeutig erkennbar waren, mal die Dienstleistungen nicht eindeutig festgelegt waren oder die Dauer der Kontrakte unbestimmt war. Der Prüfbericht liegt inzwischen auch der Münchner Staatsanwaltschaft und der Sonderkommission Netzwerk des Bayerischen Landeskriminalamts vor. Die Fahnder dürfte vor allem interessieren, ob Siemens-Manager als Ersatz für die seit 2004 aufgeflogenen Schwarzgeldkonten in Liechtenstein und in der Schweiz ein neues System schwarzer Kassen geschaffen haben.
Ein Konzernsprecher erklärte gegenüber der Süddeutschen, Siemens habe alle Zahlungen für diese Beraterverträge gestoppt. Die im vergangenen Geschäftsjahr noch überwiesenen 77 Millionen Euro und die noch vorliegenden Forderungen von mehr als 22 Millionen Euro seien in den 420 Millionen Euro enthalten, die Siemens in der vergangenen Woche zweifelhaften Zahlungen für Beraterverträge zugeordnet hatte. Vorstandschef Klaus Kleinfeld, Finanzvorstand Joe Kaeser und der Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich von Pierer beteuerten, ihnen seien weder Schmiergeldzahlungen bei Com noch die dort für diesen Zweck angelegten schwarzen Kassen bekannt gewesen.
Mittlerweile wurden zwei der insgesamt sechs in Untersuchungshaft sitzenden Verdächtigen wieder auf freien Fuß gesetzt. Dabei handelt es sich nach Informationen des Handelsblatts um Michael Kutschenreuter, dem in der Schmiergeldaffäre mutmaßlich eine Schlüsselrolle zukommt, und einen Herrn J., der Zugang zu den Konten, die später als schwarze Kassen entlarvt wurden, gehabt haben soll.
Beide hätten ausgesagt, dass die Konzernspitze zumindest teilweise von unrechtmäßigen Provisionszahlungen gewusst hat. Diese Zahlungen seien gängige Praxis der Festnetzsparte Com gewesen.

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