Elektronikproduktion | 22 November 2006

Elektronische Keilbremse besteht Straßentest

Die elektronische Keilbremse (EWB) von Siemens hat ihre ersten Tests in der Praxis bestanden. Mehrere Prototypenfahrzeuge sind inzwischen auf der Straße unterwegs. Mit ihnen können internationale Autohersteller das neue Bremsverfahren erproben. Der Automobilzulieferer Siemens VDO arbeitet mit Hochdruck am Einstieg in den Milliardenmarkt für Bremsen.
Die Serienreife der EWB (von englisch Electronic Wedge Brake) ist zum Ende des Jahrzehnts geplant. Die Bremse soll mittelfristig in jeder Fahrzeugklasse vom Kleinwagen bis zum Lkw verfügbar sein. Unterdessen wurde Bernd Gombert, der Erfinder der EWB, am 13. November mit der Rudolf-Diesel-Medaille des Deutschen Instituts für Erfindungswesen ausgezeichnet.
Bremsenexperten sind von dem revolutionären Konzept der EWB überzeugt. Ihrer Aussage zufolge ist sie herkömmlichen Bremsen im dynamischen Löseverhalten überlegen, d.h. sie ermöglicht in Zukunft eine stark verbesserte Antiblockierfunktion. Im Vergleich zu anderen elektronisch geregelten Bremsen hat sie zudem eine bessere Dynamik und Verzögerung. Die EWB ermöglicht daher kürzere Anhaltewege – gerade bei schlechten Straßenverhältnissen wie Eis oder Schnee.
Die EWB kommt völlig ohne Hydraulik aus; sie wird rein elektronisch über Elektromotoren betätigt. Jedes Rad hat seine eigene Kontrolleinheit. Betätigt der Autofahrer das Bremspedal, wird ein elektronisches Signal an die Radbremse geleitet. Eine ausgeklügelte Sensorik und Software passt die Bremsleistung am Rad optimal an unterschiedlichste Straßenverhältnisse an. Beim Bremsvorgang wird im Prinzip ein Bremsklotz, der mit einem Keil verbunden ist, zwischen die Bremszange und die Bremsscheibe gedrückt. Durch die Radrotation und die damit verbundene Reibung wird die Keilwirkung weiter selbsttätig verstärkt. Dabei nutzt die Keiltechnologie die kinetische Energie des Fahrzeugs. Wegen dieser Selbstverstärkung benötigt die EWB deutlich weniger Energie als eine heutige hydraulische Bremse.

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